ICY Box NAS-Gehäuse im Praxistest: Günstige Alternative zu Synology und QNAP?
Ich erinnere mich noch an meinen ersten NAS-Aufbau vor gut 15 Jahren – ein alter PC mit zwei klappernden 500‑GB‑Platten und Samba-Freigabe. Heute ist das Thema NAS professioneller, vielseitiger und für Heimnutzer erschwinglicher denn je. Synology und QNAP dominieren den Markt mit ausgefeilten Komplettsystemen, doch nicht jeder braucht gleich die volle Funktionspalette. Genau hier wird es spannend: Die ICY Box NAS-Gehäuse📦 von RaidSonic versprechen eine günstige, modulare Alternative – weniger Komfort, aber deutlich mehr Freiheit. In meinem Test habe ich ein solches Gehäuse im Alltag ausprobiert, eingerichtet und auf Herz und Nieren geprüft. Das Ziel: Lässt sich mit einem ICY Box NAS im Heimbereich wirklich solide und sicher arbeiten, oder spart man am falschen Ende?
Hardware und Konzept: Was steckt in einem ICY Box NAS?
Die ICY Box NAS-Gehäuse📦 sind klassische Barebones – also Leergehäuse, in die der Nutzer selbst Festplatten einsetzt. RaidSonic, der deutsche Hersteller hinter der Marke, bietet Modelle mit 1 bis 4 Bays an. Ein Beispiel: das IB-NAS902. Es unterstützt SATA-Festplatten (2,5″ oder 3,5″), hat einen Gigabit-Ethernet-Port, USB-Anschlüsse und läuft mit einem schlanken Linux-basierten System. Im Gegensatz zu Synology oder QNAP, die proprietäre Betriebssysteme mit App-Stores und umfangreichen Cloud-Integrationen liefern, konzentriert sich ICY Box auf das Wesentliche: Dateifreigaben, FTP, Medienstreaming und einfache Benutzerverwaltung. Damit spricht die ICY Box klar die technikaffine Zielgruppe an, die lieber selbst bestimmt, welche Festplatten sie einbaut und welche Software läuft. Besonders interessant: Es gibt keine Herstellerbindung bei den Laufwerken – jede SATA‑HDD oder SSD funktioniert, egal ob WD Red🛒, Seagate IronWolf📦 oder SanDisk SSD📦. Damit umgeht man elegant die neuen Lizenzrestriktionen, die Synology bei manchen Modellen eingeführt hatte. Ein solches Gehäuse ist ideal, wenn man ein kompaktes, stromsparendes NAS möchte, ohne gleich in ein proprietäres Ökosystem einzutreten. Allerdings muss man sich im Klaren sein, dass man Abstriche bei der Softwarekomplexität macht – hier zählt Funktion vor Komfort.
Einrichtung und Installation im Praxischeck
Die Einrichtung eines ICY Box NAS ist angenehm unkompliziert – vorausgesetzt, man weiß, wie man mit einem Router und IP-Adressen umgeht. Ich habe das IB-NAS902 getestet und dabei folgende Schritte durchlaufen:
- Festplatten einbauen: Das Gehäuse öffnen, 3,5″‑HDDs (in meinem Fall zwei WD Red🛒 mit je 4 TB) montieren und wieder verschließen.
- Netzwerk anschließen: Ethernetkabel an den Router, Netzteil einstecken, Power-Button drücken.
- IP-Adresse finden: Das NAS bezieht per DHCP eine Adresse vom Router. Alternativ funktioniert
http://169.254.0.1als Fallback-IP bei direkter Verbindung. - Ersteinrichtung im Browser: Über die Weboberfläche vergibt man ein Admin-Passwort, formatiert die Laufwerke und legt ein RAID an – in meinem Fall
RAID 1für Spiegelung. - Freigaben erstellen: Unter Shares und Users definiert man die Ordnerstruktur und Benutzerrechte.
- Clients verbinden: Unter Windows einfach
\\NAS-Nameeingeben, unter macOSsmb://IP-Adresseim Finder.
Optional lassen sich Dienste wie FTP oder DLNA aktivieren. Besonders praktisch: Der integrierte UPnP-Server erlaubt das Streamen von Musik und Videos auf Smart-TVs oder Konsolen. In meinem Test funktionierte das Streamen von MP3s auf eine Xbox problemlos. Was auffällt: Die Weboberfläche ist schlicht, aber funktional. Kein grafisches Dashboard wie bei Synology, aber alle nötigen Funktionen sind da. Für Bastler und Minimalisten völlig ausreichend.
Praktische Einsatzszenarien: Vom Backup bis zum Medienserver
Ein NAS ist nur so gut wie seine Anwendung. Zwei typische Projekte zeigen, was man mit einem ICY Box NAS im Alltag anfangen kann:
1. NAS als zentrales Backup-System
- Zwei identische HDDs einbauen und im Webinterface
RAID 1aktivieren – jede Datei wird automatisch gespiegelt. - Einen Ordner Backup anlegen und nur für bestimmte Nutzer freigeben.
- Das Netzlaufwerk auf dem PC einbinden (z. B.
Z:\). - Regelmäßige Sicherung mit
Robocopyoder Windows Backup einrichten.
Im Netzwerk werden die Daten direkt über SMB auf das NAS geschrieben. Bei RAID 1 wird alles parallel auf beide Platten kopiert – Redundanz pur. So bleibt das Backup lokal, sicher und unabhängig von Cloud-Anbietern.
2. Home-Medienserver mit UPnP/DLNA
- Einen Ordner Media erstellen und im NAS als UPnP-Freigabe markieren.
- Musik und Filme hochladen.
- UPnP aktivieren und auf dem Smart-TV das NAS als Quelle auswählen.
Ich habe das mit einem LG‑TV getestet: Das NAS erschien sofort in der Geräteliste, und selbst 1080p‑Videos liefen flüssig – vorausgesetzt, das Netzwerk ist per Kabel angebunden. WLAN kann hier schnell zum Flaschenhals werden. Beide Szenarien zeigen: Auch ohne App-Ökosystem lässt sich mit der ICY Box eine solide Heimdatenzentrale aufbauen, die genau das tut, was sie soll – speichern, streamen, sichern.
Kosten, Leistung und Wirtschaftlichkeit
Der größte Pluspunkt der ICY Box ist der Preis. Ein 2‑Bay‑NAS‑Gehäuse liegt bei rund 150 €, ein 4‑Bay‑Modell bei etwa 250 €. Dazu kommen die Festplatten – z. B. zwei WD Red🛒 4 TB für je ca. 80 €. Damit landet man bei knapp 460 € für ein 4‑Bay‑System mit 8 TB RAID‑1‑Kapazität. Zum Vergleich: Eine Synology DS220+ liegt ohne Laufwerke schon bei etwa demselben Preis. Der Stromverbrauch ist angenehm niedrig. Im 24/7‑Betrieb zieht das NAS etwa 10–20 W, also rund 100–150 kWh im Jahr. Das entspricht grob 20 € Stromkosten – ein fairer Preis für ständigen Zugriff auf die eigenen Daten. Natürlich fehlt es an Komfortfunktionen: keine automatischen Cloud‑Syncs, keine Mobile‑App, kein App‑Store. Aber dafür ist das System offen, upgradefähig und nicht an teure Zubehörteile gebunden. Für Anwender, die ohnehin lieber manuell konfigurieren, ist das ein Vorteil.
Vor- und Nachteile im Überblick
| Vorteile | Nachteile |
|---|---|
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Für mich persönlich ist das größte Plus die Freiheit: Ich entscheide, welche Festplatten, welches Dateisystem und welche Dienste laufen. Wer allerdings Wert auf Komfort legt – z. B. automatische Foto‑Backups vom Smartphone oder Cloud‑Sync – wird mit einem ICY Box NAS nicht glücklich.
Troubleshooting und Support-Tipps
Auch ein einfaches NAS kann zicken – hier einige typische Fälle aus meinem Test:
- Kein Zugriff im Netzwerk: Prüfen, ob Router und NAS im selben Subnetz sind. Wenn DHCP nicht greift, hilft die Notfall-IP
169.254.0.1. - Platte wird nicht erkannt: SATA‑Kabel prüfen, Platten neu einsetzen, ggf. über PC testen.
- Langsame Performance: Immer kabelgebunden arbeiten, 100 Mbit‑Ports vermeiden.
- Firmware-Update: Auf der RaidSonic‑Website nach neuer Version suchen und manuell einspielen.
Ein kleiner Tipp aus Erfahrung: Wenn man die Firmware einmal sauber eingerichtet hat, läuft das System erstaunlich stabil. Ich hatte das NAS über Wochen im Dauerbetrieb ohne einen einzigen Hänger.
Ausblick: Wohin entwickeln sich NAS-Systeme?
Die NAS‑Landschaft verändert sich rasant. Während klassische Hersteller wie Synology und QNAP in Richtung Cloud‑Integration und Container‑Virtualisierung gehen, punkten offene Systeme durch Flexibilität. Gleichzeitig steigen die Speichergrößen dramatisch: HDDs mit 40 TB sind für 2026 angekündigt, SSDs mit 512 TB in Planung. Für Heimanwender heißt das: Ein einfaches 2‑Bay‑NAS wie die ICY Box kann bald mehrere Hundert Terabyte an Daten beherbergen. Auch Netzwerktechnik entwickelt sich weiter – 2,5‑ und 10‑Gbit‑Switches werden günstiger, wodurch selbst einfache Systeme wie das IB‑NAS902 künftig von schnelleren Backups profitieren. Wer möchte, kann die ICY Box später mit Software wie OpenMediaVault oder TrueNAS erweitern – der offene Linux‑Unterbau macht das möglich. Kurzum: Die ICY Box ist keine Konkurrenz zur DS‑Serie von Synology, sondern eine flexible Basis für alle, die selbst Hand anlegen und verstehen wollen, was ihr NAS eigentlich tut.
Nach einigen Wochen im Einsatz bleibt mein Fazit klar: ICY Box NAS-Gehäuse📦 sind kein Ersatz für Synology oder QNAP – aber eine ehrliche, robuste Alternative für Tüftler, Admins und alle, die lieber selbst konfigurieren. Wer ein minimalistisches, offenes NAS sucht, das zuverlässig Dateien bereitstellt und Backups verwaltet, bekommt hier erstaunlich viel fürs Geld. Komfortfunktionen fehlen, aber dafür gibt es keine Einschränkungen bei Hardware oder Software. Für mich ist das IB‑NAS902 ein Stück digitale Selbstbestimmung – ein kleiner Server, der tut, was er soll, und mich an die Wurzeln des Heimnetz‑Bastelns erinnert.
Du überlegst, ein eigenes NAS aufzubauen? Schau dir die ICY Box Modelle an und entscheide selbst, ob dir Offenheit wichtiger ist als App‑Komfort – dein Netzwerk, deine Regeln.










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