Gira System 3000 Erweiterungen im Detail – smarter Komfort zum Nachrüsten

Wenn du schon einmal eine Altinstallation modernisieren wolltest, kennst du das Dilemma: Die Leitungen sind gelegt, der Putz ist schön – aber das Licht oder die Rollläden sollen endlich smart werden. Genau hier kommt das Gira System 3000 ins Spiel. Ich habe mir die aktuellen Erweiterungen und Bluetooth-Aufsätze genauer angesehen – und war überrascht, wie viel Komfort sich inzwischen ohne zusätzliche Zentrale realisieren lässt. Besonders für Elektriker und erfahrene Heimwerker ist das System spannend, weil es sich direkt in bestehende Unterputzdosen integrieren lässt. In diesem Beitrag schauen wir uns die Technik, die neuen Module und die praktischen Einsatzmöglichkeiten im Detail an – mit echtem Praxisbezug aus dem Alltag eines Elektrikers.

Systemüberblick: Was steckt hinter Gira System 3000?

Das Gira System 3000 ist eine modulare Smart-Home-Lösung, die auf Bluetooth Low Energy basiert und sich gezielt für die Nachrüstung eignet. Anstatt eine neue Verkabelung oder eine zentrale Steuerungseinheit zu installieren, ersetzt man einfach die bestehenden Schalteinsätze durch System-3000-Module. Diese Einsätze sind die Basis – sie werden in die Unterputzdose montiert und lassen sich mit unterschiedlichen Aufsätzen kombinieren. Kernkomponenten:

  • Elektronischer Schalteinsatz für Licht (ca. 53–60 €)
  • Bluetooth-Bedienaufsatz 1-fach (ca. 77–85 €)
  • Jalousie- und Zeitschaltuhr mit Display (ca. 74 €)
  • Raumtemperaturregler oder Bewegungsmelder-Aufsatz

Die Aufsätze sind Teil des Gira System 55 Designs – das bedeutet, sie passen in die bekannten Rahmenprogramme. Dadurch bleibt die Optik im gesamten Haus einheitlich, auch wenn nur einzelne Schalter intelligent gemacht werden. Die Kommunikation erfolgt direkt zwischen Smartphone und Gerät über die Gira System 3000 App. Zeitprogramme, Szenen oder Dimmwerte werden lokal im Aufsatz gespeichert – eine Cloud oder ein Gateway ist nicht erforderlich.

Erweiterungen 2024: Neue Aufsätze und App-Funktionen

Mit dem App-Update 2024 und neuen Hardwarevarianten hat Gira das System deutlich aufgewertet. Besonders spannend sind zwei neue Aufsätze:

  • Bluetooth-Bedienaufsatz mit LED-Statusanzeige: Er zeigt aktiv an, ob Licht oder Jalousie gerade aktiv ist. Ideal in Fluren oder Technikräumen, wo man den Status auf einen Blick erkennen möchte.
  • Touch-Aufsatz mit Memoryfunktion: Dieser reagiert kapazitiv auf Berührung und kann Lichtszenen speichern. Eine Berührung ruft z. B. die „Wohlfühlbeleuchtung“ ab – praktisch im Wohnzimmer oder Schlafzimmer.

Auch softwareseitig hat sich etwas getan: Die App unterstützt nun DALI-Tunable-White – also das Steuern der Farbtemperatur moderner LED-Leuchten. So lässt sich die Beleuchtung dynamisch anpassen, etwa warmweiß am Abend oder neutralweiß zum Arbeiten. Für fortgeschrittene Anwender bedeutet das: mehr Flexibilität bei der Lichtplanung, ohne komplexe Bus-Systeme. Die neuen Funktionen erweitern den Anwendungsbereich enorm. Während das System ursprünglich primär für einfache Licht- und Rollladensteuerung gedacht war, wird es nun zu einer vielseitigen Plattform für Szenensteuerung und Energieoptimierung.

Installation im Detail: Schritt-für-Schritt für Fachkundige

Die Installation ist für geübte Elektriker oder erfahrene Heimwerker kein Hexenwerk, verlangt aber sauberes Arbeiten. Hier die bewährte Vorgehensweise aus meiner Praxis:

  1. Vorbereitung: Stromkreis absichern, Sicherung raus. Werkzeuge bereitlegen – ich nutze meist Wiha-Schraubendreher, Knipex-Abisolierzange und einen zweipoligen Spannungsprüfer.
  2. Altgerät ausbauen: Alten Schalter demontieren, Adern abklemmen, Dose prüfen.
  3. Schalteinsatz montieren: Gira System 3000 Unterputz-Einsatz einsetzen, Phase und geschaltete Leitung gemäß Anschlussplan verbinden. Neutralleiter bei Bedarf auflegen.
  4. Aufsatz aufstecken: Gewünschten Bluetooth- oder Bewegungsmelder-Aufsatz aufstecken und Rahmen montieren.
  5. Test und Konfiguration: Spannung wieder zuschalten, Funktion prüfen. Danach per App koppeln und Zeitprofile oder Szenen einrichten.

Die App führt intuitiv durch den Koppelprozess. Einmal verbunden, lassen sich alle Parameter – etwa Dimmwerte, Zeitprofile, Bewegungsmelder-Empfindlichkeit – direkt anpassen. Besonders praktisch finde ich, dass die Einstellungen im Gerät selbst gespeichert werden. So bleibt alles erhalten, auch wenn man das Smartphone wechselt.

Praxisbeispiele: So nutzt man die Erweiterungen sinnvoll

Ich habe zwei Setups umgesetzt, die zeigen, was mit dem System 3000 möglich ist, ohne dass man eine aufwendige Smart-Home-Zentrale braucht.

1. Bewegungsmelder-Flurbeleuchtung

  • Ziel: Automatisches Licht bei Bewegung und Dunkelheit.
  • Setup: Schalteinsatz + Bewegungsmelder-Aufsatz.
  • Konfiguration: In der App lässt sich die Nachlaufzeit, Helligkeitsschwelle und Empfindlichkeit einstellen.
  • Ergebnis: Mehr Sicherheit und Komfort – kein Griff mehr zum Schalter im Dunkeln.

2. Zeitgesteuerte Wohnzimmerbeleuchtung

  • Ziel: Lampen automatisch nach Zeitplan steuern, z. B. Anwesenheitssimulation.
  • Setup: Schaltuhr-Bluetooth-Aufsatz mit Display.
  • Konfiguration: In der App können feste Schaltzeiten oder ein Zufallsmodus eingestellt werden.
  • Ergebnis: Realistische Anwesenheitssimulation und automatisierte Komfortbeleuchtung.

Diese beiden Beispiele zeigen, dass man mit überschaubarem Aufwand echte Smart-Home-Funktionalität nachrüsten kann – ganz ohne zusätzliche Gateways oder Cloud-Dienste.

Automatisierungslogik und Alltagstauglichkeit

Das Gira System 3000 arbeitet mit einer einfachen, aber effektiven Logik, die im Alltag zuverlässig funktioniert:

  • Bewegungserkennung: Wird Bewegung erkannt und die Helligkeit unterschreitet einen definierten Wert, schaltet das Licht automatisch ein – nach Ablauf der Nachlaufzeit wieder aus.
  • Zeitprofile: Schaltzeiten werden direkt im Gerät gespeichert und nach Uhrzeit oder Sonnenstand ausgeführt.
  • Manuelle Steuerung: Jederzeit über den Taster oder per App möglich.
  • Memory-Funktion: Ein Tastendruck ruft gespeicherte Szenen ab – ideal für vordefinierte Lichtstimmungen.

Diese Kombination aus automatischer und manueller Steuerung macht das System besonders flexibel. Gerade im Vergleich zu reinen Funksystemen ohne lokale Intelligenz punktet Gira hier mit Stabilität – selbst wenn das Smartphone mal nicht zur Hand ist.

Kosten, Wartung und Wirtschaftlichkeit

Wer sein Zuhause schrittweise aufrüsten möchte, kann das System modular aufbauen. Ein typisches Setup für einen Lichtkreis liegt bei etwa 130–200 € Materialkosten – inklusive Schalteinsatz und Bluetooth-Aufsatz. Die App ist kostenlos und benötigt keine Abo-Gebühren.

Komponente Preisbereich
Schalteinsatz 53–60 €
Bluetooth-Aufsatz 77–85 €
Jalousie-/Zeitschaltuhr ca. 74 €
Einfache Wippen (ohne Funk) 16–20 €

Die Wartung ist minimal – da keine Batterien oder externen Gateways benötigt werden, läuft alles netzversorgt. Updates der App bringen regelmäßig neue Funktionen, was das System zukunftssicher macht. In der Praxis bedeutet das: einmal installieren, langfristig nutzen.

Troubleshooting und Support aus der Praxis

Auch das beste System kann mal zicken – hier ein paar Tipps aus meiner Werkstattpraxis:

  • Kein Licht? Sicherung prüfen, Phase messen, Anschlussklemmen auf festen Sitz kontrollieren.
  • Bluetooth koppelt nicht? Smartphone näher ans Gerät bringen, Bluetooth aktivieren, ggf. App neu starten.
  • Zeitschaltuhr spinnt? Uhrzeit in App und Gerät abgleichen, Programme prüfen.

Positiv ist: Gira stellt zu jedem Modul ausführliche Installations- und Bedienungsanleitungen bereit. Wer tiefer einsteigen will, findet in der Planungshilfe detaillierte Schaltpläne und Kompatibilitätslisten.

Ausblick: Wohin entwickelt sich das System 3000?

Spannend wird die Zukunft: Gira arbeitet laut Planungshilfe bereits an der Integration weiterer Standards wie Matter und Thread. Damit könnte das System künftig noch besser mit anderen Smart-Home-Plattformen zusammenspielen. Schon jetzt zeigt sich: Das System 3000 ist kein reines Lichtsteuerungssystem mehr, sondern entwickelt sich zu einer vielseitigen, erweiterbaren Plattform für moderne Gebäudeautomation. Für mich als Elektriker ist das besonders interessant, weil es eine Brücke zwischen klassischer Installationstechnik und smarter Gebäudesteuerung schlägt – ohne den Kunden mit komplexen Bussystemen zu überfordern.

Das Gira System 3000 zeigt, wie elegant sich klassische Elektroinstallation und Smart-Home-Technik verbinden lassen. Die neuen Aufsätze und App-Funktionen machen das System flexibler, intuitiver und zukunftssicherer. Für Elektriker ist es eine clevere Lösung, um Kunden ohne großen Aufwand smarte Funktionen zu bieten. Für ambitionierte Heimwerker ist es die Möglichkeit, bestehende Schalter mit minimalem Aufwand in die digitale Welt zu holen. Kurz gesagt: ein System, das mitwächst – technisch solide, optisch harmonisch und im Alltag angenehm unauffällig.

Wenn du dein Zuhause Schritt für Schritt smarter machen willst, lohnt sich ein Blick auf das Gira System 3000 – besonders, wenn du Wert auf solide Elektroinstallation und einfache Bedienung legst.

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