Home Assistant Automationen mit Gerätezuständen: Wenn die Waschmaschine fertig ist

Wer kennt es nicht: Man startet die Waschmaschine, geht seiner Wege – und Stunden später fällt einem ein, dass die Wäsche längst fertig ist und inzwischen muffig wird. Genau hier kommt das Smart Home ins Spiel. In meinem eigenen Setup wollte ich dieses kleine Alltagsproblem elegant lösen – ganz ohne zusätzliche Sensoren oder Bastellösungen. Der Schlüssel liegt im Stromverbrauch. Mit einem intelligenten Zwischenstecker wie dem Shelly Plug S📦 oder einer Homematic IP Schaltsteckdose📦 lässt sich der Status der Waschmaschine zuverlässig erfassen. In Kombination mit Home Assistant kann man dann automatisiert eine Benachrichtigung erhalten, sobald der Waschgang beendet ist. In diesem Artikel zeige ich dir Schritt für Schritt, wie du genau das umsetzt – inklusive Einrichtung, Automatisierungslogik und Tipps aus der Praxis.

Benötigte Hardware und Grundlagen

Für diese Art der Automation brauchst du im Prinzip nur zwei Komponenten: eine intelligente Steckdose mit Leistungsmessung und deinen Home Assistant. Ich selbst nutze seit Jahren den Shelly Plug S📦 – ein kompakter WLAN-Zwischenstecker mit integrierter Verbrauchsmessung. Alternativ funktioniert das Ganze auch mit einer Homematic IP Schaltsteckdose📦 mit Messfunktion. Shelly Plug S📦: Diese Steckdose misst den Energieverbrauch in Echtzeit und überträgt die Werte per WLAN direkt an Home Assistant. Sie benötigt kein Gateway und kann lokal betrieben werden. Shelly-Geräte lassen sich über CoIoT oder MQTT einbinden, was für schnelle und zuverlässige Statusupdates sorgt. Homematic IP Schaltsteckdose📦: Diese Variante arbeitet über Funk (868 MHz) und benötigt eine Zentrale wie die CCU oder den Homematic IP Access Point. Dafür läuft sie komplett lokal und ist besonders stabil im Dauerbetrieb. Der gemessene Stromverbrauch ist der Indikator für den Zustand der Waschmaschine: Läuft sie, liegt der Verbrauch über einem bestimmten Schwellenwert; ist sie fertig, fällt er deutlich ab. Diese Logik bildet die Basis für unsere Automatisierungen.

Gerät Kommunikation Messfunktion Preis (ca.)
Shelly Plug S📦 WLAN (2,4 GHz) Ja, Echtzeit 20–25 €
Homematic IP Steckdose📦 868 MHz Funk Ja, Echtzeit 35–45 €

Einrichtung und Integration in Home Assistant

Die Einrichtung ist schnell erledigt, wenn man weiß, worauf zu achten ist. Ich zeige dir den Ablauf für den Shelly Plug S📦 – die Homematic-Variante läuft analog, nur mit anderer Integration.

  1. Shelly Plug einrichten: Stecke den Plug in die Steckdose, starte die Shelly-App und füge das Gerät hinzu. Verbinde es mit deinem WLAN (2,4 GHz) und gib ihm einen passenden Namen, z.B. „Waschmaschine“.
  2. Integration in Home Assistant: Öffne Home Assistant, gehe zu Einstellungen → Geräte & Dienste und füge die Integration „Shelly“ hinzu. Wird der Plug automatisch erkannt, kannst du ihn direkt einbinden. Alternativ gibst du die IP-Adresse manuell an.
  3. CoIoT aktivieren: Damit Home Assistant aktuelle Leistungswerte zuverlässig empfängt, aktiviere im Shelly-Webinterface unter Internet & Sicherheit → Advanced → CoIoT den CoIoT-Mode und trage die IP-Adresse deines Home Assistant-Servers (Port 5683) ein.
  4. Testlauf: Unter Geräte sollte nun ein Sensor wie sensor.waschmaschine_power sichtbar sein. Starte kurz die Maschine und prüfe, ob der Verbrauch korrekt angezeigt wird.

Bei der Homematic-Variante gehst du ähnlich vor: Gerät in der Homematic-App einbinden, in Home Assistant über die Homematic-Integration hinzufügen und prüfen, ob der Leistungssensor korrekt Werte liefert.

Automatisierungslogik: Wenn-Dann in der Praxis

Die Logik hinter der Automation ist simpel, aber wirkungsvoll. Ich arbeite gerne mit einem Helfer-Objekt in Home Assistant, das sich den Zustand der Waschmaschine merkt.

  1. Start-Erkennung: Wenn der Leistungswert für eine bestimmte Zeit über einem definierten Schwellenwert liegt (z. B. 30 W für mindestens eine Minute), wird der Helfer input_boolean.waschmaschine_laeuft auf an gesetzt. Damit weiß das System: Der Waschgang läuft.
  2. Ende-Erkennung: Wenn die Leistung unter einen Minimalwert fällt (z. B. unter 5 W für 2 Minuten) und der Helfer aktiv ist, sendet Home Assistant eine Benachrichtigung und setzt den Helfer wieder auf aus.

Diese zweistufige Logik verhindert Fehlalarme und Doppelmeldungen. Besonders praktisch: Du kannst die Benachrichtigung flexibel gestalten – per Push auf dein Smartphone, über Alexa/Google Home oder sogar per Sprachausgabe auf einem Nest-Lautsprecher.

Pro-Tipp: Die genauen Schwellenwerte hängen von deiner Waschmaschine ab. Miss am besten einmal den typischen Verbrauch im Standby und im Betrieb, um realistische Grenzen zu setzen.

Projektbeispiel: Waschmaschinen-Alarm mit Shelly Plug S📦

Ein konkretes Beispiel zeigt, wie einfach die Umsetzung ist:

  1. Vorbereitung: Shelly Plug S📦 ist eingebunden, Entität sensor.waschmaschine_power vorhanden.
  2. Helfer anlegen: Erstelle unter Einstellungen → Helfer einen neuen Schalter input_boolean.waschmaschine_laeuft.
  3. Automation 1 – Start: Trigger: Wenn sensor.waschmaschine_power über 30 W steigt (für 1 Minute). Bedingung: Helfer ist aus. Aktion: Helfer auf an setzen.
  4. Automation 2 – Ende: Trigger: Wenn der Wert unter 5 W fällt (für 2 Minuten). Bedingung: Helfer ist an. Aktionen: Push-Benachrichtigung „Waschgang beendet“ und Helfer auf aus setzen.

In meinem Haushalt hat sich diese Kombination als absolut zuverlässig erwiesen. Ich bekomme die Nachricht wenige Minuten nach Ende des Programms – ganz ohne Cloud, direkt aus meinem lokalen Netzwerk. Wenn du lieber auf Homematic setzt, kannst du exakt dieselbe Logik mit dem HMIP-PSM umsetzen. Die Schwellenwerte können leicht abweichen (z. B. 50 W für Start, 5 W für Ende).

Optimierung und Fehlersuche

Gerade bei Automationen auf Basis von Verbrauchsdaten lohnt sich Feintuning. Ich habe über die Zeit ein paar Punkte gelernt, die dir helfen können:

  • Stabile Updates: Aktiviere bei Shelly-Geräten unbedingt CoIoT. Nur so kommen Echtzeitmeldungen zuverlässig an.
  • Schwellenwerte anpassen: Jede Waschmaschine verhält sich anders. Verwende in Home Assistant Auslösebedingungen mit Zeitverzögerung (z. B. „für 2 Minuten unter 5 W“), um kurze Pausen im Waschgang zu ignorieren.
  • Benachrichtigungen prüfen: Stelle sicher, dass der mobile Benachrichtigungsdienst aktiv ist. In der Home Assistant App kannst du Testnachrichten senden.
  • Logs lesen: Wenn eine Automation nicht auslöst, hilft ein Blick in die Home Assistant Logs. Oft sind es Tippfehler bei Entitätsnamen oder falsche Bedingungen.

Wenn du Homematic nutzt, achte auf eine stabile Verbindung zur Zentrale (CCU oder Access Point). Funkstörungen oder Reboots können zu verzögerten Messwerten führen. In der Praxis sind Homematic-Komponenten aber sehr zuverlässig, wenn das System einmal sauber läuft.

Kosten, Vor- und Nachteile

Ein solches Projekt ist nicht nur praktisch, sondern auch günstig umzusetzen. Kostenübersicht:

Vorteile:

  • Einfache Nachrüstung ohne Eingriff in die Maschine
  • Lokale Verarbeitung – kein Cloud-Zwang
  • Flexible Benachrichtigungen (Push, Sprachausgabe, etc.)
  • Günstige Hardware und hohe Kompatibilität

Nachteile:

  • Schwellenwerte müssen individuell abgestimmt werden
  • WLAN- oder Funkverbindung muss stabil sein
  • Bei Shelly im reinen lokalen Betrieb eingeschränkte Sprachassistenten-Funktion

Unterm Strich überwiegen für mich die Vorteile deutlich. Es ist eine kleine, aber sehr komfortable Erweiterung im Alltag.

Ausblick: Neue Generationen und Standards

Der Smart-Home-Markt bleibt in Bewegung. Shelly hat für 2025 die neue Plug Gen4-Serie angekündigt, die neben WLAN auch Zigbee und Matter unterstützt. Damit werden Automationen künftig noch universeller. Auch Homematic IP entwickelt sich weiter: Die neue Home Control Unit mit EEBUS-Schnittstelle verknüpft Energiemanagement, PV-Anlagen und Verbrauchergeräte. Home Assistant selbst erweitert kontinuierlich seine Blueprints und Automationsfunktionen. Besonders spannend sind die neuen Appliance Notifications & Actions-Blueprints, die Waschmaschinen-, Trockner- oder Geschirrspüler-Automationen bereits fertig vorkonfiguriert anbieten. Wer tiefer einsteigen möchte, kann diese Vorlagen anpassen und um eigene Aktionen ergänzen – etwa eine TTS-Durchsage oder Lichtsignal beim Programmende.

Die Automation „Waschmaschine fertig“ ist ein Paradebeispiel dafür, wie man mit wenig Aufwand echten Komfort in den Alltag bringt. Ein smarter Zwischenstecker, etwas Logik in Home Assistant – und schon erinnert dich dein Smart Home zuverlässig daran, die Wäsche aufzuhängen. Ich selbst nutze diese Lösung seit Jahren und möchte sie nicht mehr missen. Sie läuft stabil, lokal und ohne Cloud-Abhängigkeit. Besonders schön: Das Prinzip lässt sich leicht auf andere Geräte übertragen – etwa den Trockner oder die Spülmaschine. Wer einmal damit anfängt, entdeckt schnell, wie viel Potenzial in solchen kleinen Automationen steckt.

Hast du ähnliche Projekte umgesetzt oder willst deine eigene Waschmaschinen-Automation teilen? Schreib mir gern in die Kommentare oder schau auf technikkram.net vorbei – dort findest du noch viele weitere DIY-Smart-Home-Ideen.

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