Heißluftfritteuse vs. Backofen: Die wahren Kosten im Vergleich
Ich erinnere mich noch gut an den Moment, als ich mir meine erste Heißluftfritteuse gekauft habe – ein kompaktes Gerät, das verspricht, Pommes und Hähnchen knusprig zu zaubern, ohne den Ofen anwerfen zu müssen. Als berufstätige Mutter mit einer Küche voller smarter Geräte war ich neugierig: Spart das Ding wirklich Strom, oder ist es nur ein weiterer Platzfresser auf der Arbeitsfläche? Gerade in Zeiten steigender Energiepreise ist die Frage nach den tatsächlichen Kosten – Anschaffung, Verbrauch und Wartung – wichtiger denn je. In diesem Artikel gehe ich den Zahlen auf den Grund und vergleiche ganz nüchtern: Was kostet es wirklich, regelmäßig mit einer Heißluftfritteuse zu kochen, und wann lohnt sich der gute alte Backofen?
Anschaffungskosten im direkten Vergleich
Preislich trennen Heißluftfritteusen und Backöfen Welten. Während einfache Airfryer schon ab etwa 50–80 € erhältlich sind, beginnen solide Markengeräte von Philips, Ninja oder Tefal meist bei rund 100 €. Modelle mit zwei Schubladen oder Dampf-Funktion können bis zu 400 € kosten. Laut Stiftung Warentest lagen die getesteten Fritteusen zwischen 80 € und 360 € – also klar im erschwinglichen Bereich. Einbau-Backöfen hingegen schlagen deutlich stärker zu Buche: Gute Basismodelle gibt es ab etwa 350 €, Mittelklassegeräte von Bosch, Siemens oder Neff bewegen sich zwischen 500 € und 800 €, und Premiumgeräte mit Dampfgarer oder Pyrolyse, etwa von Miele oder Smeg, können über 1000 € kosten. Der aktuelle Warentest von 2026 nennt sogar Spitzenpreise bis 1385 €. Natürlich muss man bedenken: Ein Backofen ist ein zentrales Küchengerät, das meist viele Jahre genutzt wird. Die Heißluftfritteuse dagegen ist oft ein Zusatzgerät – ein Luxus für schnelle Snacks oder kleine Portionen. Trotzdem: Wer nur selten größere Mengen zubereitet, kann mit einem Airfryer bei der Anschaffung deutlich sparen.
Stromverbrauch und Betriebskosten: Der entscheidende Faktor
Hier entscheidet sich, ob sich die Anschaffung langfristig lohnt. Denn auch wenn ein Airfryer auf den ersten Blick weniger Watt hat, zählt letztlich die Kombination aus Leistung, Laufzeit und Effizienz. Eine typische Heißluftfritteuse arbeitet mit 800–2000 Watt. Ein Backofen liegt bei 2000–5000 Watt, muss aber auch deutlich mehr Luftvolumen erhitzen – meist 50 bis 70 Liter gegenüber 3 bis 10 Litern im Airfryer. Das schlägt sich in der Laufzeit nieder: Der Airfryer erreicht die Zieltemperatur fast sofort, während der Ofen 10–15 Minuten vorheizen muss. Praktische Messungen zeigen das deutlich. CHIP hat gemessen, dass eine 1800-Watt-Fritteuse für 300 g Pommes bei 200 °C nur 361 Wh verbraucht – das entspricht rund 11 Cent Stromkosten. Laut FR kostet dieselbe Portion im Ofen 40–48 Cent. Der Unterschied entsteht durch die schnellere Garzeit und das geringere Luftvolumen. Bei kleinen Mengen kann der Airfryer also bis zu 70 % weniger Energie benötigen. Allerdings dreht sich das Verhältnis, sobald größere Mengen ins Spiel kommen. Wenn der Airfryer in mehreren Durchgängen arbeiten muss, steigt der Verbrauch kumulativ an. Ein Backofen, der ein ganzes Blech Pommes oder einen Braten in einem Durchgang schafft, ist dann oft effizienter. Für Familienhaushalte lohnt sich deshalb die Rechnung pro Portion: Einmal den Ofen voll nutzen spart mehr, als dreimal den Airfryer laufen zu lassen.
Einflussfaktoren: Portionsgröße, Nutzungsverhalten und Effizienzklasse
Neben der reinen Leistung spielen auch Nutzungsverhalten und Portionsgröße eine entscheidende Rolle. Bei einer einzelnen Pizza oder einer Handvoll Pommes ist der Airfryer unschlagbar: keine Vorheizzeit, keine Energieverluste durch großen Garraum. Für ein Familienessen mit mehreren Komponenten wird der Ofen dagegen zur kosteneffizienteren Wahl. In meinem Alltag nutze ich den Airfryer meist für die kleinen Hungerattacken zwischendurch – etwa, wenn die Kinder nach der Schule schnell etwas Warmes wollen. Für den Sonntagsbraten oder den Geburtstagskuchen ist der Ofen dagegen unverzichtbar. Man kann es so zusammenfassen:
- Kleine Portionen (1–2 Personen): Airfryer spart bis zu 70 % Strom.
- Mittlere Portionen: Gleichstand – hängt von Gerät und Speise ab.
- Große Portionen (Familienessen): Backofen effizienter, da nur ein Garvorgang nötig.
Auch die Energieeffizienzklasse spielt eine Rolle. Moderne Backöfen erreichen A+ oder besser, sind gut isoliert und verfügen über Umluftsysteme mit optimierter Wärmeverteilung. Airfryer haben keine offizielle EU-Klassifizierung, aber die Effizienz variiert deutlich zwischen Modellen – laut Warentest verbrauchte das schlechteste Modell doppelt so viel wie das sparsamste. Wer also bewusst sparen will, sollte auf die Leistungsaufnahme und die Garraumgröße achten: Je kleiner und besser gesteuert, desto günstiger im Betrieb.
Wartung und Lebensdauer: Versteckte Kosten im Blick behalten
Ein oft übersehener Kostenfaktor sind Wartung und Ersatzteile. Eine Heißluftfritteuse ist im Grunde wartungsfrei – abgesehen von der regelmäßigen Reinigung. Körbe und Schubladen sind meist spülmaschinengeeignet, und wenn doch mal etwas kaputtgeht, ist der Austausch meist günstig. Beim Backofen sieht das anders aus: Defekte Heizstäbe, Türdichtungen oder Elektronikmodule können teuer werden. Bei modernen Geräten mit Pyrolyse oder Dampfgarfunktion sind Ersatzteile zudem komplexer. Wer seinen Ofen regelmäßig nutzt, sollte daher mit gelegentlichen Wartungskosten rechnen. Auch die Reinigung spielt indirekt in die Kosten hinein. Der Pyrolysemodus verbraucht bei 500 °C ordentlich Strom – ein Durchgang kann bis zu 3 kWh benötigen. Das sind, je nach Strompreis, 1 € oder mehr pro Reinigung. Eine Airfryer-Schublade ist dagegen in wenigen Minuten per Hand oder in der Spülmaschine sauber. Langfristig betrachtet halten Backöfen zwar deutlich länger (10–15 Jahre im Schnitt), während Airfryer nach 3–5 Jahren oft ersetzt werden. Trotzdem bleibt der Airfryer in Summe günstiger – selbst mit kürzerer Lebensdauer, weil die Anschaffungskosten so niedrig sind.
Rechenbeispiele: Was kostet das Kochen wirklich?
Um die Unterschiede greifbar zu machen, lohnt sich ein Blick auf konkrete Szenarien. Ich habe die Werte aus den Messungen von CHIP, FR und CHOICE zusammengestellt und typische Haushaltsnutzungen durchgerechnet:
| Gericht | Gerät | Zeit | Leistung | Verbrauch | Stromkosten* |
|---|---|---|---|---|---|
| 300 g Pommes | Airfryer | 20 Min | 1800 W | 0,36 kWh | ≈ 0,11 € |
| 300 g Pommes | Backofen | 35 Min inkl. Vorheizen | 2500 W | 1,2 kWh | ≈ 0,40–0,48 € |
| 1 kg Pommes | Airfryer (2 Durchgänge) | 40 Min | 1800 W | 0,72 kWh | ≈ 0,22 € |
| 1 kg Pommes | Backofen | 40 Min | 2500 W | 1,6 kWh | ≈ 0,53 € |
*Berechnet mit 0,30 €/kWh als durchschnittlichem Strompreis Diese Zahlen zeigen: Bei kleinen Portionen lohnt sich der Airfryer deutlich. Bei großen Mengen schrumpft der Vorteil, bleibt aber vorhanden – vor allem, wenn der Ofen älter oder schlecht isoliert ist. Wer häufig nur kleine Snacks oder Einzelportionen zubereitet, kann seine Stromrechnung mit einer Heißluftfritteuse spürbar senken.
Zukunftstrends: Smarte Geräte und Effizienzsteigerungen
Der Markt entwickelt sich rasant. Neue Airfryer-Modelle erkennen per KI automatisch, welches Gericht eingefüllt wurde, und passen Temperatur und Zeit selbstständig an. Auf der CES 2024 wurde ein solcher 250-Dollar-Airfryer vorgestellt – er spart Energie, weil er Überhitzung vermeidet und punktgenau abschaltet. Auch Backöfen ziehen nach: eingebaute Kameras, App-Steuerung und adaptive Heizprogramme sollen Garzeiten verkürzen und Energie sparen. Parallel wachsen die Geräte: Der Panasonic Flex Airfryer bietet 9,6 Liter Volumen, kombiniert Heißluft mit Dampf und kann eine 30 cm-Pizza aufnehmen. Damit verschwimmen die Grenzen zwischen Airfryer und Backofen – gerade für Familien könnte das langfristig die wirtschaftlichste Lösung sein. Auch bei Backöfen tut sich einiges: Schnellaufheizfunktionen, verbesserte Isolierung und intelligente Umluftsysteme senken den Stromverbrauch. Wer also ohnehin über eine Neuanschaffung nachdenkt, sollte auf aktuelle Energieeffizienzlabel achten – moderne Geräte holen in puncto Wirtschaftlichkeit kräftig auf.
Unterm Strich hängt die Kostenfrage stark von Ihrem Kochverhalten ab. Für kleine Haushalte, Singles oder Eltern, die zwischendurch schnell Snacks zubereiten möchten, ist die Heißluftfritteuse ein echter Strom- und Zeitsparer. Sie amortisiert sich oft schon nach wenigen Monaten – besonders, wenn sie den großen Ofen im Alltag ersetzt. Für Familien oder passionierte Bäcker bleibt der Backofen dagegen unverzichtbar: größere Mengen, gleichmäßiges Backen und vielfältige Einsatzmöglichkeiten rechtfertigen den höheren Energiebedarf. Mein persönliches Fazit: Ich nutze beides. Der Airfryer läuft fast täglich für Kleinigkeiten, der Ofen für Feste, Kuchen oder Aufläufe. So kombiniere ich Komfort mit Effizienz – und spare, wo es wirklich zählt: beim Stromzähler.
Tipp: Wenn Sie gerade über eine Neuanschaffung nachdenken, vergleichen Sie nicht nur die Preise, sondern auch die tatsächlichen Verbrauchswerte. Ein moderner Airfryer kann sich schnell bezahlt machen – vor allem, wenn er den Ofen im Alltag ersetzt.










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