Wi‑Fi 7 im Praxistest: Erste Router‑Modelle im Vergleich
Ich erinnere mich noch gut an die ersten Tage mit Wi‑Fi 6 – die Begeisterung über schnellere Datenraten und stabilere Verbindungen war groß. Doch kaum hat man sein Heimnetz perfekt abgestimmt, steht schon der nächste Standard in den Startlöchern: Wi‑Fi 7 (IEEE 802.11be). Seit Anfang 2024 werden die ersten Geräte offiziell zertifiziert, und die Hersteller liefern sich ein spannendes Rennen um die schnellsten Router. Für mich als Netzwerktechniker ist das die perfekte Gelegenheit, die neue Generation einmal praxisnah unter die Lupe zu nehmen. Wie viel Mehrwert bringt Wi‑Fi 7 tatsächlich im Alltag? Und welche Modelle überzeugen nicht nur auf dem Papier, sondern auch in der Praxis? In diesem Vergleichstest habe ich mir aktuelle Geräte von ASUS, TP‑Link und Netgear genauer angeschaut – mit Fokus auf reale Anwendungsszenarien im Smart Home, Homeoffice und bei Videoüberwachung.
Was Wi‑Fi 7 technisch wirklich unterscheidet
Bevor wir zu den Geräten kommen, lohnt sich ein Blick auf die Technik. Wi‑Fi 7 bringt einige tiefgreifende Neuerungen, die über bloße Geschwindigkeitssteigerungen hinausgehen. Das 6‑GHz‑Band (5,945 bis 6,425 GHz) bietet rund 480 MHz zusätzlichen, weitgehend störungsfreien Funkraum. Damit lassen sich 320‑MHz‑Kanäle realisieren – doppelt so breit wie bei Wi‑Fi 6. In Kombination mit der 4K‑QAM‑Modulation (4096‑QAM) ergibt das bis zu 20 % mehr Nettodurchsatz. In Laborumgebungen sprechen wir von theoretischen Spitzenwerten um 23 Gbit/s brutto, in der Praxis sind aber eher einige Gbit/s realistisch. Besonders spannend ist die Multi‑Link‑Operation (MLO). Sie erlaubt es, mehrere Frequenzbänder gleichzeitig zu nutzen – etwa 5 GHz und 6 GHz parallel. Das erhöht nicht nur den Gesamtdurchsatz, sondern macht die Verbindung robuster gegen Störungen. Für Smart‑Home‑Umgebungen mit vielen gleichzeitigen Streams (z. B. IP‑Kameras oder 8K‑TVs) ist das ein echter Gewinn. Ein weiteres Feature ist r‑TWT (Restricted Target Wake Time), das zeitkritische Datenübertragungen planbar macht. So können etwa Sensoren oder Video‑Systeme feste Sendezeitfenster erhalten – ideal für latenzarme Anwendungen. Natürlich bleibt Wi‑Fi 7 abwärtskompatibel. Ältere Geräte funken weiterhin mit, allerdings dann über Wi‑Fi 6E oder Wi‑Fi 5, je nach Unterstützung.
Die Testkandidaten: ASUS, TP‑Link und Netgear
Für meinen Praxistest habe ich drei aktuelle Modelle ausgewählt, die in unterschiedlichen Preis‑ und Leistungsklassen antreten:
| Hersteller / Modell | Preisbereich | Max. Datenrate (brutto) | Besonderheiten |
|---|---|---|---|
| ASUS RT‑BE96U | ca. 700 € | ~23 Gbit/s | High‑End‑Router mit 8×8 MIMO, 6 GHz‑Unterstützung und massiver Antennenbestückung |
| TP‑Link Archer BE9700 | ca. 250 € | ~2,2 Gbit/s | Solides Mittelklasse‑Gerät mit Tri‑Band‑Design und MLO‑Support |
| Netgear Orbi 370📦 Mesh‑Set | ca. 350 € (3er‑Kit) | bis 2 Gbit/s | Dual‑Band‑Mesh‑System, ideal für größere Wohnungen oder mehrstöckige Häuser |
Alle drei Router sind offiziell Wi‑Fi 7 Certified und unterstützen WPA3‑Sicherheit. Sie können 2,4 GHz‑, 5 GHz‑ und 6 GHz‑Bänder gleichzeitig betreiben. Unterschiede zeigen sich vor allem bei der Antennenausstattung, dem internen Durchsatz und der Software‑Integration. Der ASUS RT‑BE96U richtet sich klar an Power‑User mit vielen Clients oder hoher Netzlast. Der TP‑Link BE9700 ist preislich attraktiver und eignet sich gut für ambitionierte Heimnetz‑Enthusiasten. Das Netgear‑Orbi‑Set zielt auf Haushalte mit großflächiger Abdeckung, wo Reichweite wichtiger ist als absolute Spitzengeschwindigkeit.
Installation und Einrichtung im Alltag
Die Einrichtung unterscheidet sich kaum von bisherigen WLAN‑Generationen, dennoch gibt es ein paar Punkte, auf die man achten sollte.
- Router anschließen: Ethernet‑Kabel an den WAN‑Port, Stromversorgung einstecken – wie gewohnt.
- Webinterface aufrufen: Meist per IP‑Adresse oder App. Dort lassen sich SSIDs und Passwörter vergeben.
- 6‑GHz‑Band aktivieren: Manche Router schalten es standardmäßig ab, um ältere Geräte nicht zu verwirren. Ich empfehle, das Band aktiv zu halten und unter derselben SSID laufen zu lassen, um MLO optimal zu nutzen.
- Multi‑Link aktivieren: In den meisten Fällen ist MLO bereits aktiv. Falls nicht, lässt es sich in den erweiterten WLAN‑Einstellungen einschalten.
- Firmware‑Updates prüfen: Gerade bei neuen Standards werden oft noch Optimierungen nachgereicht.
In meinen Tests funktionierte die Ersteinrichtung bei allen Modellen reibungslos. Die 6‑GHz‑Verbindung wurde von kompatiblen Clients (etwa einem aktuellen Laptop mit MediaTek‑Chip) sofort erkannt. Ältere Geräte wählten automatisch das passende 5‑GHz‑Band.
Praxisleistung: Wi‑Fi 7 im realen Einsatz
Laborwerte sind das eine, aber mich interessiert, wie sich die Router im Alltag schlagen. Ich habe das Ganze in meinem Smart‑Home‑Setup mit mehreren Kameras, Streaming‑Clients und IoT‑Geräten getestet. ASUS RT‑BE96U: Im Nahbereich (bis 5 Meter) erreichte der Router knapp 1,9 Gbit/s Netto‑Durchsatz – beeindruckend. Auch bei 4K‑Streaming und paralleler Datenübertragung von mehreren IP‑Kameras blieb das Netz stabil. Das 6‑GHz‑Band zeigte seine Stärke bei geringer Latenz, allerdings nimmt die Reichweite hinter zwei Wänden merklich ab. TP‑Link Archer BE9700: Überraschend stark für den Preis. Rund 2,2 Gbit/s Peak‑Speed laut Speedtest‑App, und im Mesh‑Betrieb mit einem zusätzlichen Access‑Point war die Abdeckung im ganzen Haus hervorragend. Ideal für Homeoffice‑Umgebungen, in denen man auf konstant hohe Datenraten angewiesen ist. Netgear Orbi 370📦: Das Mesh‑System punktet mit nahtlosem Roaming. Dank MLO bleiben Verbindungen stabil, selbst wenn man sich mit Laptop oder Smartphone durch die Etagen bewegt. Im 6‑GHz‑Band lag der Durchsatz bei etwa 1,5 Gbit/s, was für Streaming und Videoüberwachung völlig ausreicht. Insgesamt zeigte sich: Wi‑Fi 7 liefert tatsächlich spürbare Verbesserungen in Latenz, Stabilität und Durchsatz – insbesondere, wenn mehrere anspruchsvolle Anwendungen gleichzeitig laufen.
Wi‑Fi 7 im Smart Home und bei Videoüberwachung
Gerade im Smart‑Home‑Kontext zahlt sich Wi‑Fi 7 aus. Ich habe in meinem Setup diverse Kameras (Arlo, Reolink, Hikvision) eingebunden, die parallel Full‑HD‑ oder 4K‑Streams liefern. Mit Wi‑Fi 6 war das bei hoher Auslastung gelegentlich grenzwertig – hier spielt MLO seine Stärke aus. Mehrere Bänder gleichzeitig zu nutzen bedeutet, dass Videodaten auf unterschiedliche Kanäle verteilt werden können. Fällt auf 5 GHz eine Störung an, übernimmt das 6 GHz‑Band nahtlos. Das sorgt für eine deutlich stabilere Verbindung. Auch Sensoren und Automatisierungen reagieren flotter, da r‑TWT die Latenz reduziert. Für Heimanwender mit vielen Clients, Kameras und Streaming‑Geräten ist der Unterschied zu spüren. Selbst bei gleichzeitigen 8K‑Streams und Backups zum NAS blieb die Netzwerkauslastung in meinem Test unter Kontrolle.
Vor‑ und Nachteile im Überblick
- Vorteile: Extrem hohe Maximalgeschwindigkeit dank 320‑MHz‑Kanälen und 4K‑QAM; sehr gute Stabilität bei vielen Geräten; 6‑GHz‑Band nahezu störungsfrei; abwärtskompatibel zu älteren WLAN‑Standards.
- Nachteile: 6‑GHz‑Signale haben geringere Reichweite; höhere Anschaffungskosten; volles Potenzial nur mit kompatiblen Endgeräten.
Für viele Haushalte, die bereits Wi‑Fi 6E nutzen, ist der Umstieg derzeit kein Muss. Wer jedoch regelmäßig mit großen Datenmengen arbeitet, mehrere hochauflösende Streams betreibt oder ein Smart‑Home‑Netz mit Dutzenden Geräten verwaltet, profitiert deutlich.
Kosten und Zukunftsaussichten
Wi‑Fi 7‑Hardware ist noch teuer, aber die Preise sinken bereits. High‑End‑Router wie der ASUS RT‑BE96U liegen bei rund 700 €, Mittelklassegeräte wie der TP‑Link BE9700 um 250 €, und Mesh‑Systeme wie das Netgear Orbi 370📦 (3er‑Set) kosten etwa 350 €. Ab 2025 werden voraussichtlich weitere Modelle folgen – günstiger, kompakter und mit noch besserer Integration in bestehende Smart‑Home‑Ökosysteme. Auch neue Endgeräte (Smartphones, Laptops, IoT‑Controller) kommen zunehmend mit Wi‑Fi‑7‑Chips auf den Markt. Damit wird der Standard in den kommenden Jahren zur neuen Normalität im Heimnetz.
Mein Fazit nach mehreren Wochen Praxistest: Wi‑Fi 7 ist keine Revolution, aber eine beeindruckend konsequente Weiterentwicklung. Die Kombination aus breiteren Kanälen, höherer Modulation und Multi‑Link‑Operation sorgt für eine Stabilität und Performance, die man in komplexen Heimnetzen sofort bemerkt. Besonders wer viele smarte Geräte, IP‑Kameras oder Streaming‑Clients nutzt, wird den Unterschied spüren. Ob sich der Umstieg jetzt schon lohnt, hängt von der individuellen Situation ab. Wer heute in hochwertige Hardware investiert, bekommt ein zukunftssicheres Fundament für die nächsten Jahre. Für mich als Technik‑Nerd war es jedenfalls spannend zu sehen, wie nah drahtlose Verbindungen inzwischen an kabelgebundene Gigabit‑Netze heranrücken – und das ist erst der Anfang.
Hast du bereits Erfahrungen mit Wi‑Fi 7 gesammelt oder planst den Umstieg? Teile deine Eindrücke und Fragen gern unten in den Kommentaren – ich bin gespannt auf deine Praxisberichte!










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