Sony Acoustic Auto Calibration im Test – Präziser Klang auf Knopfdruck
Ich erinnere mich noch gut an den Moment, als ich meine neue Sony HT-A7000 Soundbar ausgepackt habe. Der erste Gedanke: Diese Klangmaschine verdient eine perfekte Abstimmung. Doch wie soll man das in einem nicht optimierten Wohnzimmer hinbekommen – mit Teppichen, Glasfronten und asymmetrischen Wänden? Genau hier kommt Sony Acoustic Auto Calibration ins Spiel. Diese Technologie verspricht, den Raum automatisch zu vermessen und den Klang optimal anzupassen – ganz ohne externes Messmikrofon. In diesem Artikel tauche ich tief in die Technik ein, erkläre, wie das System arbeitet, wie man es richtig einrichtet und wie es sich im Alltag schlägt. Ein echter Produkt-Deep-Dive für alle, die wissen wollen, was Sonys Einmesssystem wirklich leistet.
Was steckt hinter Acoustic Auto Calibration?
Acoustic Auto Calibration ist Sonys Ansatz für automatische Raumkorrektur. Das System analysiert mithilfe des Mikrofons in der Fernbedienung, wie der Schall tatsächlich im Raum ankommt. Während der Kalibrierung spielt die Soundbar oder der Fernseher Testtöne ab – meist Sinus-Sweeps über das gesamte Frequenzspektrum. Diese Töne werden vom Mikrofon aufgenommen, und ein interner Digital Signal Processor (DSP) errechnet daraus ein Korrekturprofil. Der Clou: Das Ganze passiert ohne separates Messmikrofon. Sony nutzt die ohnehin vorhandene Voice-Fernbedienung als Sensor. Diese misst Schalllaufzeiten, Lautstärkeverteilung und Frequenzgang – also genau jene Parameter, die im akustisch nicht optimierten Wohnzimmer oft problematisch sind. Der DSP gleicht anschließend Pegel und Laufzeiten der Kanäle an, um ein möglichst neutrales Klangbild zu erreichen. Das Verfahren ähnelt in seiner Grundidee Systemen wie Audyssey oder Yamaha YPAO, ist aber stärker auf den Heimgebrauch ohne externe Hardware ausgelegt. Für viele Anwender ist das der entscheidende Vorteil: keine Kabel, kein Messstativ, keine App – einfach das Gerät einmessen lassen und fertig.
Einrichtung und Kalibrierung – Schritt für Schritt
Die Einrichtung von Sony Acoustic Auto Calibration ist erfreulich einfach, wenn man ein paar Dinge beachtet. Ich habe die Prozedur an einer HT-A7000 Soundbar getestet, die per HDMI eARC mit einem Bravia XR TV verbunden war.
- Im Menü des Fernsehers wählt man unter Einstellungen → Anzeige & Ton → Akustik den Punkt Akustik-Autokalibrierung aus.
- Die Fernbedienung mit integriertem Mikrofon wird am Hörplatz auf Ohrhöhe gehalten – möglichst ruhig, ohne Hintergrundgeräusche.
- Nach dem Start spielt das System eine Reihe von Testtönen ab. Diese durchlaufen alle Lautsprecherkanäle, inklusive Subwoofer, sofern vorhanden.
- Der DSP analysiert die Raumantwort, korrigiert Laufzeiten, Pegel und Equalizer-Kurven und speichert das Ergebnis intern.
Nach wenigen Minuten ist das System fertig. Bei mir war der Unterschied sofort hörbar: Stimmen wirkten klarer, der Bass war definierter und die Stereobreite gleichmäßiger. Besonders bei Filmen mit Dolby Atmos zeigte sich der Zugewinn an Präzision deutlich – Soundeffekte schwebten stabiler im Raum, ohne dass man ständig nachregeln musste.
Die Technik im Detail – wie misst Sony wirklich?
Hinter der simplen Benutzeroberfläche arbeitet ein komplexer Algorithmus. Im Kern basiert Sonys Acoustic Auto Calibration auf drei Säulen:
- Signalanalyse: Das System sendet definierte Testsignale (z. B. Sinus-Sweeps) aus. Das Mikrofon misst die Raumantwort – also wie der Ton im Raum reflektiert und absorbiert wird.
- DSP-Korrektur: Der integrierte Digital Signal Processor erkennt Abweichungen im Frequenzgang und in den Laufzeiten zwischen den Kanälen. Daraus werden Filter berechnet, die diese Fehler kompensieren.
- Adaptive Entzerrung: Die berechneten Filter werden in Echtzeit auf die Audiowiedergabe angewendet. So bleibt der Klang auch bei unterschiedlichen Lautstärken oder Quellen konsistent.
Bei hochwertigen Modellen wie der HT-A7000 oder der Bravia Theater Quad kommen zusätzlich erweiterte Verfahren wie Sound Field Optimization und 360 Spatial Sound Mapping hinzu. Diese Techniken simulieren zusätzliche Lautsprecherpositionen und erzeugen so ein immersives Klangfeld. Besonders spannend: Die Kalibrierung berücksichtigt dabei auch Deckenreflexionen – ein entscheidender Faktor für Dolby Atmos. Im Vergleich zu Systemen wie Sonos Trueplay oder Bose ADAPTiQ fällt auf, dass Sony stärker auf Hardwareintegration setzt. Während Sonos auf iPhone-Mikrofone und Bewegung im Raum vertraut, misst Sony statisch vom Hörplatz aus. Das ist präziser für den Sweet Spot, aber weniger flexibel für mehrere Sitzpositionen.
Praxisprojekt: Kalibrierung einer Sony HT-A7000
Um zu sehen, wie gut die Theorie in der Praxis funktioniert, habe ich ein kleines Projekt durchgeführt: die Einmessung meiner HT-A7000 im Wohnzimmer.
- Soundbar mittig unter dem Fernseher positionieren und über HDMI eARC verbinden.
- Sicherstellen, dass die Fernbedienung korrekt funktioniert und ausreichend Batterieleistung hat.
- Im Menü unter Einstellungen → Ton → Akustik → Akustik-Autokalibrierung den Vorgang starten.
- Während der Testtöne still sitzen und die Fernbedienung auf Ohrhöhe halten.
- Nach Abschluss der Messung ein Musikstück oder Filmszene abspielen und vergleichen.
Das Ergebnis war beeindruckend. Vor der Kalibrierung war der Bass leicht dröhnend, und Stimmen klangen etwas flach. Danach war der Klang deutlich strukturierter. Besonders auffällig: die präzise Lokalisierbarkeit von Effekten im Surroundfeld. Für mich als Audio-Enthusiast ist das der Punkt, an dem Technik und Emotion zusammenkommen – wenn die Technik verschwindet und nur noch der Klang zählt.
Vor- und Nachteile der automatischen Kalibrierung
Acoustic Auto Calibration ist kein Wundermittel, aber sie löst viele Alltagsprobleme. Hier die wichtigsten Punkte im Überblick:
- + Ausgewogener Klang: Das System kompensiert Raummoden und Reflexionen, was besonders die Sprachverständlichkeit verbessert.
- + Komfort: Kein manuelles EQ-Tuning nötig – die Anpassung läuft automatisch.
- + Flexibilität: Lautsprecher können freier platziert werden, da das System Abweichungen korrigiert.
- – Messgenauigkeit: Das Mikrofon in der Fernbedienung ist kein Laborgerät; Umgebungsgeräusche verfälschen die Messung.
- – Wiederholungsaufwand: Nach Möbelrücken oder Raumänderungen muss neu eingemessen werden.
- – Klangcharakter: Der korrigierte Klang ist sehr neutral – wer warme Abstimmung bevorzugt, kann das als kühl empfinden.
Ich persönlich empfinde den Zugewinn an Präzision und Klarheit als deutlich wichtiger als die minimale Verlust an „Charakter“. Wer es etwas lebendiger mag, kann nach der Einmessung immer noch per Equalizer oder Moduswahl nachjustieren.
Fehlerquellen und Troubleshooting
Wie bei jeder automatischen Messung kann auch bei Sonys System etwas schiefgehen. In meiner Praxis gab es drei typische Stolperfallen:
- Kalibrierung bricht ab: Oft liegt das an blockierter Sichtlinie oder schwacher Verbindung zwischen Fernbedienung und Soundbar. Ein Neustart hilft fast immer.
- Falsche Messergebnisse: Hintergrundgeräusche (Gespräche, Straßenlärm) verfälschen die Ergebnisse. Ich empfehle, die Messung abends in ruhiger Umgebung durchzuführen.
- Unnatürlicher Klang: Wenn der Sound nach der Messung dumpf oder zu analytisch wirkt, lohnt sich ein Reset und erneute Kalibrierung.
Positiv: Sony bietet in den aktuellen Firmware-Versionen stabile Prozesse. Sollte die Kalibrierung dennoch fehlschlagen, hilft meist ein einfacher Neustart der Geräte oder eine Aktualisierung der Software.
Trends und Zukunft – wohin entwickelt sich die Auto-Kalibrierung?
In den letzten zwei Jahren hat sich im Bereich der automatischen Klangoptimierung einiges getan. Sony integriert zunehmend KI-Algorithmen, die Dialoge in Echtzeit analysieren und optimieren – besonders interessant bei Serien oder Podcasts. Systeme wie Dolby Atmos FlexConnect oder 360 Spatial Sound Mapping gehen noch einen Schritt weiter: Sie nutzen die Kalibrierungsdaten, um virtuelle Lautsprecher zu erzeugen und den Klang flexibel im Raum zu positionieren. Andere Hersteller wie Sonos oder Teufel verfolgen unterschiedliche Ansätze: Trueplay nutzt iPhone-Mikrofone für mobile Messungen, während Teufel mit Dynamore Ultra und Wellenfeld-Modi eine breitere Klangbühne ohne Messmikrofon erzeugt. Diese Vielfalt zeigt, dass die Branche das Thema Raumakustik längst als Schlüsselfaktor erkannt hat. Spannend ist auch der Ausblick auf automatische Neuanpassung: Künftig sollen Systeme selbst erkennen, wenn sich die Raumakustik ändert – etwa durch geöffnete Türen oder neue Möbel – und automatisch nachkalibrieren. Erste Patente deuten genau in diese Richtung.
Nach einigen Wochen mit Sony Acoustic Auto Calibration bin ich überzeugt: Diese Funktion ist mehr als ein nettes Extra – sie ist ein echter Gamechanger für alle, die unkompliziert besseren Klang wollen. Besonders in Wohnräumen, die akustisch nicht ideal sind, macht die automatische Einmessung einen enormen Unterschied. Der Klang wirkt stabil, klar und natürlich – ganz ohne Studioaufwand. Natürlich ersetzt sie keine gezielte Raumakustikbehandlung, aber sie holt aus jeder Soundbar und jedem TV-Setup das Maximum heraus. Für mich als Tontechnikerin ist das genau die Art von Technik, die den Alltag smarter und den Klang ehrlicher macht.
Mein Tipp: Führt die Kalibrierung regelmäßig durch – spätestens nach größeren Raumveränderungen. Der Aufwand ist minimal, der Zugewinn an Klangqualität maximal.










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