Die 7 unverzichtbaren Zangen für jeden Elektriker – und wann man welche benutzt
Wer einmal mitten im Schaltschrank steht und mit einer stumpfen oder unpassenden Zange kämpft, weiß: Das richtige Werkzeug entscheidet über Tempo, Präzision und Nerven. Ich habe im Laufe meiner Arbeit als Elektriker und Smart-Home-Enthusiast unzählige Zangen ausprobiert – von günstigen Baumarktmodellen bis hin zu High-End-Werkzeugen von Knipex, Wiha und Wera. Und immer wieder zeigt sich: Mit den richtigen sieben Zangen deckst du praktisch jeden Einsatzbereich ab – von der klassischen Installation bis zur Feinverdrahtung. In diesem Artikel zeige ich dir, welche Zangen in keiner Werkzeugtasche fehlen dürfen, wann du welche einsetzt und worauf du bei der Auswahl achten solltest. Dabei geht’s nicht um Hochglanz-Werbung, sondern um echte Praxiserfahrung – also um Werkzeuge, die im Alltag wirklich funktionieren.
1. Kombizange – das universelle Arbeitstier
Wenn ich nur eine Zange mitnehmen dürfte, wäre es die Kombizange. Sie ist das Schweizer Taschenmesser unter den Elektrikerwerkzeugen. Mit ihr lässt sich greifen, biegen, halten, abkneifen und sogar ein Stück Draht geradebiegen. Besonders bei der Installation von Unterverteilungen oder dem Setzen von Steckdosen ist sie ständig im Einsatz. Die Wiha Professional electric 26711📦 zeigt, was moderne Kombizangen können: VDE-geprüft bis 1.000 V, mit DynamicJoint-Mechanik für bis zu 20 % weniger Kraftaufwand und extra langen, induktiv gehärteten Schneiden (ca. 62 HRC). Solche Details machen im Alltag den Unterschied – gerade, wenn man regelmäßig harte Kupferdrähte trennt. Ich persönlich nutze die Kombizange gern für grobe Arbeiten: Wenn ein Stück NYM-Kabel gebogen oder eine Schraube provisorisch gehalten werden muss. Ihre Schwäche zeigt sich bei dicken, mehradrigen Kabeln – da ist eine Kabelschere deutlich besser geeignet. Typische Einsatzbereiche:
- Greifen und Halten von Bauteilen
- Abkneifen von Kupfer- und Aluminiumdrähten
- Biegen von Leitungen oder Haken
Pro-Tipp: Achte auf ergonomische, rutschfeste Griffe. Nach einem langen Tag im Verteilerkasten danken es dir deine Hände.
2. Elektro-Installationszange – Multitool für Profis
Die Elektro-Installationszange ist ein echtes Multitalent. Sie vereint gleich mehrere Werkzeuge in einem: Greifen, Schneiden, Abisolieren, Entgraten und Crimpen. Das spart nicht nur Platz im Werkzeugkoffer, sondern auch Zeit auf der Baustelle. Ein hervorragendes Beispiel ist die Knipex 13 96 200📦. Mit ihr lassen sich Kabel bis 5×2,5 mm² (Ø15 mm) schneiden, Adern abisolieren und Aderendhülsen von 0,5–2,5 mm² crimpen. Besonders praktisch: Das schlanke Design erlaubt Arbeiten in engen Dosen oder Verteilern. Ich nutze sie häufig bei Renovierungen, wenn viele Arbeitsschritte schnell hintereinander erfolgen müssen. Statt ständig zwischen Abisolierzange, Crimpzange und Seitenschneider zu wechseln, erledigt man alles mit einem Werkzeug. Vorteile:
- Hohe Zeitersparnis durch Multifunktion
- VDE-isoliert bis 1.000 V
- Ideal für unterwegs oder kleine Projekte
Nachteile:
- Etwas schwerer als Einzelfunktionszangen
- Teurer (ca. 50–70 €), aber langlebig
3. Flachrundzange (Storchschnabel) – Präzision in engen Ecken
Die Flachrundzange – oder liebevoll Storchschnabelzange genannt – ist das Werkzeug der Wahl, wenn’s eng wird. Ihre langen, schmal zulaufenden Backen greifen auch dort, wo andere Zangen versagen. In Schaltschränken, Verteilerdosen oder bei feinen Verdrahtungen ist sie unverzichtbar. Die Knipex 26 16 200📦 kombiniert fein zulaufende Spitzen mit gehärteten Schneiden (ca. 61 HRC) – perfekt, um Drähte zu greifen, zu biegen oder kleine Schlaufen zu formen. Ich greife oft zu ihr, wenn ich Leitungen in engen Klemmstellen positionieren oder Erdungsdrähte sauber einhängen muss. Typische Einsatzbereiche:
- Biegen von Haken und Schlaufen
- Greifen von Drähten in engen Räumen
- Feine Montagearbeiten in Schaltschränken
Nachteil: Die Schneidleistung ist begrenzt – für dicke Drähte bleibt der Seitenschneider das Mittel der Wahl.
4. Seitenschneider – präzise Schnitte mit wenig Kraft
Kein Elektriker kommt ohne Seitenschneider aus. Ob Litzen, Drähte oder Kabelbinder – er schneidet alles präzise und sauber. Der Klassiker ist der Knipex 70 06 160📦, ein VDE-geprüfter Seitenschneider mit schlanker Kopfform und induktiv gehärteten Schneiden (~61 HRC). Der Vorteil liegt in der Präzision: Wo eine Kombizange quetscht, trennt der Seitenschneider glatt. Besonders in Verteilerdosen mit wenig Platz ist die kompakte Kopfform Gold wert. Typische Einsatzbereiche:
- Abtrennen von Drähten und Litzen
- Kürzen von Kabelbindern
- Feinschnitte in engen Verteilungen
Pro-Tipp: Für dauerhafte Schärfe lohnt sich ein Markenmodell. Die günstigen Varianten verlieren schnell ihre Schneidkraft – und nichts nervt mehr, als einen Draht dreimal anzusetzen.
5. Abisolierzange – sauberes Arbeiten ohne beschädigte Litzen
Wer schon einmal eine Litze mit dem Seitenschneider abisoliert hat, kennt das Problem: Schnell ist eine Ader verletzt, und das Kabel muss neu vorbereitet werden. Mit einer Abisolierzange passiert das nicht. Sie entfernt die Isolierung sauber und ohne den Leiter zu beschädigen. Automatische Modelle wie die Knipex PreciStrip16📦 passen sich selbst dem Leiterquerschnitt (0,08–16 mm²) an und ziehen die Isolierung präzise ab. Das spart enorm Zeit und verhindert Ausschuss. Ich verwende sie besonders bei Schaltschrankverdrahtungen oder beim Bau von Smart-Home-Komponenten. Gerade bei feinen Litzen (z. B. Sensorleitungen) ist eine exakte Abisolierung entscheidend für die Kontaktqualität. Vorteile:
- Kein Beschädigen der Leiter
- Schnelles, kraftsparendes Arbeiten
- Ideal für Serienarbeiten
Nachteil: Sie ist auf diesen Zweck spezialisiert – für alles andere brauchst du andere Zangen.
6. Crimpzange – sichere Verbindungen auf Knopfdruck
Wenn es um sichere elektrische Verbindungen geht, führt kein Weg an der Crimpzange vorbei. Sie sorgt dafür, dass Aderendhülsen fest und normgerecht mit den Leitern verbunden werden – das ist gerade in Klemmen oder Steckverbindern entscheidend. Die Knipex 97 53 14📦 ist ein Paradebeispiel: selbst-einstellend für Hülsen bis 16 mm², mit Ratschenmechanik für gleichmäßigen Druck. Das Ergebnis: Jeder Crimp sitzt perfekt, ganz ohne Nachregeln. Ich nutze sie regelmäßig bei Schaltschrankinstallationen, wo Zuverlässigkeit zählt. Ein sauberer Crimpkontakt vermeidet lose Verbindungen und damit gefährliche Übergangswiderstände. Typische Einsatzbereiche:
- Verpressen von Aderendhülsen
- Aufbau von Steuer- und Anschlussleitungen
- Wiederholgenaues Arbeiten bei Serieninstallationen
Pro-Tipp: Achte darauf, dass die Crimpzange kalibriert ist – nur so ist der Druck über die gesamte Lebensdauer konstant.
7. Kabelschere (StepCut) – saubere Schnitte ohne Quetschung
Während der Seitenschneider bei Einzeldrähten glänzt, ist bei dicken, mehradrigen Kabeln die Kabelschere das Mittel der Wahl. Sie arbeitet nach dem Scherenprinzip – also schneidet, statt zu quetschen. Die Knipex StepCut 95 16 160📦 ist ein echter Kraftsparer: Durch ihren stufenweisen Schnitt verringert sie den Kraftaufwand um bis zu 40 %. Sie schneidet Cu/Al-Mehrleiterkabel bis Ø 15 mm (50 mm²) sauber und ohne Quetschen – perfekt für Installationskabel oder Hauptzuleitungen. Ich greife zur StepCut, wenn ich dicke NYM-Leitungen ablängen oder flexible Steuerkabel bearbeiten muss. Das Gefühl beim Schneiden ist deutlich kontrollierter als mit einem Seitenschneider. Vorteile:
- Quetschfreie, saubere Schnitte
- Hohe Kraftreduktion durch Stufenschnitt
- VDE-geprüft und sicher bis 1.000 V
Nachteil: Etwas sperriger als ein Seitenschneider – dafür aber deutlich effizienter bei großen Querschnitten.
Praxisbeispiel: Die richtige Zange im Einsatz
In der Praxis zeigt sich schnell, wann welche Zange den Unterschied macht. Ein Beispiel: Beim Verdrahten einer Wandlampe brauchst du mindestens vier Zangen – Seitenschneider, Abisolierzange, Flachrundzange und Crimpzange.
- Nach dem Spannungsfrei-Schalten schneidest du das Kabel auf Länge (Seitenschneider oder Kabelschere).
- Dann entfernst du die Isolierung der Adern (Abisolierzange).
- Die Litzen werden mit Aderendhülsen versehen und verpresst (Crimpzange).
- Zum Schluss biegst du mit der Flachrundzange kleine Schlaufen, um sie in Schraubklemmen zu führen.
Für größere Projekte – etwa beim Bau eines Verlängerungskabels – sind zusätzlich Kombizange und Elektro-Installationszange praktisch. So kannst du schneiden, abisolieren und crimpen, ohne ständig das Werkzeug zu wechseln.
Kosten, Qualität und Trends
Wer professionell arbeitet, sollte auf Qualität setzen. Eine solide VDE-Grundausstattung mit sieben Zangen kostet zwar ein paar Hundert Euro, hält aber viele Jahre und sorgt für Sicherheit bis 1.000 V.
- Kombizange, Flachrund- und Seitenschneider: je 30–50 €
- Abisolierzange: 20–50 €
- Crimpzange: 30–60 €
- Kabelschere: 30–50 €
- Installationszange: 50–70 €
Moderne Entwicklungen gehen noch weiter: Ergonomische Griffe, leichtere Materialien und sogar erste smarte Funktionen (z. B. Sensorik zur Kraftmessung oder digitale Werkzeugverwaltung) sind im Kommen. Nachhaltige Materialien gewinnen ebenfalls an Bedeutung – recycelte Kunststoffe und Stähle senken den ökologischen Fußabdruck. Ich finde besonders spannend, dass sich Multifunktionswerkzeuge immer stärker durchsetzen. Für Serviceeinsätze oder mobile Arbeiten sind sie einfach unschlagbar praktisch.
Ob auf der Baustelle, im Schaltschrank oder beim Smart-Home-Ausbau – mit diesen sieben Zangen bist du für jede Situation gewappnet. Jede hat ihre Spezialität, aber gemeinsam bilden sie das Rückgrat einer professionellen Elektroausstattung. Meine Empfehlung: Investiere lieber einmal in hochwertige, VDE-geprüfte Modelle. Sie schneiden präziser, halten länger und machen den Arbeitsalltag einfach angenehmer. Und wer einmal mit einer perfekt ausbalancierten Knipex oder Wiha gearbeitet hat, weiß: Gute Zangen sind kein Luxus, sondern Werkzeugkultur.
Welche Zange ist für dich unverzichtbar? Schreib’s mir in die Kommentare oder teile dein Lieblingsmodell – ich bin gespannt auf deine Erfahrungen aus dem Arbeitsalltag!










Hinterlasse einen Kommentar
An der Diskussion beteiligen?Hinterlasse uns deinen Kommentar!