Shelly Plug S vs. Homematic IP: Der ultimative Vergleich für Smart Home Enthusiasten

Wenn du – so wie ich – deine Waschmaschine schon einmal vergessen hast, bis sie nach Stunden piepend in der Waschküche stand, dann weißt du, wie wertvoll eine smarte Steckdose sein kann. Für mich war das der Einstieg in die Welt der intelligenten Energieüberwachung. Zwei Systeme haben sich dabei besonders bewährt: der Shelly Plug S📦 und die Homematic IP Schaltsteckdose📦. Beide messen den Stromverbrauch, beide können automatisiert werden – aber sie unterscheiden sich deutlich in Technik, Integration und Philosophie. In diesem Artikel nehme ich beide Systeme genau unter die Lupe, vergleiche Funktionsweise, Einrichtung, Zuverlässigkeit und Kosten und zeige dir, welches System in welchem Szenario wirklich Sinn ergibt.

Technische Grundlagen und Unterschiede

Beide Systeme – Shelly Plug S📦 und Homematic IP Schaltsteckdose📦 – verfolgen das gleiche Ziel: elektrische Verbraucher schalten und deren Energieverbrauch erfassen. Doch die technische Umsetzung unterscheidet sich grundlegend. Der Shelly Plug S📦 nutzt WLAN (2,4 GHz) zur Kommunikation. Das bedeutet: kein zusätzlicher Hub, keine Zentrale – du steckst ihn einfach in die Steckdose, verbindest ihn mit deinem WLAN und steuerst ihn direkt über die Shelly-App oder deinen Home Assistant. Der integrierte Leistungssensor misst den Stromverbrauch in Echtzeit und überträgt die Werte direkt an dein Smart Home-System. Dank MQTT, CoIoT oder HTTP-Integration ist der Shelly besonders flexibel. Die Homematic IP Schaltsteckdose📦 hingegen kommuniziert über das 868-MHz-Funkband – ein proprietäres Protokoll, das eine Homematic IP Zentrale (Access Point oder CCU) benötigt. Diese übernimmt die Verwaltung und Weiterleitung der Daten. Der Vorteil: das 868-MHz-Band ist störungsärmer als WLAN, was die Zuverlässigkeit erhöht, besonders in Umgebungen mit vielen Funknetzen. Allerdings ist die Einstiegshürde höher, da ohne Zentrale kein Betrieb möglich ist.

Merkmal Shelly Plug S📦 Homematic IP Steckdose📦
Kommunikation WLAN (2,4 GHz) 868 MHz Funk
Zentrale erforderlich Nein Ja (Access Point oder CCU)
Integration in Home Assistant CoIoT / MQTT / HTTP Homematic-Integration über CCU/Homegear
Preisniveau ca. 20–25 € ca. 35–45 €
Cloud-Unabhängigkeit Optional Standardmäßig lokal

In der Praxis bedeutet das: Shelly ist flexibler und schneller einsatzbereit, während Homematic IP langfristig stabiler und besser in größere, zentral verwaltete Systeme integrierbar ist.

Einrichtung und Integration in Home Assistant

Bei der Einrichtung zeigt sich der Unterschied zwischen Plug-and-Play und Systemintegration besonders deutlich.

Shelly Plug S📦 Einrichtung

Die Inbetriebnahme des Shelly Plug S📦 ist typisch für WLAN-Geräte: einstecken, in der Shelly-App hinzufügen, mit dem heimischen WLAN verbinden – fertig. In Home Assistant wird das Gerät automatisch erkannt oder kann manuell über IP und Port eingebunden werden. Wichtig ist, im Webinterface den CoIoT-Modus zu aktivieren und den Home Assistant als Peer einzutragen, um Echtzeit-Updates zu ermöglichen.

Homematic IP Steckdose📦 Einrichtung

Bei Homematic IP läuft die Einrichtung über den Access Point oder die CCU. Erst danach wird das Gerät über die Homematic-Integration in Home Assistant eingebunden. Das System erkennt die Schalt- und Messfunktionen automatisch, allerdings ist der Weg dorthin etwas komplexer. Dafür erhält man eine robuste, lokale Kommunikation, die unabhängig vom WLAN funktioniert. In meinem Test war der Shelly innerhalb von fünf Minuten eingebunden, während die Homematic-Variante etwa 20 Minuten benötigte – inklusive Koppeln, Firmware-Check und CCU-Integration. Dieser Unterschied zeigt: Shelly punktet in Sachen Geschwindigkeit und Einfachheit, Homematic IP hingegen bei Stabilität und Systemtiefe.

Praxisprojekte im Vergleich: Waschmaschinen-Alarm

Ein Klassiker unter den Smart-Home-Projekten ist der Waschmaschinen-Alarm. Beide Systeme eignen sich hervorragend, um den Verbrauch der Waschmaschine zu messen und eine Benachrichtigung zu senden, sobald der Waschgang beendet ist.

Projekt 1: Shelly Plug S📦

1. Shelly Plug S📦 einrichten und in Home Assistant integrieren. 2. Einen Helfer (input_boolean.waschmaschine_laeuft) anlegen. 3. Erste Automation: Wenn der Verbrauch über 30 W steigt → Helfer auf „an“ setzen. 4. Zweite Automation: Wenn der Verbrauch unter 5 W fällt → Nachricht senden und Helfer auf „aus“ setzen. Der Vorteil: Dank der CoIoT-Integration werden Leistungsänderungen nahezu in Echtzeit gemeldet, sodass Benachrichtigungen schnell und zuverlässig erfolgen.

Projekt 2: Homematic IP Steckdose📦

1. Homematic IP Steckdose📦 über Access Point/CCU einbinden. 2. Energiemesswert in Home Assistant verfügbar machen. 3. Zwei Automationen anlegen (analog zu Shelly), aber mit etwas höheren Schwellenwerten (z.B. Start > 50 W, Ende < 5 W). 4. Benachrichtigung senden, sobald der Wert dauerhaft unter die Schwelle fällt. Die Homematic-Lösung arbeitet sehr stabil, da sie unabhängig vom WLAN ist. In meinem Setup liefen beide Varianten zuverlässig – Shelly reagierte minimal schneller, Homematic IP dafür konstanter über längere Zeiträume.

Kosten, Zuverlässigkeit und Datenschutz

Beim Preis liegt der Unterschied klar auf der Hand: Der Shelly Plug S📦 kostet rund 20–25 €, während eine Homematic IP Steckdose📦 etwa 35–45 € kostet – dazu kommt noch die Zentrale, falls sie nicht bereits vorhanden ist. In puncto Zuverlässigkeit hängt Shelly stark von der WLAN-Abdeckung ab. In einem stabilen Heimnetz läuft er einwandfrei, bei schwachem Signal oder überlastetem Router kann es zu Verzögerungen kommen. Homematic IP arbeitet im 868-MHz-Band und ist daher weniger störanfällig. Gerade in Häusern mit dicken Wänden oder vielen Geräten kann das ein echter Vorteil sein. Beim Datenschutz bieten beide Systeme lokale Steuerungsmöglichkeiten. Shelly kann komplett ohne Cloud betrieben werden (z.B. über Home Assistant), während Homematic IP ohnehin primär lokal arbeitet. Wer seine Daten lieber im eigenen Netz hält, ist mit beiden Systemen gut bedient – allerdings punktet Shelly durch seine Flexibilität zwischen Cloud- und Offlinebetrieb.

Troubleshooting und Optimierung

Trotz stabiler Systeme kann es in der Praxis immer mal zu Problemen kommen. Hier ein paar bewährte Tipps aus meiner Erfahrung:

  • Shelly wird nicht erkannt: Aktiviere im Webinterface den CoIoT-Modus und trage die IP deines Home Assistant als Peer ein. Starte anschließend Home Assistant neu.
  • Unrealistische Stromwerte: Prüfe die Verkabelung und den Verbraucher. Ein einfacher Test mit einer Lampe hilft, die Messung zu verifizieren.
  • Falsche Schwellenwerte: Passe die Watt-Schwellen in den Automationen an dein Gerät an. Schleudervorgänge verursachen oft Spitzen, die man über eine „für x Minuten“-Bedingung abfangen kann.
  • Keine Benachrichtigung: Überprüfe die Home Assistant App oder den Benachrichtigungsdienst (z. B. Google Assistant, Push).

Homematic-IP-Nutzer sollten sicherstellen, dass die Verbindung zur CCU stabil ist und regelmäßig synchronisiert wird. Besonders bei Funkstörungen (z. B. durch Metallregale) hilft es, die Antenne besser zu positionieren oder Repeater einzusetzen.

Aktuelle Entwicklungen und Zukunftsperspektive

Der Smart-Home-Markt entwickelt sich rasant weiter. Shelly hat 2025 mit dem Plug Gen4 ein Modell vorgestellt, das neben WLAN auch Zigbee und Matter unterstützt – ein großer Schritt Richtung Kompatibilität und Zukunftssicherheit. Matter wird in den kommenden Jahren viele Insellösungen verbinden und die Integration vereinheitlichen. Auch Homematic IP bleibt nicht stehen: 2024 kam eine neue Home Control Unit mit EEBUS-Schnittstelle auf den Markt, die Photovoltaik, Energiespeicher und Verbraucher intelligent vernetzt. Das zeigt, dass beide Hersteller langfristig auf Energieeffizienz und vernetzte Steuerung setzen. Für mich ist das besonders spannend, weil genau diese Kombination – Verbrauchsmessung, Automatisierung und Energiemanagement – das Herz eines modernen Smart Homes bildet. Egal, ob du dich für Shelly oder Homematic IP entscheidest: Beide Systeme liefern die Basis, um dein Zuhause smarter und energieeffizienter zu gestalten.

Nach mehreren Wochen im Parallelbetrieb lässt sich sagen: Es gibt keinen absoluten Gewinner – es kommt auf dein Setup an. Wenn du schnell, günstig und flexibel starten willst, ist der Shelly Plug S📦 kaum zu schlagen. Er lässt sich ohne Zentrale einrichten, arbeitet zuverlässig im WLAN und bietet über MQTT oder CoIoT eine tiefe Integration in Home Assistant. Wenn du jedoch bereits ein Homematic IP System betreibst oder besonderen Wert auf ein robustes, zentrales Funknetz legst, ist die Homematic-Lösung die bessere Wahl. Sie ist zwar teurer und komplexer in der Einrichtung, überzeugt aber durch Stabilität und langfristige Zuverlässigkeit. Mein persönliches Fazit: In meinem Home Assistant laufen beide Systeme nebeneinander – der Shelly Plug S📦 für schnelle Projekte und Tests, Homematic IP für die dauerhafte Integration ins Gesamtsystem. So nutze ich das Beste aus beiden Welten.

Du willst mehr über praktische Smart Home Projekte erfahren? Schau dir meine anderen Beiträge zu Homematic IP, Shelly und Home Assistant auf technikkram.net an – dort findest du viele Schritt-für-Schritt-Anleitungen und echte DIY-Erfahrungen.

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