Wiha speedE II vs. Bosch GO – Elektrische Schraubendreher im Praxisvergleich

Wer regelmäßig schraubt – sei es beim Installieren von Steckdosen, dem Montieren von Schaltern oder bei kleineren Smart-Home-Projekten – weiß, wie sehr sich eine gute Unterstützung durch einen elektrischen Schraubendreher bezahlt macht. Ich selbst arbeite seit Jahren mit beiden Klassen von Geräten: dem Wiha speedE II🛒 und dem Bosch GO🛒. Beide gehören zu den beliebtesten Modellen im Profi- und ambitionierten Heimwerkerbereich, unterscheiden sich aber deutlich in Aufbau, Leistung und Zielgruppe. In diesem Artikel zeige ich euch, wo die Stärken und Schwächen beider Geräte liegen, wie sie sich in der Praxis anfühlen und für wen sich welches Modell am meisten lohnt. Dabei geht es nicht nur um Drehmomentwerte und Akkukapazitäten, sondern um echte Anwendungsszenarien aus dem Alltag eines Elektrikers.

Technische Grundlagen und Unterschiede

Beide Modelle – der Wiha speedE II🛒 und der Bosch GO🛒 – gehören zur Kategorie der kompakten elektrischen Schraubendreher. Sie sind für wiederkehrende Verschraubungen entwickelt, bei denen es auf Präzision und Entlastung der Handgelenke ankommt.

Eigenschaft Wiha speedE II🛒 Bosch GO🛒
Akku 4,0 V Li-Ion, 2,0 Ah 3,6 V Li-Ion, 1,5 Ah
Drehmoment 0,4 Nm / 1,0 Nm (2 Stufen) 2,5 Nm (weich) / 5 Nm (hart)
Drehzahl hoch, bis zu dreimal schneller als manuell max. 360 U/min
Start Schalter am Ring Druck auf Schraube oder Taste
Besonderheiten VDE-isolierte slimBits, LED-Ringlicht, automatische Abschaltung Mechanische 5-Stufen-Kupplung, elektronische Bremse

Während der Bosch GO🛒 eher als kompakter Allrounder auftritt, ist der Wiha speedE II🛒 klar auf den professionellen Elektrobereich ausgelegt. Das zeigt sich nicht nur an der VDE-Isolierung der Bits (bis 1000 V geprüft), sondern auch an der feinfühligen Drehmomentbegrenzung und der automatischen Abschaltung. Das schützt empfindliche Komponenten – etwa Steckdosenklemmen oder Schalterrahmen – vor Überdrehung.

Einrichtung und erste Inbetriebnahme

Nach dem Auspacken steht bei beiden Geräten zunächst das Laden an. Der Wiha speedE II🛒 bringt ein eigenes USB-Ladegerät mit, das den 4,0 V Akku in etwa zwei Stunden vollständig auflädt. Beim Bosch GO🛒 liegt ein USB-Kabel bei, das an jedes Standard-Ladegerät angeschlossen werden kann. Die Bit-Aufnahme ist bei beiden Geräten auf 6,35 mm (1/4 Zoll) genormt, sodass handelsübliche Bits passen. Wiha setzt jedoch auf eigene slimBits – VDE-isolierte Einsätze, die speziell für Elektroarbeiten entwickelt wurden. Das ist ein echter Vorteil, wenn man regelmäßig in spannungsnahen Bereichen arbeitet. Für die Beleuchtung sorgt beim Wiha ein LED-Ringlicht, das das Werkstück gleichmäßig ausleuchtet. Bosch hat eine einzelne LED am Kopf verbaut – ausreichend für normale Anwendungen, aber nicht so homogen wie der Ring beim Wiha. Die Drehmomenteinstellung erfolgt unterschiedlich: Wiha bietet zwei feste Stufen (0,4 Nm und 1,0 Nm), die per Schalter gewählt werden. Bosch nutzt einen mechanischen Einstellring mit fünf Stufen und einem Leistungsmodus bis 5 Nm. Wer also häufiger größere Schrauben in Holz eindreht, hat mit dem Bosch GO🛒 mehr Reserven.

Praxisvergleich: Handling, Leistung und Präzision

In der täglichen Arbeit zeigt sich, dass beide Schraubendreher sehr unterschiedliche Charaktere haben. Der Wiha speedE II🛒 ist für feinfühlige Arbeiten konzipiert – etwa beim Anschließen von Steckdosen, Schaltermontagen oder der Verdrahtung von Verteilern. Seine automatische Abschaltung beim Erreichen des Soll-Drehmoments ist Gold wert: Sie verhindert das Überdrehen und spart Material sowie Nerven. Der Bosch GO🛒 dagegen spielt seine Stärken bei mechanisch robusteren Aufgaben aus. Mit bis zu 5 Nm Drehmoment lassen sich auch längere Holzschrauben sicher versenken. Die elektronische Bremse stoppt den Motor sofort nach dem Loslassen – praktisch, wenn man präzise Endpositionen braucht. In der Hand liegt der Bosch GO🛒 sehr leicht (310 g), was bei Überkopfarbeiten angenehm ist. Der Wiha speedE II🛒 wirkt etwas massiver, ist aber ergonomisch hervorragend ausbalanciert. Der Ring-Schalter lässt sich in jeder Position bedienen – egal ob man über Kopf oder seitlich arbeitet. Ein Aspekt, den ich persönlich schätze, ist die manuelle Nachziehfunktion beim Wiha: Nach der automatischen Abschaltung kann man sofort per Hand weiterdrehen, ohne umzuschalten. Das fühlt sich sehr natürlich an und passt perfekt zu filigranen Elektroinstallationen.

Mini-Projekte im Praxistest

Um die beiden Geräte realistisch zu vergleichen, habe ich zwei typische Projekte getestet – eines aus dem Elektrobereich und eines aus dem Heimwerkeralltag.

Projekt 1: Lichtschalter-Montage

  1. Sicherung ausschalten und Spannung prüfen – Sicherheit geht immer vor.
  2. Alten Schalter und Abdeckung demontieren. Der Bosch GO🛒 löst die Schrauben schnell, Wiha arbeitet dabei präziser.
  3. Neuen Schalter anschließen und in die Unterputzdose einsetzen.
  4. Mit dem Wiha speedE II🛒 die Befestigungsschrauben vorsichtig anziehen (Stufe 0,4 Nm) – kein Risiko für Kunststoffrahmen.
  5. Abdeckung montieren, Funktion testen – fertig.

Hier punktet der Wiha ganz klar mit seiner VDE-Isolierung und der präzisen Drehmomentabschaltung.

Projekt 2: Wandregal anbringen

  1. Bohrlöcher anzeichnen, bohren und Dübel setzen.
  2. Wandhalter ausrichten und Schrauben ansetzen.
  3. Mit dem Bosch GO🛒 (Stufe 4–5) die Schrauben zügig eindrehen.
  4. Regal auflegen und bei Bedarf nachjustieren.

Bei dieser Anwendung zeigt sich die Kraftreserve des Bosch GO🛒 – hier ist der Wiha schlicht zu schwach. Für Holz- oder Metallarbeiten ist der Bosch daher die bessere Wahl.

Vor- und Nachteile im Überblick

Kriterium Wiha speedE II🛒 Bosch GO🛒
+ Vorteile
  • Sehr hohe Drehzahl
  • Automatische Abschaltung bei Soll-Drehmoment
  • LED-Ringlicht für optimale Ausleuchtung
  • VDE-isolierte slimBits bis 1000 V
  • Ergonomischer Ring-Schalter
  • Bis zu 5 Nm Drehmoment
  • Leichtes Gewicht (310 g)
  • Elektronische Bremse
  • Druck- oder Taststart
  • Umfangreiches Zubehörset
– Nachteile
  • Hoher Preis (~240 €)
  • Begrenztes Drehmoment (max. 1,0 Nm)
  • Kürzere Laufzeit bei Dauerbetrieb
  • Keine VDE-Isolierung
  • Keine gleichmäßige Ausleuchtung
  • Druckstart manchmal unpraktisch

Damit ist klar: Der Wiha speedE II🛒 ist das Werkzeug für präzises, sicheres Arbeiten in der Elektroinstallation. Der Bosch GO🛒 dagegen überzeugt als vielseitiger Allrounder mit hoher Leistung und gutem Preis-Leistungs-Verhältnis.

Kosten, Budget und Zielgruppen

Beim Thema Preis trennen die beiden Geräte Welten. Der Bosch GO🛒 ist mit rund 50 € (inklusive 25-teiligem Bit-Set und Koffer) ein echtes Preiswunder. Der Wiha speedE II🛒 kostet dagegen etwa 240 € im Set mit Bit-Box und L-Boxx. Dafür bekommt man aber auch ein spezialisiertes Profiwerkzeug mit Sicherheitszulassung. Wer täglich in der Elektroinstallation arbeitet oder empfindliche Komponenten verschraubt, wird den Wiha schätzen. Für den ambitionierten Heimwerker, der Regale, Möbel oder Gehäuse montiert, reicht der Bosch GO🛒 vollkommen aus. Interessant ist, dass beide Geräte die gleiche Bitaufnahme nutzen – wer also beide besitzt, kann die Bits austauschen. Ersatzakkus und Ladezubehör sind bei beiden Herstellern separat erhältlich.

Tipps für den Einsatz und Fehlerbehebung

Ein paar Praxistipps aus meiner Erfahrung:

  • Immer das richtige Drehmoment wählen: Beim Bosch GO🛒 lieber mit niedriger Stufe beginnen und hocharbeiten. Beim Wiha reicht meist die 0,4 Nm-Stufe.
  • LED-Beleuchtung nutzen: Gerade in Unterputzdosen oder dunklen Ecken ist das Ringlicht des Wiha eine echte Hilfe.
  • Akku regelmäßig laden: Beide Geräte arbeiten mit Li-Ion-Technik – also besser nicht vollständig entladen lassen.
  • Bei Problemen: Gerät reagiert nicht? Akku prüfen, Drehmomentstellung kontrollieren, Bitaufnahme reinigen.

Für Wartung oder Ersatzteile lohnt sich ein Blick auf die Herstellerseiten von Wiha und Bosch – dort finden sich Bedienungsanleitungen und Servicekontakte. Beide Hersteller bieten einen guten Kundendienst und Ersatzteilversorgung.

Aktuelle Entwicklungen und Ausblick

Der Markt für kompakte Akku-Schraubendreher wächst stetig. Bosch hat mit dem GO mittlerweile mehrere Generationen auf den Markt gebracht – teils mit USB-C-Ladeanschluss und größerer Akkukapazität. Der Wiha speedE II🛒 bleibt in seiner Klasse bisher einzigartig, insbesondere durch die Kombination aus Isolierung, Präzision und Ergonomie. Andere Hersteller wie WORX oder Parkside bieten günstigere Alternativen, die für den gelegentlichen Einsatz taugen. Im professionellen Umfeld aber haben sich Bosch und Wiha fest etabliert. Eine Smart-Home-Integration gibt es bei diesen Handwerkzeugen aktuell nicht – hier zählt reine Funktionalität und Zuverlässigkeit.

Nach mehreren Wochen im direkten Vergleich kann ich sagen: Beide Geräte haben ihre klare Daseinsberechtigung. Der Wiha speedE II🛒 ist das Werkzeug meiner Wahl, wenn es um präzise, sichere Elektroinstallationen geht – dort, wo jedes Zehntel Newtonmeter zählt. Der Bosch GO🛒 ist dagegen mein Griff, wenn Kraft und Tempo gefragt sind, etwa beim Möbelaufbau oder bei Smart-Home-Komponenten an der Wand. Wer beide Geräte besitzt, deckt praktisch den gesamten Bereich zwischen Feinmechanik und Heimwerkerarbeit ab. Und genau das macht diesen Vergleich so spannend: Es gibt kein „besser“ oder „schlechter“ – nur das passende Werkzeug für den jeweiligen Job.

Tipp: Wenn du regelmäßig im Elektrobereich arbeitest, lohnt sich der Griff zum Wiha speedE II🛒. Für allgemeine Montage- und Smart-Home-Projekte bist du mit dem Bosch GO🛒 bestens bedient. Beide Geräte ergänzen sich perfekt im modernen Werkzeugkoffer.

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