Kostenanalyse: KNX-Logikmodule vs. zentrale Automationssysteme
Wenn ich in der Werkstatt oder auf der Baustelle mit Kollegen über Smart-Home-Projekte spreche, fällt früher oder später das Thema KNX-Automation. Viele schwören auf zentrale Systeme wie den Gira X1 oder den Homeserver, während andere lieber mit dezentralen KNX-Logikmodulen arbeiten. Die entscheidende Frage, die ich mir selbst schon oft gestellt habe: Was ist eigentlich wirtschaftlich sinnvoller? In diesem Artikel gehe ich genau dieser Frage nach und analysiere die Kostenstruktur beider Ansätze – von der Hardware über die Einrichtung bis hin zu Wartung und Erweiterbarkeit. Dabei stütze ich mich auf aktuelle Daten aus der Praxis und eigene Erfahrungen aus meinem Smart Home, das vollständig auf KNX basiert.
Grundlagen: Dezentrale Logikmodule und zentrale Automationssysteme im Vergleich
Bevor man über Kosten spricht, muss man verstehen, worin sich dezentrale KNX-Logikmodule und zentrale Automationsserver grundsätzlich unterscheiden. KNX-Logikmodule wie das MDT SCN-LOG1.02 oder das Gira L1 sind eigenständige Geräte, die direkt auf dem KNX-Bus arbeiten. Sie führen logische Verknüpfungen, Vergleiche und Berechnungen dezentral aus. Der große Vorteil: Es gibt keine zentrale Steuerung, die bei einem Ausfall das gesamte System lahmlegt. Die Module werden über die ETS parametriert und benötigen keine zusätzliche Stromversorgung – sie beziehen ihre Energie direkt über den KNX-Bus. Ein zentrales Automationssystem (z. B. Gira X1 oder Homeserver) hingegen agiert als übergeordnete Steuerzentrale. Es bietet umfangreiche Logik-, Visualisierungs- und Integrationsfunktionen, arbeitet aber serverbasiert. Das bedeutet: Fällt der Server oder die Netzwerkverbindung aus, sind viele Automationen ebenfalls betroffen. Aus wirtschaftlicher Sicht bedeutet das: Dezentrale Logikmodule verteilen Intelligenz und Risiko, während zentrale Systeme eine höhere Anfangsinvestition, aber auch mehr Funktionsumfang bieten.
Hardwarekosten im Detail
Die Hardwarekosten sind meist der erste Blickpunkt bei einer Kostenanalyse.
| Komponente | KNX-Logikmodul | Zentrales System |
|---|---|---|
| Logik-Einheit | ca. 120–150 € (z. B. MDT SCN-LOG1.02) | ca. 500–1000 € (z. B. Gira X1 oder Homeserver) |
| Stromversorgung | über KNX-Bus (keine Zusatzkosten) | separat, meist 24 V Netzteil (30–50 €) |
| Sensoren/Aktoren | gleich (z. B. Präsenzmelder 50–100 €, Jalousieaktoren 50–100 €) | |
Allein beim Logikmodul liegt der Preisvorteil klar bei der dezentralen Lösung. Ein einzelnes Modul deckt bis zu 24 Funktionsblöcke ab und genügt für viele Projekte. Bei komplexeren Anforderungen – etwa Szenensteuerungen mit Astrozeiten oder Heizungslogiken – kann man mehrere Module kombinieren. Selbst mit drei Modulen bleibt man preislich unter einem zentralen Server. Zentrale Systeme punkten dagegen mit Rechenleistung, Visualisierung und Schnittstellenvielfalt (z. B. IP, Sprachsteuerung, Cloud). Wer diese Funktionen wirklich braucht, muss aber auch bereit sein, das entsprechende Budget einzuplanen.
Einrichtungs- und Inbetriebnahmekosten
Die Einrichtungskosten hängen stark vom Projekttyp ab, lassen sich aber grob vergleichen. KNX-Logikmodule: Die Parametrierung erfolgt über die ETS. Man legt Gruppenadressen an, weist Eingangs- und Ausgangsobjekte zu und konfiguriert die Logikblöcke. Das erfordert Fachwissen, ist aber mit etwas Erfahrung zügig erledigt. Für ein Standardprojekt (z. B. wetterabhängige Jalousiesteuerung) rechne ich mit 1–2 Stunden für Planung und Inbetriebnahme. Das Modul braucht keine separate Software, keinen PC im Dauerbetrieb und keine Netzwerkkonfiguration. Zentrale Systeme: Hier kommt meist zusätzliche Software zum Einsatz. Der Gira X1 beispielsweise wird über eine Projektierungsumgebung eingerichtet, die komplexe Logik, Visualisierung und Benutzerrechte umfasst. Die Einrichtung dauert länger (3–6 Stunden sind realistisch) und erfordert tieferes Systemverständnis. Dafür lassen sich hier auch mehrere Gewerke verknüpfen – etwa Licht, Heizung, Alarm und Multimedia. Kostenmäßig bedeutet das: Bei Stundensätzen von 60–90 € kann der Installationsaufwand für zentrale Systeme schnell 200–300 € über dem eines Logikmoduls liegen.
Langfristige Betriebskosten und Wartung
Ein oft unterschätzter Punkt sind die laufenden Kosten. Dazu zählen Stromverbrauch, Wartung, Updates und Erweiterbarkeit. Stromverbrauch: KNX-Logikmodule beziehen ihre Energie direkt vom Bus und verbrauchen nur wenige hundert Milliwatt. Ein zentraler Server benötigt ein eigenes Netzteil und läuft 24/7 – das kann jährlich 10–20 € Stromkosten verursachen. Wartung & Updates: Dezentrale Module sind nahezu wartungsfrei. Firmware-Updates sind selten erforderlich, und die Geräte laufen autark. Zentrale Systeme hingegen benötigen regelmäßige Software-Updates und gelegentlich Neustarts. Auch hier entstehen indirekte Kosten durch Arbeitszeit. Erweiterbarkeit: Will man neue Funktionen ergänzen, genügt bei KNX-Logikmodulen meist ein weiteres Modul (120–150 €). Bei zentralen Systemen kann es nötig sein, Software-Lizenzen oder zusätzliche Server-Ressourcen zu erwerben. Das schlägt schnell mit mehreren hundert Euro zu Buche. Auf lange Sicht sind dezentrale Lösungen also nicht nur energieeffizienter, sondern auch wartungsärmer – ein Punkt, der sich insbesondere im gewerblichen Umfeld bemerkbar macht.
Kosten-Nutzen-Betrachtung anhand von Praxisbeispielen
Um die Kosten realistisch zu bewerten, lohnt ein Blick auf konkrete Projekte. Beispiel 1: Wetterbasierte Jalousiesteuerung Ein KNX-Windsensor (ca. 100 €), ein Regenmelder (80 €), ein Jalousieaktor (80 €) und ein Logikmodul (120 €) ergeben zusammen rund 380 €. Damit lässt sich eine komplette Automatik aufbauen, die bei Wind oder Regen alle Jalousien hochfährt. Mit einem zentralen System lägen allein die Hardwarekosten bei über 700 €, ohne nennenswerten Mehrwert in diesem Szenario. Beispiel 2: Präsenzabhängige Lichtsteuerung Ein Präsenzmelder (70 €), ein Dämmerungssensor (60 €), ein Schaltaktor (50 €) und ein Logikmodul (120 €) ergeben etwa 300 €. Das System reagiert auf Anwesenheit und Lichtverhältnisse, arbeitet autark und ist beliebig erweiterbar. Ein zentrales System würde hier kaum Vorteile bieten, da die Logik rein auf Bus-Ebene funktioniert. In beiden Fällen zeigt sich: Für spezifische Automatisierungen ist die dezentrale Lösung wirtschaftlich klar im Vorteil.
Wann lohnt sich ein zentrales Automationssystem trotzdem?
Natürlich gibt es Szenarien, in denen ein zentrales System seine Berechtigung hat. Etwa wenn mehrere Gewerke – Licht, Heizung, Sicherheit, Audio – in einer Oberfläche visualisiert und gesteuert werden sollen. Hier spielt der Server seine Stärken aus: Benutzeroberflächen, Cloud-Anbindung, Sprachsteuerung und Datenlogging. Doch diese Funktionen sind für viele Wohnhäuser schlicht überdimensioniert. In der Regel reichen die Logikfunktionen eines oder mehrerer KNX-Logikmodule völlig aus. Besonders interessant ist die Kombination: dezentrale Logikmodule für robuste Grundfunktionen (Beleuchtung, Beschattung, Heizung) und ein zentraler Server für Komfortfunktionen (Visualisierung, Szenensteuerung). So lassen sich Kosten optimieren, ohne auf Flexibilität zu verzichten. Ich selbst setze genau auf dieses Hybridmodell – und habe damit in den letzten Jahren eine sehr stabile und kosteneffiziente Lösung realisiert.
Gesamtwirtschaftliche Betrachtung und Fazit zur Kostenstruktur
Wenn man alle Faktoren zusammenführt, ergibt sich ein klares Bild:
| Kostenfaktor | Dezentrale KNX-Logikmodule | Zentrale Automationssysteme |
|---|---|---|
| Anschaffung | niedrig (120–150 € pro Modul) | hoch (500–1000 €) |
| Einrichtung | einfach, 1–2 h | aufwendiger, 3–6 h |
| Wartung | gering | regelmäßige Updates |
| Stromverbrauch | minimal | kontinuierlich (24/7) |
| Erweiterbarkeit | modular, linear skalierbar | abhängig von Systemarchitektur |
Unter dem Strich ist die dezentrale KNX-Logiklösung für die meisten Projekte kosteneffizienter und robuster. Ein zentrales System lohnt sich vor allem, wenn man umfassende Visualisierung, Cloud-Integration oder Multi-Gewerk-Steuerung benötigt. Für mich als Elektriker und Smart-Home-Enthusiast ist das Fazit eindeutig: Lieber mehrere dezentrale Logikmodule, die zuverlässig auf dem Bus arbeiten, als eine zentrale Instanz, die alles steuert – und im Zweifel alles lahmlegt, wenn sie ausfällt.
Die Kostenanalyse zeigt deutlich: KNX-Logikmodule sind nicht nur technisch elegant, sondern auch wirtschaftlich sinnvoll. Sie kombinieren niedrige Anschaffungs- und Betriebskosten mit hoher Ausfallsicherheit und Modularität. Zentrale Systeme spielen ihre Stärken erst dann aus, wenn man umfangreiche Visualisierungen oder Cloud-Dienste benötigt. Für die meisten Wohngebäude und viele Gewerbeobjekte reicht jedoch die dezentrale Lösung völlig aus – und spart auf Dauer bares Geld. Mein Tipp aus der Praxis: Wer mit KNX plant, sollte die Logik möglichst nah am Bus halten. So bleibt das System schlank, stabil und zukunftssicher.
Wenn du überlegst, dein KNX-System zu erweitern oder neu zu planen, starte klein – ein einzelnes Logikmodul zeigt dir schnell, wie viel Intelligenz schon im Bus steckt. Und das Beste: Du behältst volle Kontrolle über Kosten und Komplexität.










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