Homematic IP vs. Shelly: Zwei Smart-Home-Welten im Vergleich
Als ich vor einigen Jahren mein eigenes Smart Home Stück für Stück aufgebaut habe, stand ich irgendwann vor einer typischen Frage: Welches System ist das bessere Fundament – Homematic IP oder Shelly? Beide gelten als starke Player im Smart-Home-Bereich, doch sie könnten unterschiedlicher kaum sein. Homematic IP ist der Inbegriff deutscher Ingenieurskunst – robust, sicher und perfekt für präzise Heizungs- und Sensorikaufgaben. Shelly dagegen kommt aus Bulgarien, ist günstig, offen und flexibel – ideal für Bastler und DIY-Fans. In diesem Vergleich gehe ich tief ins Detail: von Funkprotokollen über Einrichtung bis hin zu praktischen Automatisierungen mit Home Assistant. Ich zeige dir, wo die Systeme glänzen, wo sie an ihre Grenzen stoßen und wann eine Kombination beider Welten das Beste aus beiden Welten bietet.
Technische Grundlagen und Systemarchitektur
Beginnen wir mit dem Fundament: Homematic IP stammt vom deutschen Hersteller eQ-3 und setzt auf ein proprietäres, verschlüsseltes Funkprotokoll im 868-MHz-Band. Das System wurde gezielt für Nachrüstungen entwickelt und funktioniert wahlweise lokal (über eine CCU3 oder RaspberryMatic) oder via Cloud über den Homematic IP Access Point🛒. Das Besondere: Es ist kein Nutzerkonto erforderlich – alle Daten bleiben lokal, wenn man das möchte. Shelly hingegen stammt vom bulgarischen Hersteller Allterco Robotics und verfolgt einen völlig anderen Ansatz. Statt auf ein eigenes Funkprotokoll setzt Shelly konsequent auf WLAN (IEEE 802.11). Die neueren Generationen, insbesondere die Shelly Plus– und Gen4-Serie, basieren auf leistungsfähigen ESP32-Chips und bieten zusätzlich Unterstützung für Matter, ZigBee und Bluetooth. Ab 2025 erweitert Shelly sein Portfolio um Z-Wave-Long-Range-Geräte, die eine noch größere Reichweite bieten. Beide Systeme sind auf lokale Steuerung ausgelegt – ein Cloud-Zwang besteht nicht. Während Homematic IP vor allem durch seine Zuverlässigkeit und Sicherheit punktet, überzeugt Shelly mit Offenheit und Flexibilität. In der Praxis ergänzen sich beide Systeme hervorragend: Homematic liefert präzise Sensorik und Heizungssteuerung, Shelly steuert günstig und vielseitig Licht, Steckdosen und Energieverbrauch.
Protokolle, Kompatibilität und Ökosystem
Homematic IP nutzt das proprietäre BidCoS-Protokoll (868 MHz) mit verschlüsselter Kommunikation zwischen Zentrale und Geräten. Das sorgt für hohe Zuverlässigkeit und minimale Funkstörungen – ideal für größere Häuser oder dichte Bebauung. Der Nachteil: Das System ist weitgehend geschlossen. Eine Integration in andere Smart-Home-Systeme gelingt über eine CCU oder RaspberryMatic, die über XML-RPC mit Home Assistant kommuniziert. Shelly arbeitet vollständig über WLAN und bietet offene Schnittstellen (HTTP-API, MQTT). Dadurch lässt es sich direkt in Home Assistant, Node-RED, OpenHAB oder andere Systeme einbinden. Seit 2022 unterstützt Shelly auch Matter – der neue Smart-Home-Standard, der herstellerübergreifende Kompatibilität ermöglicht. Neuere Shelly-Modelle (Gen4) kombinieren WLAN mit ZigBee, Bluetooth und sogar Z-Wave-Long-Range. Das macht Shelly zu einem der flexibelsten Ökosysteme überhaupt. In Home Assistant lassen sich beide Systeme elegant zusammenführen. Homematic IP bindet man über das RaspberryMatic-Add-on ein, während Shelly-Geräte meist automatisch erkannt werden. So entsteht ein zentrales Dashboard, in dem Heizungssteuerung (Homematic) und Licht-/Energieverwaltung (Shelly) nahtlos zusammenarbeiten.
Einrichtung und Installation im Vergleich
Die Einrichtung beider Systeme unterscheidet sich deutlich. Homematic IP erfordert zunächst einen Access Point oder eine CCU3. Wer Home Assistant nutzt, kann auch auf RaspberryMatic setzen. Nach Installation des Add-ons und Einbindung des HmIP-Funkmoduls lassen sich Geräte wie Heizkörperthermostate, Fensterkontakte oder Bewegungsmelder direkt anlernen. Die Integration in Home Assistant erfolgt über die Homematic-Integration, bei der die IP-Adresse der CCU angegeben wird. Shelly ist deutlich schneller eingerichtet: Ein Shelly-Modul wird in die Unterputzdose montiert, mit Phase und Neutralleiter verbunden und startet im Konfigurationsmodus. Über die Shelly-App oder das Webinterface verbindet man das Gerät mit dem heimischen WLAN. Home Assistant erkennt die meisten Shelly-Geräte automatisch – alternativ lassen sie sich manuell hinzufügen. Der größte Unterschied liegt im Aufwand: Homematic IP ist eher ein geschlossenes, modulares System, das eine gewisse Einarbeitung erfordert. Shelly dagegen richtet sich an DIY-Fans, die schnell Ergebnisse sehen wollen – dafür muss das WLAN stabil und ausreichend abgedeckt sein.
Praktische Automatisierungen mit beiden Systemen
In meinem Smart Home laufen Homematic IP und Shelly Hand in Hand – gesteuert über Home Assistant. Das erlaubt Automatisierungen, die die Stärken beider Systeme kombinieren. Ein Klassiker ist die bewegungsgesteuerte Lichtsteuerung. Hier übernimmt ein Homematic IP Bewegungsmelder🛒 die Erkennung, während ein Shelly 1🛒 das Licht schaltet. Die Logik in Home Assistant lautet:
WENN Bewegung erkannt, DANN schalte Shelly 1🛒 EIN; WENN keine Bewegung mehr, DANN nach 2 Minuten AUS.
Ein weiteres Beispiel ist die Heizungssteuerung mit Fenster-Offen-Erkennung. Öffnet ein Homematic IP Fensterkontakt🛒 ein Fenster, wird das Homematic IP Heizkörperthermostat🛒 heruntergeregelt und ein Shelly 1PM🛒 (z. B. an einem Heizlüfter) ausgeschaltet. Sobald das Fenster geschlossen wird, kehrt das System in den Normalbetrieb zurück. Dank Home Assistant lassen sich diese Regeln beliebig erweitern – etwa durch Kombination mit Uhrzeiten, Außentemperaturen oder Energieverbrauchsdaten. So entsteht ein hochgradig personalisiertes Smart Home, das nicht nur reagiert, sondern vorausschauend agiert.
Kosten, Wartung und Betriebssicherheit
Bei den Kosten liegen die Systeme weit auseinander. Ein Homematic IP Access Point🛒 kostet rund €50, eine CCU3 etwa €200. Ein Heizkörperthermostat liegt bei ca. €60, Bewegungsmelder und Türkontakte zwischen €40 und €50. Dafür erhält man bewährte Qualität und hohe Sicherheit. Shelly ist deutlich günstiger: Ein Shelly 1🛒 kostet etwa €12–15, der Shelly 1PM🛒 mit Energiemessung rund €18, und der Shelly 2PM Gen4🛒 mit Matter-, ZigBee- und Bluetooth-Unterstützung etwa €39. Damit lassen sich viele klassische Aufgaben – Licht, Steckdosen, Rollläden – sehr kosteneffizient automatisieren. Für den Betrieb beider Systeme ist ein Home Assistant auf einem Raspberry Pi🛒 empfehlenswert (ca. €50–90). Damit lassen sich alle Geräte zentral verwalten, visualisieren und automatisieren. In puncto Wartung gilt: Homematic IP läuft stabil und wartungsarm, während Shelly-Geräte gelegentlich Firmware-Updates benötigen. Bei beiden Systemen sollte man auf eine saubere Netzwerkinfrastruktur achten – WLAN für Shelly, 868-MHz-Funk für Homematic.
Vor- und Nachteile beider Systeme
| Aspekt | Homematic IP | Shelly |
|---|---|---|
| Funktechnologie | 868 MHz (BidCoS, verschlüsselt) | WLAN, Matter, ZigBee, Bluetooth, Z-Wave LR |
| Cloud-Zwang | Nein (lokal möglich) | Nein (lokal per MQTT/API) |
| Integration | Über CCU/RaspberryMatic | Direkt via Home Assistant, MQTT oder API |
| Stärken | Zuverlässige Sensorik, Heizungssteuerung, Datenschutz | Günstig, offen, flexibel, Matter-fähig |
| Schwächen | Kein Matter, teurer, geschlossener | Abhängig von WLAN, komplex bei vielen Geräten |
In der Praxis spielt Homematic IP seine Stärken bei Sicherheits- und Heizungssteuerungen aus, während Shelly bei Schalt- und Energieanwendungen punktet. Die Kombination beider Systeme in Home Assistant ist aus meiner Sicht die flexibelste und zugleich zukunftssicherste Lösung.
Troubleshooting und Support im Alltag
In der Praxis läuft beides erstaunlich stabil – aber falls mal etwas hakt, gibt es typische Fehlerquellen. Shelly: Wenn ein Gerät nicht reagiert, liegt es oft am WLAN. Prüfe, ob das Gerät im gleichen 2,4-GHz-Netz wie Home Assistant ist. Ein Router-Neustart oder das Löschen des Geräts aus der App hilft oft. Auch IP-Konflikte im LAN können Probleme verursachen. Homematic IP: Bei Funkproblemen hilft oft ein Repeater. Achte darauf, dass die CCU korrekt läuft und der XML-RPC-Port offen ist (Standard 2001). Wenn ein Gerät sich nicht koppeln lässt, hilft ein Reset und erneutes Anlernen. Für beide Systeme lohnt ein Blick in die Log-Dateien von Home Assistant. Dort findet man meist schnell Hinweise auf Kommunikationsprobleme. Und falls gar nichts hilft: Die Communities zu Homematic, Shelly und Home Assistant sind sehr aktiv und hilfsbereit – gerade bei komplexeren Projekten.
Trends und Zukunftsaussichten
Der Smart-Home-Markt entwickelt sich rasant – und beide Hersteller reagieren darauf. Shelly treibt die Standardisierung voran: Mit Matter, ZigBee, Bluetooth und Z-Wave-Long-Range deckt das Ökosystem inzwischen fast alle relevanten Protokolle ab. Damit wird Shelly zu einer Art universellem Smart-Home-Baustein. Besonders spannend finde ich die Gen4-Serie, die Energiemessung, Dual-Channel-Schaltung und Multi-Protokoll-Unterstützung vereint. Homematic IP bleibt seiner Linie treu und konzentriert sich auf Zuverlässigkeit und Sicherheit. Neue Produkte – wie die auf der IFA 2024 vorgestellte Home Control Unit und das überarbeitete Heizkörperthermostat – zeigen, dass eQ-3 weiterhin auf langlebige, stabile Systeme setzt. Mit Home Assistant als Brücke lassen sich beide Welten optimal verbinden. Die aktuelle Version 2025.8 bringt sogar KI-gestützte Automatisierungen, was künftig noch mehr Komfort verspricht. Der Trend geht klar in Richtung lokaler, datenschutzfreundlicher und plattformoffener Smart-Home-Lösungen.
Nach vielen Jahren Smart-Home-Erfahrung und zahllosen Projekten bin ich zu einem klaren Fazit gekommen: Homematic IP und Shelly sind keine Konkurrenten – sie sind perfekte Partner. Homematic IP überzeugt mit Stabilität, Sicherheit und Präzision, während Shelly mit Flexibilität, Preis-Leistung und Zukunftsoffenheit punktet. Wer beide Systeme in Home Assistant vereint, erhält ein leistungsfähiges, lokales und individuell anpassbares Smart Home. Für mich ist das die ideale Kombination: deutsche Ingenieurskunst trifft auf offene WLAN-Innovation – und das Ergebnis ist ein Zuhause, das wirklich intelligent agiert.
Wenn du dein Smart Home auf das nächste Level bringen willst, kombiniere das Beste aus beiden Welten: Homematic IP für präzise Sensorik und Shelly für flexible Aktoren – alles zentral gesteuert über Home Assistant.










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