Seit ein paar Tagen sind die Homematic IP wired Komponenten nun bei ELV verfügbar. Zuvor war es schon möglich Projekte über die Sunrise-Phase abzuwickeln. Diese mussten speziell genehmigt werden und konnten nur von Fachpartnern umgesetzt werden. Zusammen mit smartfabrik haben wir einige solcher Projekte in den letzten Wochen und Monaten umgesetzt und wollen Euch hiervon aus erster Hand berichten. Da bereits bei der ersten Planung fatale Fehler gemacht werden können, werde ich dazu eine Artikelreihe verfassen, da der Inhalt den Umfang eines Artikel komplett sprengen würde. Heute will ich mit den Basics anfangen. Wir starten bei der ersten Idee – Warum soll ich Homematic IP wired einsetzen und enden in diesem Artikel mit einer fertigen Kabelzugliste, die Euer Elektriker benötigt um die notwendige Verkabelung Eures Hauses / Wohnung durchzuführen.

Bezugsquellen für Homematic IP wired Projekte

Bei smartkram.de gibt es einen Homematic IP wired Konfigurator – hier könnt Ihr Euer individuelles Projekt zusammenstellen und erhaltet zudem direkt eine Empfehlung zum passenden Netzteil und die nötige Anzahl der TEs (Trennungseinheiten), die für den Einbau im Schaltschrank benötigt werden. Zusätzlich erhaltet Ihr je nach Bestellwert einen Gutschein von bis zu 12% des Bestellwertes, der für Installationsmaterial oder andere Komponenten aus dem Shop genutzt werden kann. Schaut einfach mal vorbei. Bei individuellen anfragen, könnt Ihr auch einfach eine Mail an shop@smartkram.de senden.

Warum Homematic IP wired? Was spricht dafür?

Durch smartfabrik habe ich dieses Thema bereits mit vielen Kunden diskutiert – Kabel oder Funk, das ist meist eine der ersten technischen Fragen, die man sich stellen wird, wenn man ein Bauvorhaben plant. Bei Bestandsimmobilien, die mit einem SmartHome nachgerüstet werden sollen, erübrigt sich diese Frage bereits sehr früh, da der Aufwand in keiner Relation steht. Doch sobald es um umfangreiche Änderungen an der Installation oder um einen Neubau geht, sollte man zumindest über eine kabelgebundene Variante nachdenken.

Ein weiterer Punkt, den ich bei vielen Kunden festgestellt habe, ist das die Frage Kabel oder Funk auch sehr emotional diskutiert wird. Gegen FUnk spricht bei einem Neubau sehr häufig die zusätzliche Funkbelastung, die Zuverlässigkeit, der Batterietasuch usw.. Auf diese einzelnen Punkte möchte ich an dieser Stelle aber nicht weiter eingehen. Ich habe Euch ein paar Fakten zu pro Kabel und kontra Kabel zusammengestellt:

Alle anderen Artikel zum Thema Homematic IP wired Planung findet Ihr auf der eigens dafür eingerichteten Unterseite

Pro wired

  • Stabiles, zukunftssicheres System
  • Keine Funkbelastung
  • Keine Batterien (z.B. Fensterkontakte) die getauscht werden müssen
  • Kann später auch z.B. durch ein anderes System ersetzt werden (KNX, Loxone…)
  • Keine Störung durch andere Funksender
  • Wertsteigerung der Immobilie
  • Kann durch Funk erweitert werden
  • Saubere Installation (keine Zwischenstecker, Funktaster oder ähnliches)
  • Beliebiges Taster-/Schalterprogramm kann verwendet werden
  • Die Haptik der Schalter bleibt erhalten (bei vielen Kunden ein sehr wichtiges Thema!)

contra wired

  • Die Installation wird durch den erhöhten Kabelaufwand teurer (unsere Erfahrung 1/3 Mehrkosten zu einer konventionellen Installation)
  • Der Elektriker muss „mitspielen“ (einer der wichtigsten Punkte!)
  • Erhöhter Planungsaufwand
  • Nachrüsten zu gut wie nicht möglich
  • Erhöhter Platzbedarf im Schaltschrank

Einer der entscheidenden Punkte ist, dass bei einer Eigenplanung der Elektriker von Anfang an mit eingebunden wird. Unsere Erfahrung hat gezeigt, dann ein Großteil der Installateure kein Interesse an so einer Lösung hat und lieber konventionell anbieten möchte. Oft haben wir auch unqualifizierte Aussagen wie „…was ist das für ein Käse, warum denn kein KNX..“ oder „…KNX ist doch viel besser und einfacher zu verdrahten..“ Solche Aussagen fundieren natürlich auf keiner fachlichen Grundlage. Bitte versteht mich an dieser Stelle nicht falsch, es gibt auch sehr gute Elektriker, mit denen wir mehrere Projekte durchgeführt haben, doch ich glaube das ist aktuell noch der kleinere Teil.

Nicht jeder von Euch ist auf diesem Gebiet experte – trotzdem kann man sich Gedanken zu seinem Vorhaben machen. Jetzt erkläre ich Euch, welche Basis Ihr schaffen müsst, damit Ihr und der Elektriker eine gemeinsame Sprache sprecht. In einem vorherigen Artikel habe ich Euch bereits gezeigt, wie Ihr in Eurem Haus Lichter, Taster, Steckdosen, Netzwerkdosen usw.. platziert. Hier ist der ausführliche Artikel zur Elektroplanung (Bemusterung).

Nachdem die Platzierung der Verbraucher und Taster geschehen ist, können wir uns an die Erstellung einer Kabelzugliste machen. Diese Liste ist die Grundlage jeder komplexeren Elektroinstallation. Für diejenigen unter Euch, die den Begriff Kabelzugliste zum ersten mal gehört haben, gebe ich eine kleine Einweisung.

Diese Liste ist sehr entscheidend ist und fehlende Kabel im Nachgang nur sehr schwer nachgezogen werden können, sollte hierauf viel Wert gelegt werden. Wir haben aktuell einige Projekte, bei denen wir (smartfabrik) die Planung aus der Ferne unterstützen- bei Bedarf können wir Euch bei der Erstellung dieser Kabelzug-/ Sicherungsliste und der Schaltschrankplanung unterstützen. Das kann sowohl die komplette Erstellung der Liste oder nur eine Überprüfung Eurer Arbeit sein. Dazu könnt Ihr uns sehr gerne anschreiben (kontakt@smartfabrik.de)

Bei einer konventionellen Elektroinstallation werden die Kabel meist nach „Gutdünken“ gelegt. Jeder Raum oder mehrere Räume zusammen werden mit einer Sicherung versehen. Von dieser Sicherung aus, wird ein Kabel meist 3×1,5mm² in den Raum gelegt. Hier wird es auf die Steckdosen und auf die konventionellen Schalter verteilt. Der Elektriker hat meist nur einen sehr groben Plan, der die Anzahl der benötigten Sicherungen enthält. Bei einer konventionellen Elektroinstallation wird daher nicht jedes Kabel einzeln geplant. Wenn Ihr aber eine smarte Installation anstrebt, wird so eine Liste essentiell. Aus dieser geht hervor, welches Kabel von wo nach wo gelegt werden muss. In dieser Liste sind alle Kabel angefangen von einfachen 3×1,5mm² über J-Y(St)Y (Signalkabel) bis hin zu CAT7 (Netzwerkkabel) alles verzeichnet. Hier finden sich sowohl Dauerstromkreise als auch geschaltete Stromkreise und Taster wieder.

Hier seht Ihr ein Beispiel für solch eine Kabelzugliste. In der Spalte A ist die eindeutige Bezeichnung des Kabels zu finden. Bei größeren Projekten setze ich zudem gerne noch ein zusätzliche Kennzeichnung vor die erste Spalte. Diese beinhaltet dann z.B. den Abgekürzten Raum und die Kabelnummer. Für ein Stromkabel im Arbeitszimmer könnte diese Kenung z.B. AZ-S1 sein. Hier könnt Ihr Euch aber selber ein Schema überlegen, dass für Euch passt.

Die ersten beiden Spalten beschreiben also von Wo das Kabel startet. Ich gehe hier immer vom Verbraucher aus. Das kann eine Steckdose oder aber ein Taster sein. In Spalte L führe ich gerne noch eine Objektnummer mit. Diese nummeriert das Kabel durch. Nun kommen wir zur Spalte M und N. Hier wird der Ort aufgeführt zu dem das Kabel läuft. Bei einer Punkt zu Punkt Verbindung wird das Kabel immer vom Verteilerschrank zum Verbraucher geführt. Als Beispiel die Zuleitung für das Deckenlicht. Das Deckenlicht soll separat von einem Homematic IP wired Modul geschaltet werden. Daher wir eine eigene Phase für diesen Verbraucher benötigt. Das Kabel verlauft also vom Schaltschrank direkt zum Verbraucher und wird daher in dieser Liste als eigene Postion aufgeführt.

Etwas anders verhält sich z.B. der „Dauerstrom Arbeitszimmer“. Diese Phase ist später für die Steckdosen vorgesehen. Der Elektriker kann diese Phase dann wie gewohnt im Raum verteilen und alle Steckdosen die darüber versorgt werden anschließen. Solltet Ihr bereits zu diesem Zeitpunkt eine genaue Vorstellung haben, wo die Steckdosen sitzen, kann zudem auch diese Punkt zu Punkt-Verbindung bereits in die Liste eingetragen werden. Dann Wäre der Start in Spalte A z.B. „Steckdose 1“ „Wand rechts Arbeitszimmer“ Nach: „Steckdose 2“ „Wand links Arbeitszimmer“. So erkennt der Elektriker dann sofort, dass ein Kabel von der 1. zur 2. Steckdose gezogen werden muss.

Aber auch hier gilt – bei kleineren Installationen spreche ich zuvor mit dem Elektriker ab, dass nur eine Dauerstrom-Phase in der Liste steht, auf der Baustelle werden dann mit Kreide die nötigen Steckdosen an der Wand markiert und das Kabel von Dose zu Dose geschliffen.

Ein weiteres Beispiel sind die Rollläden oder Jalousien. Hier muss ein 5×1,5mm² Kabel gezogen werden, da eine Umschaltung der Drehrichtung des Motors erfolgen muss. Auch hier gilt wieder VON –> NACH. In Spalte O trage ich zudem die Funktion der einzelnen Kabel ein. Dadurch kann man später, wenn die Liste gewachsen ist sehr einfach Verbraucher über die Funktion finden.

In Spalte P trage ich zudem zusätzliche Informationen ein. Dies ist speziell bei der Beleuchtung wichtig. Soll eine Lampe z.B. gedimmt werden, würde hier der Zusatz „dimmbar“ vermerkt werden. Über diese Spalte kann später bei der Modulplanung gefiltert werden, welches Kabel auf welches Modul geplant werden muss. So kann auch direkt abgeschätzt werden, wie viele Module von welcher Sorte zu beschaffen sind.

Für die Abschätzung der Materialkosten nehme ich zudem noch die Länge und den Kabeltyp, der verlegt werden soll mit auf. Die Längen ermittel ich aus den Bauzeichnungen und hinterlege diese in Spalte Q. So kann über einfache Funktionen (z.B. ZÄHLENWENN.. in Excel) eine Genaue Aufstellung der genötigten Längen pro Kabeltyp erstellt werden. Ein weiterer sehr hilfreicher Punkt ist bereits jetzt schon einzutragen, welche max. Strom abgesichert werden soll.

Das ist später wichtig für die Modulplanung bei den Homematic IP wired Komponenten. Hier gibt es Unterschiede z.B. bei den Schaltaktoren. Der 4-fach Aktor kann z.B. volle 16A schalten und ist daher optimal für Steckdosen geeignet. der 8-Kanal Aktor hingegen kann pro Kanal maximal 10A schalten und muss dadurch anders abgesichert werden. Wenn Ihr also diese Informationen schon vorab in der Liste pflegt, wird die Planung später vereinfacht.

Wie zuvor bereits erwähnt werden auch die Signalkabel für die Taster in dieser Liste geplant. Auch hier gilt wieder VON –> NACH. Zudem solltet Ihr Euch bereits vorher Gedanken dazu gemacht haben, wie viele Taststellen Ihr verwirklichen wollt. Das ist sehr entscheidend für das Kabel welches gezogen werden muss. Grundsätzlich gilt bei Homematic IP wired immer folgende Regel: Anzahl der benötigten Taster + 1 = Anzahl der Adern pro Signalkabel die benötigt werden.

Jeder Taster benötigt sein eigenes Signal. Zudem muss eine Ader für den GND vorgesehen werden. Bei Drücken des Tasters wird dieser mit einem Potential auf GND gezogen und das Homematic Modul erkennt den Schaltbefehl. Für einen einfachen Taster wird so ein 2-adriges Kabel benötigt. Für einen 4-fach Taster ein 5-adriges usw..

Es gibt zudem noch die Möglichkeit direkt ein 6-fach IO-Modul über den Homematic RS485 Bus anzubinden. Dieses Kabel müsste dann ebenfalls in der Liste auftauchen (EIB-Kabel). Dazu werden ich Euch aber einen separaten Artikel verfassen.

In Spalte S seht Ihr nun auch den von mir erwähnten Kabeltyp. Bei dieser Planung werden 2x2x0,6mm² J-Y(St)Y Kabel eingensetzt. Es besteht also die Möglichkeit, mit jedem Kabel maximal 3-fach Taster einzubinden.

Wenn Ihr ein Netzwerk plant, sollten auch diese Kabel hier hinterlegt werden! Wenn Ihr so eine Liste fertig habt, dann seid Ihr bei Euer SmartHome-Planung einen ganzen Schritt weiter gekommen. Auch wenn es lästig erscheint ist diese Liste sehr wichtig und essentiell für die weitere Planung. Mit Hilfe dieser Liste führe ich im nächsten Schritt die Planung der RCDs (FIs) und Sicherungen durch. Damit kann die Last synchron auf die einzelnen Phasen verteilt werden und auch die Verteilung der Sicherungskreise kann sinnvoll realisiert werden. Wie das funktioniert, werde ich Euch in einem weiteren Artikel genau beschrieben.

Was muss sonst noch für geplant werden?

Wichtig sind z.B. noch die Klemmleisten. Hier gibt es sehr nette, kostenlose Tools z.B. von Wago, die es einem ermöglichen eine komplette 3D-Planung der benötigten Klemmleisten durchzuführen. Auch das benötigte Material für den Schaltschrank kann so einfach zusammengestellt werden. Auch hier können wir Euch gerne unterstützen!

Die größe des Schaltschranks ermitteln wir ebenfalls über diese Liste. Sobald die Planung der Kabel fertig ist, können wir die benötigten Homematic IP wired Module auszählen und den erforderlichen Platz (Anzahl TEs) errechnen. Auch dies werde ich Euch in dieser Artikelserie zeigen.

17 Kommentare
  1. Avatar
    Lennart sagte:

    Hallo Sebastian,

    erst mal vielen Dank für diesen umfangreichen und gut beschriebenen Artikel. Könntest Du mir die Tabellen per Mail zuschicken?

    Eine Frage habe ich noch muss man für das Homematic IP Wired im ganzen Haus BUS-Kabel verlegen?

    Schöne Grüße

    Lennart

    Antworten
    • Sebastian
      Sebastian sagte:

      Hallo Lennart,

      habe Dir dazu eine Mail geschrieben – Den Bus musst Du natürlich nur dort verlegen von auch Bus-Teilnehmer verbaut sind. Der Großteil spielt sich dabie natürlich im Schaltschrank ab, den Bus brauchst du außerhalb des Schrankes z.B. für die neue Fußbodenheizungssteuerung, die Wandthermostate (wired) oder aber das 6-fach IO-Modul für 6-fach Taster.

      Antworten
  2. Avatar
    Carsten sagte:

    Hallo Sebastian,

    ich stehe momentan auch vor der Planung eines Homematic IP wired Systems für unseren Neubau.
    Könntest Du mir die Exceltabelle eventuell ebenfalls zukommen lassen?

    Gruss Carsten

    Antworten
  3. Avatar
    Stevi sagte:

    Hi Sebastian,

    könntest Du mir die Tabelle bitte auch zu senden.

    Weißt Du schon, wann es ist mit den nächsten Artikeln der Serie weiter geht?

    Vielen Dank.

    Viele Grüße

    Antworten
  4. Avatar
    Christoph Peters sagte:

    Hallo Sebastian,

    ich stehe gerade auch vor der Planung eines Homematic IP wired Systems für einen Neubau.
    Kann man die Exceltabelle irgendwo bei euch herunterladen?

    Gruß Christoph

    Antworten
  5. Avatar
    Stevi sagte:

    Hallo Sebastian,

    wann können wir mit der Fortsetzung der Artkelserie rechnen?

    Bin gerade in der Neubauplanung und würde mich freuen über weitere Artikel zu diesem Thema.

    Vielen Dank.

    VG

    Antworten
  6. Avatar
    AD sagte:

    Hallo! Danke für den Ausführlichen Artikel.

    Statt der 2x2x08 kann ich doch für Taster etc. auch eine Ader der 3×1,5m³ nehmen oder?

    Gruß

    Antworten
  7. Avatar
    Chris sagte:

    Klasse Artikel, vielen Dank dafür. Wie macht ihr das später mit den LS-Schaltern. Macht ihr dann für Rollos, Licht, Steckdosen jeweils einen extra LS Schalter?

    VG Chris

    Antworten
    • Sebastian
      Sebastian sagte:

      Hallo Chris,

      dazu schreibe ich aktuell einen weiteren Artikel. Bei den Rollos und Jalousien plane ich immer eine Absicherung pro Etage z.B. eine 10A Sicherung für alle Rollos im EG eine für alle Rollos im 1.OG usw.. Die Phase plane ich dann auf ein HM IP wired Moduel, dort wird diese dann geschliffen. Wie die Module angeschlossen werden, beschreibe ich aber auch noch im Detail.

      Antworten

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