Lohnt sich ein Mesh-System für den Garten? Ein Kosten-Nutzen-Check
Sommer, Sonne, Streaming – und das WLAN bricht ab, sobald man den Fuß auf die Terrasse setzt. Dieses Szenario kennen viele, die ihr Smart Home auch im Außenbereich nutzen möchten. Musikstreaming, smarte Außenkameras oder Videocalls im Garten scheitern oft an schwacher Signalabdeckung. Ich habe selbst lange mit verschiedenen Lösungen experimentiert – vom einfachen Repeater bis hin zum vollwertigen Mesh-System. Doch lohnt sich der finanzielle Aufwand wirklich? In diesem Artikel analysiere ich, ob sich ein Mesh-System für den Garten rechnet – und welche Alternativen unter Kosten-Nutzen-Gesichtspunkten sinnvoller sein können.
Warum WLAN im Garten überhaupt ein Thema ist
Im modernen Smart Home endet das Netzwerk längst nicht mehr an der Terrassentür. Außenkameras, smarte Gartenbeleuchtung, Mähroboter oder Poolsteuerungen – sie alle benötigen eine stabile WLAN-Verbindung. Und genau hier liegt die Herausforderung: Außenwände, Glasfronten oder Bäume dämpfen das Signal erheblich. Viele Router schaffen es kaum bis auf die Terrasse, geschweige denn bis ins Gartenhaus. Ein Mesh-System oder ein Outdoor-Access-Point kann dieses Problem lösen. Aber während ein klassischer Repeater bereits für unter 50 Euro erhältlich ist, liegen hochwertige Mesh-Kits schnell bei 200 Euro und mehr. Wer also überlegt, sein WLAN in den Garten zu erweitern, sollte sich die Frage stellen: Wie viel Leistung bekomme ich tatsächlich pro investiertem Euro?
Kostenfaktor 1: Mesh-Systeme im Überblick
Ein modernes Mesh-System besteht aus mehreren Knoten – typischerweise einem Basisrouter und einem oder mehreren Satelliten. Alle Knoten bilden ein gemeinsames WLAN-Netz mit identischer SSID. Geräte verbinden sich automatisch mit dem stärksten Signal, ohne dass man manuell zwischen Netzwerken wechseln muss. Preislich startet man bei rund 200 Euro für ein Starterset, etwa mit einem Router und einem Outdoor-tauglichen Satelliten. Zusätzliche Knoten kosten etwa 100–150 Euro pro Stück. Für große Grundstücke kann die Investition somit schnell auf 400–500 Euro steigen. Was bekommt man dafür? In der Praxis liefert ein Mesh-System:
- Nahtloses Roaming ohne Unterbrechungen
- Hohe Datenraten durch eigene Backhaul-Verbindungen
- Zentrales Management über App oder Webinterface
- Einheitliche Netzwerkkonfiguration für alle Bereiche
Der große Vorteil: Einmal eingerichtet, funktioniert das System stabil und wartungsarm. Gerade wer viele smarte Geräte nutzt – etwa Reolink- oder Arlo-Kameras – profitiert von der zuverlässigen Verbindung. Der Nachteil: Herstellerbindung. Mesh ist nicht standardisiert, was bedeutet, dass sich Geräte unterschiedlicher Marken oft nicht kombinieren lassen.
Kostenfaktor 2: Alternativen im Vergleich
Bevor man mehrere hundert Euro in ein Mesh-System investiert, lohnt ein Blick auf Alternativen.
Outdoor-Access-Points
Outdoor-APs wie der TP-Link EAP110 Outdoor oder Ubiquiti UniFi AC Mesh kosten zwischen 70 und 150 Euro. Sie werden per LAN-Kabel – meist über Power over Ethernet (PoE) – direkt ans Heimnetz angebunden. Dadurch bleibt die volle Geschwindigkeit erhalten, da kein Funk-Backhaul genutzt wird. Das bedeutet: kein Bandbreitenverlust, auch bei HD-Streams oder mehreren Kameras. Ein PoE-Injektor schlägt mit rund 20–25 Euro zu Buche, ein 100 Meter Cat6-Kabel mit etwa 50–80 Euro. Insgesamt landet man damit bei etwa 150–200 Euro für eine professionelle, wetterfeste Lösung. Vorteile:
- Volle Bandbreite, keine Halbierung durch Repeating
- Wetterfest (IP65/IP67) und langlebig
- Einbindung ins Hauptnetz, gleiche SSID möglich
Nachteile:
- Aufwändigere Verkabelung und Montage
- Eventuell Blitzschutz/Erdung erforderlich
- Kein zentrales Mesh-Management
WLAN-Repeater
Repeater sind die günstigste Variante. Ein AVM FritzRepeater 1200 AX kostet rund 50 Euro. Allerdings gibt es kaum wetterfeste Modelle, weshalb sie nur in geschützten Bereichen (z. B. unter Dachüberstand oder Fensterbank) eingesetzt werden sollten. Zudem halbiert sich durch den doppelten Funkweg häufig die Datenrate. Kurz gesagt: Repeater sind die Low-Budget-Lösung – schnell installiert, aber technisch limitiert. Für stabile Outdoor-Verbindungen eher ungeeignet.
Powerline-Adapter mit WLAN
Ein Kompromiss sind Powerline-Adapter mit integriertem WLAN. Sie leiten das Signal über die Stromleitung weiter und bieten am Gartenhaus ein eigenes WLAN. Kostenpunkt: etwa 100 Euro pro Paar. Allerdings ist diese Technik stark von der Strominstallation abhängig – unterschiedliche Phasen oder alte Leitungen können die Verbindung dämpfen.
Kosten-Nutzen-Vergleich in Zahlen
Um die Wirtschaftlichkeit greifbar zu machen, hier ein direkter Vergleich typischer Lösungen:
| Variante | Gesamtkosten (ca.) | Installationsaufwand | Bandbreite im Garten | Langzeitnutzen |
|---|---|---|---|---|
| Repeater (Indoor) | 50 € | Sehr gering | Niedrig bis mittel | Begrenzt (nicht wetterfest) |
| Powerline mit WLAN | 100 € | Mittel | Mittel | Begrenzt (abhängig von Stromnetz) |
| Outdoor-Access-Point (PoE) | 150–200 € | Hoch (Kabelverlegung) | Hoch | Sehr hoch (dauerhaft stabil) |
| Mesh-System (Outdoor-Knoten) | 250–500 € | Mittel | Hoch | Sehr hoch (flexibel erweiterbar) |
Betrachtet man das Verhältnis von Kosten zu Nutzen, zeigt sich: Ein Outdoor-Access-Point bietet das beste Preis-Leistungs-Verhältnis, wenn eine Verkabelung möglich ist. Ein Mesh-System lohnt sich vor allem, wenn man ohnehin im Haus schon ein Mesh nutzt oder mehrere Außenbereiche abdecken möchte.
Langfristige Überlegungen: Zukunftssicherheit und Wartung
Bei der Entscheidung spielen nicht nur Anschaffungskosten, sondern auch Zukunftsfähigkeit und Wartung eine Rolle. Moderne Mesh-Systeme unterstützen bereits Wi-Fi 6 oder 6E, teilweise sogar Wi-Fi 7. Damit sind sie für die nächsten Jahre gerüstet. Die höhere Bandbreite und geringere Latenz verbessern insbesondere Streaming und Kameraverbindungen im Außenbereich. Outdoor-Access-Points ziehen hier nach: Viele neue Modelle, etwa von Ubiquiti oder TP-Link, bieten ebenfalls Wi-Fi 6 und Cloud-Management. Wer also lieber auf eine kabelgebundene Lösung setzt, muss keine Angst haben, technisch abgehängt zu werden. Ein weiterer Punkt sind Wartung und Sicherheit: Mesh-Systeme bringen meist automatische Firmware-Updates und zentrales Monitoring mit. Bei Einzel-APs muss man das manuell übernehmen. Dafür sind sie weniger herstellergebunden und oft günstiger zu erweitern. Langfristig gilt: Je komplexer das System, desto höher die Folgekosten – sei es durch Ersatzgeräte, Lizenzmodelle oder Zeitaufwand für Administration.
Praxisbeispiel: Mein eigener Kosten-Check
Ich habe selbst beide Varianten getestet. In meinem Garten (rund 20 × 30 m) habe ich zunächst einen Repeater am Fensterbrett platziert. Ergebnis: instabil, halbe Geschwindigkeit, Streaming-Aussetzer. Danach folgte ein Ubiquiti UniFi AC Mesh mit PoE-Kabel. Kostenpunkt: rund 160 €. Seitdem läuft das WLAN absolut stabil – selbst die Reolink-Kamera am hinteren Zaun bekommt konstant über 50 Mbit/s. Zum Vergleich: Das Mesh-Upgrade (mit Outdoor-Satellit) in meinem zweiten Projekt kostete knapp 400 €. Die Einrichtung war zwar einfacher, aber der Performance-Gewinn gegenüber dem kabelgebundenen AP war minimal. Der Mehrpreis lohnt sich also primär, wenn man mehrere Außenbereiche oder Etagen abdecken möchte. Mein Fazit aus der Praxis: Wer handwerklich etwas Geschick hat, fährt mit einem Outdoor-AP deutlich günstiger. Mesh-Systeme punkten dagegen beim Komfort und der Skalierbarkeit.
Unterm Strich hängt die Entscheidung stark vom eigenen Szenario ab. Wenn du nur deine Terrasse oder das Gartenhaus mit WLAN versorgen möchtest, ist ein Outdoor-Access-Point für rund 150 € die wirtschaftlichste Lösung. Er bietet volle Geschwindigkeit, Stabilität und Langlebigkeit. Ein Mesh-System lohnt sich vor allem dann, wenn du bereits im Haus ein solches Setup nutzt oder auf einfache Erweiterbarkeit Wert legst. Dann rechtfertigt der höhere Preis den Komfortgewinn. Für Bastler und Effizienz-Fans bleibt aber klar: Ein sauber installierter PoE-Access-Point schlägt jeden Funk-Repeater – und spart langfristig Geld.
Du planst den WLAN-Ausbau in deinem Garten? Teile in den Kommentaren, welche Lösung du bevorzugst – Mesh, Access Point oder doch Powerline?










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