Homematic IP und Shelly kombinieren – das Beste aus zwei Welten im Smart Home
Ich erinnere mich noch gut an den Moment, als ich vor der Entscheidung stand: Bleibe ich bei meinem bewährten Homematic IP-System oder wage ich den Schritt zu Shelly? Beide Welten haben ihre Stärken – Homematic IP punktet mit zuverlässiger Sensorik und deutscher Ingenieurskunst, während Shelly mit seiner Offenheit, Flexibilität und MQTT- bzw. Matter-Unterstützung glänzt. Doch warum sich eigentlich entscheiden, wenn man beides kombinieren kann? Genau das habe ich in meinem eigenen Smart Home ausprobiert. In diesem Artikel zeige ich, wie du Homematic IP und Shelly clever miteinander verbindest, welche Hardware du brauchst, wie du Home Assistant als Brücke nutzt und welche Automationen dadurch möglich werden. Das Ziel: maximale Zuverlässigkeit, lokale Steuerung und echte Freiheit bei der Gerätewahl.
Zwei Systeme, zwei Philosophien – und warum sie sich perfekt ergänzen
Homematic IP stammt vom deutschen Hersteller eQ‑3 und setzt auf ein proprietäres, verschlüsseltes 868‑MHz‑Funkprotokoll. Das System wurde speziell für Nachrüstungen entwickelt und funktioniert lokal über einen Access Point oder eine CCU (oder RaspberryMatic). Besonders schätze ich an Homematic IP die hohe Zuverlässigkeit der Funkverbindungen und die durchdachte Sensorik – etwa bei Heizkörperthermostaten, Fenster‑ und Türkontakten oder Bewegungsmeldern. Shelly hingegen stammt vom bulgarischen Hersteller Allterco Robotics und verfolgt einen ganz anderen Ansatz: Die kleinen Module kommunizieren über WLAN, sind günstig, offen und lassen sich über MQTT, HTTP‑API oder Matter in nahezu jedes System integrieren. Neuere Generationen wie die Shelly 2PM Gen4🛒 unterstützen sogar zusätzlich ZigBee und Bluetooth und können Stromverbrauch messen. Damit eignen sich Shellys hervorragend als Aktoren – also zum Schalten von Licht, Steckdosen oder Geräten. Warum also kombinieren? Ganz einfach: Homematic IP liefert die präzisen Sensorwerte und zuverlässige Heizungssteuerung, während Shelly günstige, flexible Schaltlösungen bereitstellt. Zusammen mit Home Assistant entsteht ein offenes, lokales und extrem vielseitiges Smart‑Home‑Ökosystem.
Einrichtung: Home Assistant als zentrale Brücke
Um beide Systeme miteinander zu verbinden, brauchst du eine gemeinsame Plattform – und hier spielt Home Assistant seine Stärken aus. Ich empfehle den Betrieb auf einem Raspberry Pi 4🛒 oder 5 mit Home Assistant OS.
- Home Assistant installieren: Lade das entsprechende Image herunter, flashe es auf eine SD‑Karte und starte den Pi. Nach dem ersten Boot kannst du das Web‑Interface über
http://homeassistant.local:8123aufrufen. - Homematic IP einbinden: Wenn du einen Access Point nutzt, kannst du über die Homematic‑IP‑Cloud arbeiten. Flexibler ist jedoch der lokale Weg über eine CCU3 oder RaspberryMatic. Installiere dazu das RaspberryMatic‑Add‑on, füge ein HmIP‑Funkmodul hinzu und importiere deine Geräte. In Home Assistant fügst du unter Einstellungen > Geräte & Dienste die Integration „Homematic“ hinzu und trägst die IP‑Adresse der CCU ein.
- Shelly installieren: Montiere das Shelly‑Modul (z. B. Shelly 1🛒 oder 1PM) in die Unterputzdose, schließe Phase und Neutralleiter korrekt an und richte das WLAN ein. Nach dem Einschalten erscheint der Shelly als Access Point, über den du deine WLAN‑Daten übermittelst. Danach erreichst du das Gerät über die Shelly‑App oder direkt per IP‑Adresse im Browser.
- Shelly in Home Assistant integrieren: In vielen Fällen erkennt Home Assistant die Shellys automatisch. Falls nicht, fügst du sie manuell hinzu: Einstellungen > Geräte & Dienste > Integration hinzufügen > Shelly. Anschließend stehen dir alle Schalt‑ und Mess‑Entities zur Verfügung.
Sind beide Systeme integriert, kannst du sie über Dashboards visualisieren oder in Automationen kombinieren. Das Schöne: Alle Geräte bleiben lokal steuerbar – kein Cloud‑Zwang, keine Abhängigkeit von Internetverbindungen.
Praxisprojekte: Wenn Homematic Sensoren Shelly‑Aktoren steuern
In meinem Alltag hat sich die Kombination von Homematic IP und Shelly in mehreren Projekten bewährt. Hier zwei Beispiele, die du leicht nachbauen kannst.
Projekt 1: Bewegungsgeführte Lichtsteuerung
- Hardware: Homematic‑IP‑Bewegungsmelder, Shelly 1🛒, Home Assistant (Raspberry Pi)
- Ablauf: Der Bewegungsmelder erkennt Bewegung und sendet das Signal an Home Assistant. Dieser schaltet über den Shelly 1🛒 das Licht ein. Nach einer definierten Zeit ohne Bewegung wird das Licht automatisch wieder ausgeschaltet.
Das Ergebnis: Das Licht reagiert intelligent auf Bewegung, ohne dass du Schalter betätigen musst – und das völlig lokal.
Projekt 2: Heizungssteuerung mit Fenster‑Offen‑Erkennung
- Hardware: Homematic‑IP‑Fensterkontakt, Homematic‑IP‑Heizkörperthermostat, Shelly 1PM🛒
- Ablauf: Öffnest du das Fenster, erkennt der Kontakt den Zustand und Home Assistant senkt die Soll‑Temperatur am Heizkörper. Gleichzeitig schaltet der Shelly 1PM🛒, an dem z. B. ein Heizlüfter hängt, die Stromzufuhr ab. Beim Schließen des Fensters wird wieder auf Normalbetrieb gestellt.
Solche Automationen sparen nicht nur Energie, sondern erhöhen auch den Komfort erheblich.
Automatisierungslogik in Home Assistant
Home Assistant erlaubt es, komplexe Logiken zu erstellen – und genau hier spielt die Kombination aus Homematic‑Sensorik und Shelly‑Aktoren ihre Stärke aus.
Beispielhafte Automatisierungen:
- WENN der Homematic‑Bewegungsmelder Bewegung erkennt, DANN schalte Shelly 1🛒 (Licht) ein.
- WENN das Fenster geöffnet wird, DANN reduziere die Soll‑Temperatur und schalte Shelly 1PM🛒 (Heizung) ab.
- WENN der Energieverbrauch des Shelly 1PM🛒 einen Grenzwert überschreitet, DANN sende eine Benachrichtigung oder schalte das Gerät ab.
- WENN Nacht ist UND Bewegung erkannt wird, DANN dimme das Licht statt es voll einzuschalten.
Mit Home Assistant kannst du Bedingungen, Zeitpläne und Sensorwerte beliebig kombinieren. Damit eröffnen sich nahezu unbegrenzte Möglichkeiten für individuelle Automationen.
Kosten, Budget und Hardware‑Empfehlungen
Ein großer Vorteil dieser Kombination ist die Flexibilität beim Budget. Du kannst klein anfangen und das System nach und nach erweitern.
| Komponente | Typischer Preis |
|---|---|
| Homematic IP Access Point🛒 | ca. €50–60 |
| Homematic CCU3 (Zentrale) | ca. €200 |
| Heizkörperthermostat | ca. €60 |
| Bewegungsmelder / Türkontakt | ca. €40–50 |
| Shelly 1🛒 | ca. €12–15 |
| Shelly 1PM🛒 (mit Energiemessung) | ca. €18 |
| Shelly 2PM Gen4🛒 | ca. €39 |
| Raspberry Pi 4🛒/5 (Home Assistant) | ab €50 |
Ein einfaches Setup mit einem Shelly‑Aktuator und einem Homematic‑Sensor liegt also bei rund €60–80 – und bietet schon deutlich mehr Komfort als herkömmliche Schalterlösungen.
Vor‑ und Nachteile der Kombination
Vorteile:
- Homematic IP bietet zuverlässige Funk‑Sensorik und langlebige Batteriegeräte.
- Shelly liefert günstige, vielseitige Aktoren mit WLAN, Matter, ZigBee und Bluetooth.
- Beide Systeme sind lokal steuerbar – kein Cloud‑Zwang.
- Home Assistant ermöglicht zentrale Steuerung, Automationen und Visualisierung.
Nachteile:
- Etwas höherer Einrichtungsaufwand durch zwei Ökosysteme.
- Unterschiedliche Funktechnologien (868 MHz vs. WLAN) können anfangs verwirren.
- Homematic IP ist aktuell nicht Matter‑fähig.
- Shelly benötigt stabiles WLAN.
Wer jedoch bereit ist, etwas Zeit in die Einrichtung zu investieren, wird mit einem sehr flexiblen und zukunftssicheren System belohnt.
Troubleshooting – typische Probleme und Lösungen
Bei der Integration von zwei Systemen kann natürlich auch mal etwas haken. Hier ein paar Tipps aus meiner Praxis:
- Netzwerkprobleme: Stelle sicher, dass alle Shelly‑Geräte im gleichen 2,4 GHz‑Netz wie Home Assistant sind. Prüfe Router‑Einstellungen und IP‑Konflikte.
- Homematic‑Reichweite: Bei Funkproblemen hilft oft ein Repeater oder eine bessere Platzierung der CCU. Achte auf freie Sicht und geringe Störquellen.
- Geräte‑Reset: Bei Anlernproblemen Shelly oder Homematic‑Geräte kurz zurücksetzen und erneut koppeln.
- Logs nutzen: Home Assistant‑Protokolle liefern wertvolle Hinweise. Auch die Web‑UIs von RaspberryMatic und Shelly zeigen Statusmeldungen an.
- Community‑Hilfe: In Foren zu Home Assistant oder Homematic findest du fast immer schnell Lösungen für typische Probleme.
Ausblick: Matter, Z‑Wave Long Range und KI‑Automationen
Die Smart‑Home‑Welt entwickelt sich rasant weiter. Shelly unterstützt seit 2022 den Standard Matter und erweitert mit der Gen4‑Serie und den neuen Wave‑Geräten (Z‑Wave Long Range) sein Spektrum enorm. Damit wird die Integration in plattformübergreifende Systeme noch einfacher. Homematic IP hingegen bleibt seinem proprietären Funk treu und konzentriert sich auf lokale, sichere Lösungen. Auf der IFA 2024 wurden neue Produkte wie eine Home Control Unit und ein überarbeitetes Heizkörperthermostat vorgestellt – ein klares Zeichen, dass eQ‑3 weiter in die Stabilität und Bedienfreundlichkeit investiert. Auch Home Assistant entwickelt sich stetig weiter: Seit Version 2025.8 gibt es KI‑gestützte Automationsvorschläge und eine „KI‑Task“-Funktion, die Routineaufgaben selbstständig anpasst. Das eröffnet spannende Möglichkeiten für dynamische Szenarien, bei denen dein Smart Home selbstständig lernt, wann welche Aktionen sinnvoll sind. Der Trend geht klar zu lokalen, plattformoffenen Systemen mit integriertem Energiemanagement – und genau hier spielt die Kombination aus Homematic IP, Shelly und Home Assistant ihre volle Stärke aus.
Die Kombination von Homematic IP und Shelly ist kein Bastelkompromiss, sondern eine echte Symbiose. Während Homematic IP für Stabilität, Sicherheit und präzise Sensorik sorgt, bringt Shelly Offenheit, Flexibilität und günstige Aktoren ins Spiel. Mit Home Assistant als Herzstück lassen sich beide Systeme elegant vereinen – lokal, sicher und zukunftssicher. Wer die Stärken beider Welten nutzt, bekommt ein Smart Home, das nicht nur funktioniert, sondern Spaß macht und Freiraum für kreative Automationen bietet. Für mich persönlich ist diese Kombination mittlerweile der perfekte Mittelweg zwischen deutscher Ingenieurspräzision und moderner Offenheit.
Wenn du bereits Homematic IP nutzt und dein System erweitern möchtest, probiere doch einmal einen Shelly‑Aktor aus – mit Home Assistant als Zentrale eröffnet sich dir eine ganz neue Welt an Möglichkeiten.










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