Shelly vs. Homematic IP: Welche Smart-Home-Lösung passt zu Ihnen?

Wenn man – so wie ich – sein Zuhause Schritt für Schritt in ein vollwertiges Smart Home verwandelt, steht man irgendwann vor einer entscheidenden Frage: Welches System bildet das Rückgrat der Hausautomation? In meinem Fall standen zwei Kandidaten im Fokus: Shelly und Homematic IP. Beide Systeme habe ich über die letzten Jahre intensiv im Einsatz getestet – sowohl im Alltag als auch bei Projekten rund um Licht, Heizung und Rollläden. Der Unterschied zeigt sich schnell: Shelly setzt auf WLAN und flexible Integration, während Homematic IP mit einem eigenen Funk- und Bus-System auf Stabilität und Gebäudetechnik setzt. Doch welches System ist das richtige für dich? In diesem Beitrag vergleiche ich beide Plattformen aus der Praxis: Einrichtung, Zuverlässigkeit, Kosten und Integration in Home Assistant. Ziel ist, dass du am Ende klar einschätzen kannst, welches System besser zu deinem Smart-Home-Stil passt – ob du Bastler bist oder lieber eine solide, wartungsarme Lösung suchst.

Technische Grundlagen und Systemarchitektur

Bevor wir in die Praxis eintauchen, lohnt sich ein Blick auf die technische Basis beider Systeme. Denn schon hier zeigt sich, wie unterschiedlich Shelly und Homematic IP konzipiert sind. Shelly arbeitet vollständig WLAN-basiert. Jedes Modul – ob Schalter, Dimmer oder Relais – verbindet sich direkt mit dem heimischen Netzwerk. Die Kommunikation läuft über HTTP oder MQTT, was Shelly besonders offen und flexibel macht. Die Geräte sind günstig (meist 10–25 €) und funktionieren lokal ohne Cloud. Das bedeutet: keine Abhängigkeit vom Internet, volle Kontrolle über die Daten. Homematic IP hingegen setzt auf 868 MHz Funk oder – in der Wired-Variante – auf ein busbasiertes System. Hier ist immer eine Zentrale im Spiel: die CCU oder der Homematic IP Access Point🛒. Diese übernimmt die Kommunikation zwischen den Geräten und ermöglicht komplexe Automatisierungen. Preislich liegen Homematic-Komponenten meist zwischen 50 und 80 €. Dafür bekommt man eine industrietaugliche Stabilität, die gerade in größeren Installationen ihre Stärken ausspielt. Das Zusammenspiel mit Home Assistant ist bei beiden hervorragend gelöst. Shelly-Geräte werden über die native Integration automatisch erkannt, Homematic IP erfordert die Kopplung mit der CCU oder Bridge. Danach stehen alle Entitäten – von Licht bis Rollladen – direkt zur Verfügung.

Einrichtung und Integration in Home Assistant

In der Praxis zeigt sich schnell, dass Shelly den Einstieg leichter macht. Die Module sind klein, günstig und schnell eingebunden. Nach der Installation in der Schalterdose verbinden sie sich mit dem WLAN, und Home Assistant findet sie automatisch über die Shelly-Integration. Innerhalb weniger Minuten lassen sich Lichter, Steckdosen oder Rollläden schalten. Bei Homematic IP ist die Einrichtung etwas aufwendiger, aber strukturierter. Zuerst müssen die Geräte an der Zentrale (CCU oder Access Point) angelernt werden. Danach erfolgt die Integration in Home Assistant über die Homematic-IP-Integration, bei der man die IP der Zentrale angibt. Die Entitäten erscheinen dann automatisch – etwa cover.rolladen_schlafzimmer oder climate.heizung_wohnzimmer. Ein großer Pluspunkt bei Homematic: Die Geräte kommunizieren auch ohne Home Assistant zuverlässig weiter, da die Logik in der Zentrale liegt. Shelly ist dagegen stärker auf die Steuerungsplattform angewiesen – fällt das WLAN aus, bleibt die Schaltlogik inaktiv. In beiden Fällen lassen sich Sprachbefehle über Home Assistant Assist oder Alexa/Google (via Nabu Casa) nutzen. Besonders spannend finde ich die Möglichkeit, eigene Sprachbefehle mit Variablen zu definieren – etwa „Setze Wohnzimmerlicht auf {helligkeit} Prozent“. Damit lassen sich Werte wie Helligkeit oder Rollladenposition dynamisch übergeben. Das funktioniert sowohl mit Shelly-Dimmern als auch mit Homematic-Rollladenaktoren hervorragend.

Kosten, Zuverlässigkeit und Wartungsaufwand im Vergleich

Bei der Kostenfrage trennen sich die Wege deutlich. Shelly punktet mit einem unschlagbaren Preis-Leistungs-Verhältnis. Ein Shelly 1🛒 kostet rund 10 €, ein Shelly Dimmer 2🛒 etwa 25 €. Für kleine bis mittlere Projekte, bei denen man nur wenige Schaltpunkte automatisieren möchte, ist Shelly ideal. Homematic IP bewegt sich preislich in einer anderen Liga: Thermostate, Rollladenaktoren oder Sensoren liegen meist zwischen 50 und 80 €. Hinzu kommt die Zentrale, die als Steuerungseinheit fungiert. Dafür bekommt man ein System, das extrem robust, erweiterbar und ausfallsicher ist – auch bei hunderten Geräten. Was die Zuverlässigkeit betrifft, hängt vieles von der Infrastruktur ab. WLAN kann in großen Häusern oder bei vielen Geräten schnell an seine Grenzen stoßen. Homematic IP Wired oder Funk arbeiten hier stabiler, da sie unabhängig vom WLAN laufen. In meinem Setup nutze ich Shelly für flexible Nachrüstungen (z. B. Gartenbeleuchtung) und Homematic IP Wired für alle zentralen Hausfunktionen – eine Kombination, die sich bewährt hat. Beim Wartungsaufwand gilt: Shelly erfordert gelegentlich Firmware-Updates und Netzwerkpflege. Homematic IP dagegen läuft – einmal eingerichtet – oft jahrelang störungsfrei weiter. Für Bastler ist Shelly spannender, für Perfektionisten und Langzeitnutzer eher Homematic.

Praktische Beispiele: Sprachgesteuertes Licht und Rollläden

Um die Unterschiede greifbar zu machen, habe ich zwei kleine Projekte umgesetzt – eines mit Shelly, eines mit Homematic IP. Beide nutzen Home Assistant Assist als Sprachsteuerung.

Shelly-Dimmer: Sprachgesteuertes Licht mit variabler Helligkeit

In diesem Beispiel wird ein Shelly Dimmer🛒 mit einer LED-Lampe verbunden. Über den Sprachbefehl „Setze Wohnzimmerlicht auf 50 Prozent“ lässt sich die Helligkeit präzise einstellen. Die Umsetzung dauert rund 60 Minuten:

  • Shelly-Dimmer installieren und ins WLAN einbinden.
  • In Home Assistant über die Shelly-Integration hinzufügen (erscheint z. B. als light.wohnzimmer).
  • Custom Sentence anlegen: „Setze Wohnzimmerlicht auf {helligkeit} Prozent“.
  • Automation mit dem Auslöser „Sprach-Intent“ erstellen und die Variable {{ trigger.slots.helligkeit }} nutzen.

Homematic IP-Rollladenaktor🛒: Sprachgesteuerte Position

Hier kommt ein Homematic IP-Rollladenaktor🛒 zum Einsatz. Der Sprachbefehl „Schlafzimmer-Rollladen auf 30 Prozent“ fährt den Rollladen auf die gewünschte Position.

  • Aktor an der CCU anmelden und in Home Assistant integrieren.
  • Custom Sentence: „Stelle Rollladen im Schlafzimmer auf {position} Prozent“.
  • Automation mit cover.set_cover_position und Parameter {{ trigger.slots.position }}.

Beide Projekte zeigen, wie einfach sich Sprachsteuerung mit Home Assistant und den richtigen Aktoren realisieren lässt – egal ob WLAN oder Funk.

Fazit: Welche Lösung passt zu welchem Anwender?

Wenn du ein technisch versierter Bastler bist, der gerne experimentiert und bestehende Installationen flexibel erweitern möchte, wirst du mit Shelly glücklich. Die Module sind günstig, vielseitig und sofort einsatzbereit. Du kannst schnell Ergebnisse erzielen und dein System nach Belieben anpassen. Wenn du hingegen ein stabiles, professionelles System suchst, das langfristig zuverlässig läuft und sich perfekt in Gebäudetechnik integrieren lässt, dann ist Homematic IP die bessere Wahl. Besonders in Kombination mit der Wired-Variante und Home Assistant entsteht ein System, das kaum Wünsche offenlässt. Ich persönlich nutze beide Welten: Shelly für schnelle Nachrüstungen und Homematic IP Wired für die zentrale Hausautomation. Diese Kombination bringt das Beste aus beiden Ansätzen zusammen – Flexibilität und Stabilität. Letztlich hängt die Entscheidung davon ab, wie tief du in die Smart-Home-Welt eintauchen möchtest und ob du lieber schraubst oder einfach nur möchtest, dass alles zuverlässig funktioniert.

Beide Systeme – Shelly und Homematic IP – haben ihre Daseinsberechtigung und ergänzen sich hervorragend. Während Shelly mit Offenheit, Preis und einfacher Integration punktet, überzeugt Homematic IP mit Stabilität und professioneller Architektur. Mit Home Assistant als Zentrale lassen sich beide Systeme optimal kombinieren. Für mich ist das die perfekte Lösung: Shelly für schnelle DIY-Projekte, Homematic IP für alles, was dauerhaft und ausfallsicher laufen soll. So entsteht ein Smart Home, das nicht nur funktioniert, sondern sich auch anfühlt wie aus einem Guss.

Hast du bereits Erfahrungen mit Shelly oder Homematic IP gesammelt? Teile deine Meinung und Setups in den Kommentaren – ich freue mich auf den Austausch und neue Ideen aus der Community!

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