Effiziente Einrichtung eines BLE-Temperatursensors mit Raspberry Pi und Home Assistant
Ich erinnere mich noch gut an meinen ersten Versuch, einen Bluetooth-Temperatursensor mit dem Raspberry Pi in mein Smart Home einzubinden. Auf dem Papier klang alles einfach: Sensor einschalten, Pi koppeln, Daten abrufen – fertig. In der Praxis war es allerdings etwas kniffliger. Genau deshalb möchte ich in diesem Artikel zeigen, wie man effizient und stabil einen BLE-Temperatursensor mit einem Raspberry Pi einrichtet – inklusive MQTT-Anbindung an Home Assistant. Das Ganze ist nicht nur ein spannendes DIY-Projekt, sondern auch eine hervorragende Möglichkeit, das eigene Smart Home um präzise Umweltdaten zu erweitern. Wer schon einen Pi im Einsatz hat, kann ihn mit wenigen Handgriffen in ein leistungsfähiges Bluetooth-Gateway verwandeln. Ich führe dich Schritt für Schritt durch den Prozess – von der Hardwareauswahl bis zur Integration in Home Assistant – und teile dabei meine persönlichen Erfahrungen und Optimierungstipps.
Grundlagen: Warum BLE-Sensoren und Raspberry Pi perfekt zusammenpassen
Bluetooth Low Energy (BLE) hat sich im Smart-Home-Bereich als energieeffiziente und vielseitige Funktechnologie etabliert. Viele Temperatur- und Feuchtigkeitssensoren – etwa von Xiaomi, Aqara oder SwitchBot – senden ihre Messwerte regelmäßig per BLE. Der Raspberry Pi eignet sich ideal, um diese Signale zu empfangen und über MQTT an Home Assistant weiterzugeben. Der Pi fungiert dabei als Bluetooth-Gateway. Er scannt die BLE-Werbungspakete in seiner Umgebung, dekodiert die Daten und überträgt sie an einen MQTT-Broker (z. B. Mosquitto). Home Assistant greift diese Daten anschließend ab und stellt sie als Sensoren im Dashboard dar. Das hat den Vorteil, dass alle BLE-Daten lokal verarbeitet werden – ohne Cloud oder externe Dienste. Die Integration funktioniert herstellerunabhängig über Projekte wie Theengs Gateway oder OpenMQTTGateway. Beide Systeme unterstützen eine Vielzahl von BLE-Geräten, darunter Temperatur-, Feuchte-, Bewegungs- und Präsenzsensoren. Damit lässt sich ein Raspberry Pi in wenigen Schritten in ein flexibles und leistungsfähiges BLE-Gateway verwandeln.
Hardware-Voraussetzungen und optimale Ausstattung
Für dieses Projekt reicht bereits ein Raspberry Pi Zero 2 W🛒 mit integriertem Bluetooth-Modul. Wer jedoch mehrere Sensoren parallel anbinden oder hohe Reichweite erzielen möchte, sollte zu einem Raspberry Pi 4 B🛒 greifen. Beide Modelle werden von Home Assistant und Theengs Gateway vollständig unterstützt. Zusätzlich empfehle ich:
- MicroSD-Karte (16–32 GB, Class 10)
- Stabiles Netzteil (mind. 3 A beim Pi 4 B)
- Optionale Kühlung (Lüfter oder Kühlkörper)
- Externer USB-Bluetooth-Dongle mit CSR-Chipsatz für größere Reichweite
- MQTT-Broker (z. B. Mosquitto auf demselben oder einem anderen Gerät)
In meinem eigenen Setup verwende ich einen Raspberry Pi 4 B🛒 mit einem externen CSR-Dongle – das sorgt für eine stabile Verbindung auch über mehrere Räume hinweg. Wer ein professionelles Setup bevorzugt, kann alternativ auf die Theengs Bridge📦 zurückgreifen, ein dediziertes BLE→MQTT-Gateway mit externer Antenne und Unterstützung für bis zu 90 Sensoren.
Softwareinstallation: Raspberry Pi als BLE-Gateway einrichten
Je nach Systemumgebung gibt es zwei Wege: Raspbian (manuell) oder Home Assistant OS mit Add-on. Ich zeige hier beide Varianten.
Raspbian manuell mit Theengs Gateway
Zunächst wird das Betriebssystem vorbereitet:
- Raspberry Pi OS Lite auf die SD-Karte flashen und den Pi ins WLAN/LAN bringen.
- System aktualisieren:
sudo apt update && sudo apt upgrade - Python-Umgebung einrichten:
sudo apt install python3-pip python3-venv python3 -m venv theengs source theengs/bin/activate pip install TheengsGateway - MQTT-Broker vorbereiten (z. B. Mosquitto) und Zugangsdaten notieren.
- Gateway starten:
python3 -m TheengsGateway -H "MQTT_HOST" -u "MQTT_USER" -p "MQTT_PASS"
Das Gateway beginnt nun, BLE-Geräte in der Umgebung zu erkennen und sendet deren Daten an den Broker.
Home Assistant OS mit Add-on
Wer Home Assistant OS nutzt, kann das Ganze komfortabel als Add-on einrichten:
- In den Add-on-Store gehen.
- Repository
https://github.com/mihsu81/addon-theengsgwhinzufügen. - Add-on installieren und MQTT-Zugangsdaten in der Konfiguration eintragen.
- Add-on starten und Logs prüfen.
Sobald alles läuft, lassen sich in Home Assistant unter Einstellungen → Geräte & Dienste die neuen BLE-Sensoren anzeigen. Über das Advertisement Monitor-Tool kann man zusätzlich prüfen, ob die Sensoren korrekt empfangen werden.
Praktisches Beispiel: BLE-Temperatursensor einbinden
Nehmen wir als Beispiel einen Xiaomi Temperatur- und Feuchtesensor📦. Dieser sendet regelmäßig seine Werte per BLE. Mit dem Theengs Gateway auf dem Raspberry Pi werden diese Daten automatisch erkannt.
- Platziere den Sensor im gewünschten Bereich (z. B. Balkon oder Wohnzimmer).
- Starte das Gateway oder das Add-on und öffne MQTT Explorer.
- Unter dem Topic
home/TheengsGateway/...erscheinen die Sensordaten (Temperatur, Feuchtigkeit, Batterie). - In Home Assistant wird automatisch ein neuer Sensor-Eintrag angelegt – z. B.
sensor.xiaomi_ble_temp. - Erstelle optional eine Automatisierung, z. B. für die Heizungssteuerung:
alias: 'Heizung an bei Kälte' trigger: - platform: numeric_state entity_id: sensor.xiaomi_ble_temp below: 5 action: - service: climate.set_temperature target: entity_id: climate.wohnzimmer_heizung data: temperature: 21
Damit lässt sich die Heizung automatisch aktivieren, sobald die Temperatur unter 5 °C fällt. Besonders nützlich ist das bei Außen- oder Garagensensoren.
Optimierung, Stabilität und Fehlersuche
Bluetooth ist robust, aber nicht unfehlbar. In meinen Projekten haben sich einige Best Practices bewährt:
- BlueZ-Treiber aktualisieren: Mindestens Version 5.63 verwenden, da ältere Versionen instabil sein können.
- Adapter prüfen: Mit
hciconfigoderbluetoothctlsicherstellen, dass der Adapter aktiv ist. - Reichweite testen: Mit dem Advertisement Monitor in Home Assistant lässt sich die Empfangsqualität prüfen.
- Vermeide Interferenzen: WLAN und Bluetooth nutzen ähnliche Frequenzen. Eine Antennenverlängerung oder bessere Platzierung hilft oft.
- Service automatisch starten: Richte Theengs Gateway als Systemdienst ein, damit es nach einem Reboot automatisch läuft.
- Mehrere Adapter: Verwende nur performante Adapter; schwächere können die Gesamtperformance beeinträchtigen.
Ein praktisches Tool ist der neue Bluetooth Connection Graph in Home Assistant 2025.6. Damit lässt sich visuell nachvollziehen, welche Geräte über welches Gateway verbunden sind – perfekt für die Fehlersuche in komplexeren Installationen.
Kostenübersicht und Energieverbrauch
Ein BLE-Gateway ist nicht nur technisch elegant, sondern auch kosteneffizient. Eine typische Konfiguration sieht so aus:
| Raspberry Pi Zero W | ca. 25 € |
| Raspberry Pi 4 B🛒 (4 GB) | ca. 60 € |
| MicroSD-Karte 32 GB | ca. 10 € |
| USB-Bluetooth-Dongle (CSR) | ca. 10 € |
| Xiaomi/Aqara BLE-Sensor | 10–20 € |
| Gesamt | ≈ 60–100 € |
Der Stromverbrauch bleibt mit rund 5–7 W im Dauerbetrieb sehr gering. Damit eignet sich der Pi auch für 24/7-Betrieb – etwa im Netzwerkschrank oder auf der Fensterbank. Die Software (Home Assistant, Mosquitto, Theengs) ist vollständig Open Source, was das Setup besonders attraktiv macht.
Vor- und Nachteile des BLE-Gateways im Alltag
Vorteile:
- Lokale, cloudfreie Verarbeitung der Sensordaten
- Sehr niedriger Energieverbrauch
- Kompatibel mit vielen BLE-Geräten
- Erweiterbar durch zusätzliche Gateways oder ESP32-Proxies
- Nahtlose Integration in Home Assistant via MQTT
Nachteile:
- Begrenzte Reichweite (~10 m) – zusätzliche Repeater erforderlich
- Linux-Bluetooth-Stacks können empfindlich auf Updates reagieren
- Manche Sensoren wechseln MAC-Adressen (z. B. iPhones), was Tracking erschwert
- Einrichtung erfordert Grundkenntnisse in MQTT und Home Assistant
Trotzdem überwiegen die Vorteile deutlich. In meinem Alltag laufen mehrere dieser Gateways seit Monaten stabil – sie liefern verlässliche Daten, die meine Automationen präziser und effizienter machen.
Ein BLE-Temperatursensor mit Raspberry Pi ist ein ideales Projekt für alle, die ihr Smart Home lokal, zuverlässig und flexibel erweitern möchten. Die Kombination aus Theengs Gateway, MQTT und Home Assistant bietet eine solide Grundlage für eigene Automationen – von der Heizungssteuerung bis zur Luftqualitätsüberwachung. Wer etwas mehr Reichweite benötigt, kann das System mit ESP32-Proxies oder professionellen Gateways wie der Theengs Bridge📦 erweitern. Aus meiner Erfahrung ist das Setup nach der Erstkonfiguration praktisch wartungsfrei und liefert konstant präzise Sensordaten. Einmal eingerichtet, wird man sich fragen, wie man vorher ohne diese Komfort- und Effizienzsteigerung ausgekommen ist.
Wenn du dein Smart Home mit BLE-Sensoren erweitern möchtest, probiere das Theengs Gateway auf deinem Raspberry Pi aus. In Kombination mit Home Assistant erschließt du dir eine völlig neue Ebene der Automatisierung – lokal, sicher und individuell anpassbar.










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