Brother QL-1100 und andere Drucker Airprint und netzwerkfähig machen mit einem Raspberry Pi und CUPS

Meine neuste Errungenschaft ist ein QL-1100 Labelprinter von Brother. Heute will ich Euch zeigen, wie Ihr den Drucker, der normalerweise nur über einen USB-Anschluss verfügt auch Netzwerkfähig und mit AirPrint ausstatten könnt. Diese Anleitung bezieht sich zwar auf den Brother QL-1100, es können aber auch alle anderen Drucker, die über keine direkte Netzwerkschnittstelle verfügen so Netzwerk- und AirPrint-fähig gemacht werden.

Um das Gerät Netzwerkfähig zu machen, brauchen wir einen kleinen Printserver, der unsere USB-Schnittstelle netzwerkfähig macht. Für diese Aufgabe bietet sich mal wieder ein Raspberry Pi an. Es muss dabei auch nicht unbedingt ein 3B oder 3B+ verwendet werden. Der Printserver benötigt kaum Systemressourcen – daher kann auch ein Gerät der älteren Baureihe verwendet werden. Ich nutze hierfür z.B. einen Raspberry Pi2, der bei mir aktuell keine andere Aufgabe hat.

Der Aufbau sieht dann wie folgt aus: Der Drucker wird direkt per USB-Kabel an den Raspberry Pi angeschlossen. Der Pi ist dann über ein Netzwerkkabel oder per WLAN mir dem Heimnetzwerk verbunden und dann von dort aus angesprochen werden. Damit der Drucker angesprochen werden kann, läuft auf dem Printserver Samba für Windows und AirPrint für Apple iPads und iPhones.

Als Software läuft auf dem Printserver CUPS. Damit der Drucker von CUPS richtig angesprochen werden kann, müssen Linux-Treiber für den Drucker vom Hersteller zur Verfügung stehen. Bei HP, Canon und Brother ist dies für die meisten Modelle der Fall, daher kann fast jeder ältere Drucker mit dem Pi-Printserver verwendet werden.

Um den Printserver nutzen zu können, müssen wir den Pi zuerst vorbereiten. Wir laden uns dazu das Betriebssystem Raspian herunter und installieren das Image auf einer SD-Karte.

Wie das funktioniert habe ich Euch hier im Detail beschrieben:

Vorbereitung der SD-Karte und Installation des Images

Installation Win32 Disk Imager

Bevor wir mit dem Raspberry starten können, müssen wir die Software auf die SD-Karten bringen. Dafür benötigen wir die Software Win32 Disk Imager. Damit können wir das Betriebssystem auf die SD-Karte kopieren.

Herunterladen des aktuellen Betriebssystems für den Raspberry Pi

Wir verwenden für unsere Home-Bridge Rasbian. Die neuste Version bekommt Ihr hier her. Der Download dauert etwas, da das Image ca. 1,4 GB groß ist.

Rasbian Image auf SD-Karte kopieren:

Dazu starten wir den soeben installierten Win32 Disk Imager. Sollte eine Fehlermeldung kommen, muss die Software als Administrator gestartet werden (rechte Maustaste „Als Administrator ausführen“).

win32-disk-imager

Bei Image File wählt Ihr das entpackte Rasbian Image, welches wir soeben heruntergeladen haben. Bei Device wird nun die microSD-Karte ausgewählt, auf die wir das Image schreiben wollen.

Mit einem Klick auf „Write“ wird der Vorgang gestartet. Das Schreiben des Images dauert ca. 2 Minuten.

SSH-Zugriff aktivieren

Leider ist bei den neuen Jessie Lite Image-Dateien der SSH Zugriff nicht von Anfang an aktiviert. Damit wir auf den Pi zugreifen können, muss dieser noch eingeschaltet werden. Dazu ist ein kleiner Schritt nötig, den ich Euch hier in einer separaten Anleitung beschrieben habe.

Ohne diesen Schritt ist es leider nicht möglich, den Pi der Putty zu erreichen.

SD-Karte einsetzen und Raspberry Pi starten

Nachdem das Image auf die SD-Karte geschrieben worden ist, setzen wir den Speicher in den Raspberry Pi ein. Ihr könnt nun das Netzwerkkabel und das Netzteil anschließen. Der Raspberry Pi bootet nun.

Um eine Verbindung zum Gerät herstellen zu können, müssen wir die IP-Adresse vom Raspberry Pi wissen. Das können wir auf 2 unterschiedliche Arten erledigen.

Solltet Ihr eine Fritz! Box haben, können wir dort unser Heimnetz nach neuen Geräten durchsuchen. Dazu gebt Ihr einfach fritz.box in Euer Browserfenster ein und loggt in Euern Router ein.

Über das Menü „Heimnetz“ –> „Heimnetzübersicht“ erhaltet Ihr eine komplette Auflistung Eurer Teilnehmer im Netzwerk. Hier sollte nun ein Eintrag „raspberrypi“ zu sehen sein. Mit einem Klick auf Details gelangt Ihr in das auf dem Bild zu sehende Fenster.

fritz-box-raspberry-pi-ip

Hier könnt Ihr die IP-Adresse des Gerätes sehen. Am besten setzt Ihr direkt den Haken bei „Diesem Netzwerkgerät…“ so erhält der PI bei jedem Start immer die gleiche IP-Adresse.

Ein 2. Weg um an die IP-Adresse zu kommen, führt über einen Netzwerkscanner. Mit diesem könnt Ihr Euer Netzwerk scannen und findet so ebenfalls den neuen Teilnehmer.

Das ganze funktioniert natürlich nur, wenn bei Euch ein DHCP-Server aktiv ist.

Da wir nun die IP-Adresse von unserem Pi wissen, können wir über das Programm Putty darauf zugreifen.

Wir starten dazu Putty und tragen bei „Host Name“ die zuvor ermittelte IP-Adresse ein.

putty-raspberry

Der Port bleibt unverändert bei 22. Mit einem Klick auf „Open“ stellen wir nun eine Verbindung zum Raspberry Pi her. Sollte ein Fenster mit einer Meldung erscheinen, dass der host key noch nicht gecached ist, beantworten wir diese mit „Ja“.

Nun erscheint ein schwarzes Eingabefenster mit der Meldung „login as:“. Hier tragen wir

ein und quittieren dies mit Enter.

Das Passwort für den Benutzer Pi lautet:

Damit sind wir nun per SSH auf dem Raspberry Pi eingeloggt und können die weiteren Schritte durchlaufen

Jetzt führen wir erst ein Update des Systemes durch, damit auch alle Pakete auf einem aktuellen Stand sind.

Dazu geben wir folgenden Befehl ein:

Nach einer kurzen Weile muss die Freigabe für zusätzlichen Speicherplatz gegeben werden. Hier müsst Ihr mit „Y“ und „Enter“ bestätigen.

Nachdem alle Pakete auf den aktuellen Stand gebracht worden sind, können wir mit der Installation von CUPS beginnen.

Dazu geben wir folgenden Befehl ein:

Auch hier müssen wir wieder zusätzlichen Speicherplatz freigeben. Das machen wir erneut mit „Y“ und „Enter“.

Jetzt wir auch automatisch der Samba-Server für Windows heruntergeladen und installiert. Dieser Vorgang nimmt etwas Zeit in Anspruch.

Nach der Installation müssen dann zusätzliche Einstellungen an der config-Datei vorgenommen werden.

Dazu muss die config-Datei mit folgenden Befehl:

geöffnet werden. Das Programm CUPS erreicht Ihr nach der Installation über den lokalen Port 631. Da wir aber das Gerät auch in unserem Heimnetzwerk erreichen wollen, müssen wir den Port von lokal auf öffentlich ändern.

Wir suchen nun den Eintrag „Listen localhost:631. Diese Zeile muss nun in

geändert werden. Danach kann das Fenster mit der Tastenkombination „Strg“ + „X“ und „Y“ gespeichert und geschlossen werden.

Nun müssen wir noch den QL-1100 Treiber für Linux herunterladen.

Das machen wir mit folgenden Befehl:

Nachdem der Treiber heruntergeladen ist, muss dieser noch installiert werden. Das machen wir über folgenden Befehl:

Nachdem der Treiber installiert ist, wird CUPS automatisch neu gestartet. Damit haben wir alle Arbeiten in der Console erledigt und wir können mit den integrierten Webserver von CUPS weiter machen.

Wenn Ihr die Treiber eines anderen Druckers installieren möchtet, könnt Ihr das an dieser Stelle genauso wie oben beschrieben machen. Dazu geht Ihr auf die Seite des Druckerherstellers und sucht nach den passenden Linux Treibern für Euer Gerät. Meist haben die Dateien die Endung *.deb.

Wenn die Adresse des Treibers bekannt ist, kann diese dann mit dem Befehl „wget“ heruntergeladen werden. Der Download wird dann in dem Verzeichnis gespeichert, aus dem Ihr diesen Befehl heraus gestartet habt.

Aus dem gleichen Ordner heraus kann der Treiber dann auch installiert werden. das macht Ihr mit dem Befehl „sudo dpkg -i“ und dem Namen der Datei, die Ihr installieren wollt.

Anschließen des Druckers per USB

Nun können wir auch unseren Drucker, den wir netzwerkfähig machen wollen, anschließen. Mein QL-1100 wird einfach per USB an einen der vier Ports vom Pi angeschlossen.

Einrichtung von CUPS per Webbrowser

Nun öffnen wir den Browser und geben in die Adresszeile folgendes ein:

http://IP-vom-RaspberryPI:631

Ihr müsst natürlich Eure eigene IP-Adresse nehmen. In meinem Fall wäre das z.B. http://192.168.178.85:631

Wir greifen nun direkt auf den Webserver vom Pi zu und können CUPS administrieren. Die Oberfläche ist recht schlicht und daher auch sehr übersichtlich.

Unter dem Reiter „Verwaltung“ wählen wir nun den Punkt „Drucker hinzufügen“ aus. Es öffnet sich eine neue Seite, dort kann der angeschlossene Drucker ausgewählt werden. Bei mir erscheint der Brother QL-1100 unter lokaler Drucker, da er ja per USB am Raspberry Pi angeschlossen ist.

Wir wählen hier also den lokalen Drucker aus und klicken auf weiter. Im nächsten Fenster kann noch aktiviert werden, dass der Drucker auch im Netzwerk freigegeben werden soll. Das sollten wir hier ebenfalls anwählen. Im nächsten Dialog können wir nun einen passenden Treiber anwählen.

Da wir zuvor den richtigen Treiber per Console installiert haben, taucht dieser ebenfalls in der Liste auf.

Ich wähle hier den passenden Treiber aus und klicke auf „Drucker hinzufügen“. Damit ist die komplette Installation abgeschlossen und der Drucker kann verwendet werden.

 

Einstellungen für den Drucker vornehmen

Nun müssen beim Brother QL-1100 Labelprinter noch ein paar Einstellungen zum Papier vorgenommen werden. Da wir hier kein DIN A4 Papier verwenden sondern eine Endlosrolle, müssen wir dem Treiber noch mitteilen, um welche Sorte es sich handelt. Diese Angaben findet Ihr fast immer auf der Rolle selbst.

In meinem Fall verwende ich eine 62mm breite Rolle mit einem Feed von 8 mm.

Über Windows auf den Drucker zugreifen

Jetzt wollen wir den Drucker natürlich auch unter Windows verwenden. Dazu muss ein neuer Netzwerkdrucker hinzugefügt werden. Das ist bei CUPS nicht so ganz trivial, ich habe Euch die einzelnen Schritte aber hier zusammengefasst.

Unter Windows 10 wählt Ihr bei „Drucker und Scanner“ das große graue „+“ aus das mit „Drucker oder Scanner hinzufügen“ beschriftet ist.

Windows fängt nun an, einen Drucker zu suchen, das wird aber keinen Erfolg bringen. Daher solltet Ihr auf die Schaltfläche „Der gewünschte Drucker ist nicht aufgelistet“ klicken.

Hier wählt Ihr nun den Punkt „Freigegebener Drucker über Name auswählen“ an. Dort muss nun die Adresse angegeben werden, unter der der Drucker zu finden ist. Bei CUPS sieht diese wie folgt aus:

http://192.168.2.93:631/printers/Brother_QL-1100

Die Adresse ist zusammengesetzt aus „http“ der IP vom Raspberry Pi, dann der Ordner „printers“ und zum Schluss der Name des Gerätes, der zuvor bei der Installation vergeben worden ist.

Ihr müsst diese Adresse nun angeben und auf „Weiter“ klicken. Danach wird noch der Windows Druckertreiber abgefragt. Auch hier müsst Ihr den entsprechenden Treiber auswählen.

Danach kann das Gerät vollständig verwendet und auch unter Windows genutzt werden!

AirPrint ist nun ebenfalls aktiv und Ihr könnt den Drucker kanz einfach über WLAN per iPhone oder iPad erreichen!

Raspberry Pi ins WLAN bringen

Als letzten Punkt können wir noch den Raspberry Pi (geht nur ab Version 3B) ins WLAN hängen. Damit haben wir dann einen wireless-Printserver. Dieser Schritt ist optional, kann aber sehr praktisch sein, wenn der Drucker nicht in der Nähe einer Netzwerkdose stehen soll.

Zuerst müssen wir nach dem passenden Netzwerk suchen. Dazu geben wir folgenden Befehl in die Console ein:

Es werden alle Netzwerke, die sich in Reichweite befinden aufgelistet. Diese sind absteigend nach der Signalstärke sortiert. Haben wir das passenden WLAN gefunden, müssen wir die SSID und das Passwort noch im Pi hinterlegen.

Dazu geben wir folgenden Befehl ein:

In dieser Datei müssen wir nun unsere Netzwerk SSID und das Passwort nach diesem Format hinterlegen:

Mit „Strg“ + „X“ und Bestätigung mit „Y“ speichern und verlassen wir den Editor.

Es empfiehlt sich zudem, den Energiesparmodus der Netzwerkkarte zu deaktivieren, da der Pi sonst die Netzwerkverbindung trennen kann und wir so unseren Drucker nicht mehr über WLAN erreichen können.

Hierzu müssen in der „interfaces“ zwei Codezeilen am Ende ergänzt werden. Dazu öffnen wir wieder den Editor mit folgendem Befehl:

Wir kopieren die beiden Zeilen:

ans Ende der Datei und speichern diese ab mit „Strg“ + „X“ und „Y“.

Zuletzt muss das WLAN-Modul neu gestartet werden. Das können wir über folgenden Befehl

bewerkstelligen. Damit haben wir den Pi nun ins WLAN gebracht. Die Verbindung über das Netzwerkkabel kann nun getrennt werden.

Ihr solltet aber darauf achten, dass die WLAN-Karte natürlich eine andere IP-Adresse bekommen hat und diese nicht mehr mit der Konfiguration von oben übereinstimmt!

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2 Kommentare

  • Erik

    29. Juni 2018

    Hallo Sebastian,

    tolle Idee! Ich nehme an man könnte auch einen Raspberry Pi Zero für ca.10€ verwenden wenn man keinen Raspberry übrig hat, dann halt nur über Wlan?

    BG
    Erik

    Antworten
    • Sebastian

      Sebastian

      29. Juni 2018

      Hallo Erik,
      kannst Du auch nehmen! Wenn Du WLAN im Zero haben willst brauchst Du den Rasperry Pi Zero W

      Antworten

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