Shelly vs. Homematic IP: Der ultimative Vergleich für Smart Home Aktoren

Wenn man sein Smart Home ernsthaft automatisieren möchte, landet man früher oder später bei der Frage: Shelly oder Homematic IP? Beide Systeme sind in der DIY-Community äußerst beliebt – die einen schwören auf die Flexibilität und den WLAN-basierten Ansatz der Shelly-Module, die anderen auf die Zuverlässigkeit und Integrationstiefe der Homematic-IP-Welt. Ich selbst habe über die Jahre mit beiden Systemen ausgiebig gearbeitet – von der Nachrüstung einzelner Lichtkreise über komplette Rollladensteuerungen bis hin zu ganzen Hausinstallationen. In diesem Beitrag nehme ich euch mit in meinen persönlichen Vergleichstest: Wie schlagen sich Shelly und Homematic IP im Alltag, bei der Einrichtung, Integration in Home Assistant, Kosten und Zuverlässigkeit? Und welches System passt zu welchem Anwendungsfall? Das Ziel: eine ehrliche, praxisnahe Gegenüberstellung für alle, die ihr Smart Home erweitern oder neu aufbauen möchten.

Technische Grundlagen und Architektur

Bevor wir in die Praxis einsteigen, lohnt ein Blick auf die technischen Unterschiede der beiden Systeme. Shelly arbeitet primär über WLAN und kommuniziert direkt mit dem Heimnetzwerk – also ohne Zentrale. Das ist einer der größten Vorteile: Jeder Aktor ist eigenständig steuerbar, egal ob über Cloud, MQTT oder direkt lokal über IP. In Kombination mit Home Assistant lassen sich Shellys über die native Integration oder MQTT-Bridge nahtlos einbinden. Seit 2025 ist Shelly sogar offiziell Teil des „Works with Home Assistant“-Programms, was die Integration nochmals vereinfacht. Homematic IP hingegen setzt auf ein proprietäres Funkprotokoll im 868-MHz-Band oder auf eine Wired-Variante. Für die Steuerung ist eine zentrale Komponente notwendig – entweder die CCU3, Homegear oder der Homematic IP Access Point🛒. Diese Zentrale koordiniert alle Geräte und sorgt für sichere Kommunikation, auch bei schlechter WLAN-Abdeckung. Die Integration in Home Assistant erfolgt über die Homematic-Integration, die sowohl Funk- als auch Wired-Geräte unterstützt. In der Praxis bedeutet das: Shelly ist schnell eingebaut und flexibel, während Homematic IP mit seiner stabilen Funkkommunikation und der klaren Systemarchitektur punktet. Beide Systeme lassen sich vollständig lokal betreiben – ein wichtiger Punkt für Datenschutzbewusste.

Installation und Einrichtung im Vergleich

Die Installation unterscheidet sich grundlegend zwischen Shelly und Homematic IP. Shelly-Aktoren wie der Shelly 1 Mini Gen3📦 oder Shelly Pro 1PM🛒 werden direkt hinter Schaltern oder in der Unterverteilung installiert. Die Einrichtung erfolgt über das integrierte Webinterface oder die App: WLAN-Zugangsdaten eintragen, Gerät benennen, fertig. In Home Assistant genügt anschließend die Integration unter Einstellungen → Integrationen → Shelly oder via MQTT. Der große Vorteil: Kein zusätzlicher Hub nötig, keine Funkverbindung, keine Kanalbegrenzung. Bei Homematic IP ist der erste Schritt die Einrichtung der Zentrale – also entweder eine CCU3 oder ein Access Point. Danach werden die Geräte über Pairing-Tasten hinzugefügt. Die Integration in Home Assistant ist über die Homematic-IP-Integration komfortabel gelöst, erfordert jedoch eine stabile Verbindung zwischen CCU und Home Assistant. In puncto Einrichtungsgeschwindigkeit hat Shelly klar die Nase vorn. Für größere Installationen, insbesondere bei Neubauten oder wenn viele Kanäle benötigt werden, ist Homematic IP (wired) dagegen oft die elegantere Lösung – sauber verdrahtet, zentral verwaltet, wartungsfreundlich.

Kosten und Budgetbetrachtung

Ein entscheidendes Kriterium für viele DIY-Bauer ist der Preis. Hier zeigt sich ein deutlicher Unterschied zwischen beiden Welten. Ein Shelly 1 Mini Gen3📦 ist bereits ab etwa 9,29 € erhältlich, der Shelly Pro 1PM🛒 für rund 44,99 €. Damit lassen sich einfache Schaltaufgaben oder Rolladensteuerungen sehr kostengünstig realisieren. Besonders bei Nachrüstungen in Bestandsbauten, wo kein Steuerkabel vorhanden ist, ist der geringe Preis pro Kanal ein echter Pluspunkt. Bei Homematic IP liegen die Preise je nach Gerätetyp zwischen 50–70 € pro Kanal. Hinzu kommen gegebenenfalls Kosten für eine CCU3 oder den Access Point. Dafür erhält man eine professionell wirkende, sehr stabile Lösung mit hohem Integrationsgrad und langfristiger Update-Versorgung. In der Praxis sollte man grob kalkulieren:

  • Ein Shelly-basiertes Licht-Setup: ca. 10–50 € pro Schaltpunkt
  • Ein Homematic-IP-Rolladenaktor-System: ca. 70–100 € pro Kanal

Je nach Projektgröße kann der Unterschied schnell mehrere hundert Euro ausmachen – das ist vor allem bei Komplettinstallationen relevant.

Integration in Home Assistant

Beide Systeme lassen sich hervorragend in Home Assistant integrieren, unterscheiden sich aber in Flexibilität und Aufwand. Shelly punktet durch seine native Integration: Geräte werden automatisch erkannt, sobald sie im selben Netzwerk sind. Alternativ kann man über MQTT noch tiefergehende Steuerungen umsetzen. Besonders charmant: Dank des offenen API-Designs lassen sich Shellys auch in andere Systeme einbinden oder über Skripte individuell erweitern. Seit der Aufnahme in das „Works with Home Assistant“-Programm ist die Kompatibilität offiziell abgesichert. Homematic IP erfordert dagegen immer die Zwischenschicht über eine CCU oder Homegear. Die Integration in Home Assistant funktioniert aber zuverlässig und deckt nahezu alle Gerätetypen ab – von Schaltaktoren über Rollläden bis zu Sensoren. Wer bereits auf Homematic IP wired setzt, profitiert von der sehr stabilen Kommunikation und der klaren Struktur der Entitäten. In der täglichen Nutzung macht sich der Unterschied kaum bemerkbar – beide Systeme reagieren flott und zuverlässig. Der Unterschied liegt eher in der Flexibilität: Shelly erlaubt mehr Bastelfreiheit, Homematic IP mehr Ordnung und Systematik.

Praxis: Automationen und Alltagstauglichkeit

In meinem eigenen Smart Home laufen beide Systeme parallel – und das nicht ohne Grund. Für Licht- und Steckdosensteuerung nutze ich Shelly-Module, für Rollläden und Heizungssteuerung Homematic IP. Diese Kombination spielt ihre Stärken besonders in Home Assistant aus. Ein Beispiel: Eine Morgendämmerungs-Automation schaltet über einen Shelly-Schaltaktor das Schlafzimmerlicht sanft ein, während zeitgleich ein Homematic-IP-Rollladenaktor die Jalousie hochfährt. Die Automation basiert auf dem sunrise-Trigger, den Home Assistant über die Sonnen-Integration automatisch bereitstellt. Durch einen Offset von -15 Minuten startet das Szenario leicht vor Sonnenaufgang – ein echter Komfortgewinn im Alltag. Solche Automationen sind mit beiden Systemen problemlos möglich, die Einrichtung unterscheidet sich aber leicht. Während Shelly-Geräte direkt über light.turn_on oder switch.turn_on angesteuert werden, erfolgt bei Homematic IP der Zugriff über die entsprechenden cover– oder climate-Dienste. In beiden Fällen arbeitet Home Assistant zuverlässig und lokal – unabhängig von Cloud oder Internetverbindung.

Zuverlässigkeit, Wartung und Support

Bei der Zuverlässigkeit spielen beide Systeme in der oberen Liga, unterscheiden sich aber in ihren Schwächen. Shelly hängt naturgemäß am WLAN. In stabilen Netzwerken ist das kein Problem – bei schwacher Abdeckung oder überlasteten Access Points kann es aber zu kurzen Aussetzern kommen. Abhilfe schaffen hier Repeater, Mesh-Systeme oder die Pro-Serie mit LAN-Anschluss. Updates werden regelmäßig über die App oder Weboberfläche eingespielt. Homematic IP punktet mit seiner Funkfrequenz im 868-MHz-Band, die deutlich weniger störanfällig ist. Besonders in größeren Häusern oder bei Stahlbetonwänden ist das ein Vorteil. Zudem ist das System so ausgelegt, dass Geräte auch bei Ausfall der Zentrale Grundfunktionen behalten (z. B. Direktverknüpfungen zwischen Taster und Aktor). In Sachen Wartung ist Shelly minimalistisch – Firmware-Updates, fertig. Homematic IP bietet dagegen tiefere Diagnosemöglichkeiten über die CCU und eine saubere Logikstruktur. Support findet man für beide Systeme reichlich in Foren und Communities – insbesondere im Home Assistant-Umfeld.

Fazit: Shelly oder Homematic IP – was passt besser zu dir?

Wenn du ein Bestandsgebäude nachrüsten möchtest, wenig Lust auf Zentraleinrichtung hast und WLAN gut verfügbar ist, wirst du mit Shelly glücklich. Die Geräte sind günstig, flexibel, schnell eingebunden und lassen sich problemlos mit Home Assistant kombinieren. Planst du hingegen eine Neubau- oder Komplettinstallation mit zentraler Steuerung, klarer Struktur und hoher Zuverlässigkeit, ist Homematic IP (wired) die bessere Wahl. Hier profitierst du von professioneller Verkabelung, sauberem Aufbau und langjähriger Stabilität. Ich persönlich kombiniere beide Welten: Shelly für schnelle Nachrüstlösungen, Homematic IP für zentrale Funktionen. Diese Hybridstrategie vereint das Beste aus beiden Systemen – und genau das macht Smart Home für mich spannend: die Freiheit, Systeme nach Bedarf zu kombinieren und individuell zu optimieren.

Beide Systeme – Shelly und Homematic IP – haben ihre Daseinsberechtigung und ergänzen sich in vielen Szenarien hervorragend. Während Shelly mit unschlagbarem Preis-Leistungs-Verhältnis und Flexibilität überzeugt, punktet Homematic IP mit Stabilität und professioneller Struktur. In Home Assistant sind beide Systeme bestens aufgehoben – ob für einfache Lichtsteuerungen oder komplexe Szenarien mit Sonnenstands-Automation. Letztlich entscheidet dein Projektziel: schnelle Nachrüstung oder langfristig skalierbares System. Mein Rat nach vielen Jahren Praxis: Nicht dogmatisch entscheiden, sondern pragmatisch kombinieren – dann entsteht ein Smart Home, das wirklich zu dir passt.

Du planst dein eigenes Smart Home? Schau dir unsere weiteren Projektanleitungen und Automationsideen auf technikkram.net an – dort findest du Schritt-für-Schritt-Beispiele für Shelly, Homematic IP und Home Assistant.

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