Home Assistant: Wenn der Fernseher ausgeht, dimmt das Licht
Es gibt diese kleinen Momente im Alltag, in denen ein Smart Home wirklich smart wirkt: Du schaust abends einen Film, der Abspann läuft, der Fernseher geht aus – und das Licht dimmt sich automatisch auf eine gemütliche Helligkeit. Kein Griff mehr zum Lichtschalter, kein grelles Aufleuchten. Genau solche Szenarien zeigen, wie leistungsfähig Home Assistant mit seinen lokalen Automationen ist. In diesem Artikel zeige ich dir, wie du mit Gerätezuständen – also echten Statusinformationen deiner Geräte – deine Automationen auf das nächste Level bringst. Ich erkläre, wie du deinen Fernseher als Trigger nutzt, um das Licht automatisch zu steuern, und worauf du achten solltest, wenn du Shelly oder Homematic IP in Kombination mit Home Assistant einsetzt.
Warum Gerätezustände das Herzstück smarter Automationen sind
Viele Automationen im Smart Home basieren auf festen Zeiten oder simplen Auslösern – etwa: „Wenn es 22 Uhr ist, Licht aus.“ Doch deutlich eleganter wird es, wenn Automationen auf echte Zustände deiner Geräte reagieren. In Home Assistant bedeutet das: Jede Komponente, egal ob Fernseher, Steckdose oder Lampe, wird als sogenannte Entity mit einem Zustand dargestellt. Dieser Zustand kann zum Beispiel on, off, eine Helligkeit (in Prozent) oder ein Energieverbrauchswert sein. Mit diesen Zuständen lassen sich Automationen erstellen, die nicht nur zuverlässig, sondern auch kontextsensitiv reagieren. In unserem Beispiel nutzen wir den Zustand des Fernsehers – entweder direkt über eine Media-Player-Integration oder indirekt über den Energieverbrauch einer smarten Steckdose. Wenn der TV ausgeschaltet wird oder keinen Strom mehr zieht, reagiert Home Assistant darauf und dimmt automatisch das Licht. Das Ergebnis: Eine smarte, stimmige Atmosphäre, die sich wie von selbst anfühlt.
Hardwareauswahl und Systemaufbau
Bevor wir uns an die Automation machen, schauen wir uns an, welche Komponenten wir benötigen und wie sie zusammenspielen. Das Schöne an Home Assistant: Du bist nicht auf ein bestimmtes Ökosystem festgelegt. Ob Shelly, Homematic IP oder ein Smart-TV – alles kann über Integrationen eingebunden werden. Home Assistant selbst läuft komplett lokal, also ohne Cloudabhängigkeit. Du kannst es auf einem Raspberry Pi, einem Mini-PC oder in einer Docker-Umgebung installieren. Das garantiert Datenschutz, Stabilität und schnelle Reaktionszeiten. Für unseren Anwendungsfall gibt es zwei typische Varianten:
- Variante 1 – Shelly-Plug-basiert: Der Fernseher ist an einem Shelly Plug S angeschlossen. Diese smarte Steckdose misst den Energieverbrauch und liefert den Status „an“ oder „aus“ an Home Assistant. Gleichzeitig steuerst du deine Lampen über Shelly-Dimmer oder smarte WLAN-Leuchten.
- Variante 2 – Homematic IP: Hier nutzt du eine Homematic IP Schaltsteckdose oder einen Zwischenstecker für den Fernseher sowie einen Homematic IP Dimmeraktor für die Beleuchtung. Beide Geräte laufen über den Access Point und werden in Home Assistant integriert.
Beide Varianten funktionieren hervorragend – die Entscheidung hängt vor allem davon ab, welche Hardware du schon im Einsatz hast und ob du WLAN oder Funk bevorzugst. Homematic IP funkt im 868-MHz-Band, was besonders stabil und kabelfrei ist, während Shelly auf WLAN setzt und keine Zentrale benötigt.
Einrichtung von Home Assistant und Geräteintegration
Die Einrichtung von Home Assistant ist für Fortgeschrittene in der Regel schnell erledigt. Nach der Installation startest du den Home Assistant Server und öffnest die Weboberfläche. Dort werden Integrationen für deine Geräte hinzugefügt. 1. Shelly Plug S einbinden: Stecke den Plug zwischen Fernseher und Steckdose. Über die Shelly-App oder WPS verbindest du ihn mit deinem WLAN. Anschließend fügst du ihn in Home Assistant hinzu – die Shelly-Integration erkennt den Plug automatisch. Nun kannst du in der Geräteübersicht sehen, wie sich der Energieverbrauch verändert, wenn der Fernseher läuft oder ausgeschaltet ist. 2. Licht-Aktoren einbinden: Ob Shelly Dimmer oder Homematic IP Dimmer – beide werden über ihre jeweiligen Integrationen in Home Assistant aufgenommen. Wichtig ist, dass du für das Licht eine light-Entity hast, nicht nur einen einfachen Schalter, da du sonst nicht dimmen kannst. 3. Fernseher als Media Player: Wenn dein TV smart ist (z. B. Samsung, LG oder Android TV), kannst du ihn direkt über die Media-Player-Integration einbinden. Alternativ nutzt du die Steckdose als Statusquelle. Entscheidend ist, dass Home Assistant erkennt, wann der Fernseher ausgeht – also der Zustand von on auf off wechselt.
Die Automation: Wenn der Fernseher ausgeht, dimmt das Licht
Jetzt kommt der spannende Teil: die eigentliche Automation. In Home Assistant gehst du in den Bereich Automationen und legst eine neue an. Auslöser: Wähle die Entity deines Fernsehers oder der Steckdose. Der Trigger lautet: Zustand wechselt von on zu off. Alternativ kannst du beim Shelly Plug S auch den Energieverbrauch als Bedingung nutzen, etwa: „Wenn Leistung unter 5 W fällt“. Bedingung (optional): Du möchtest vielleicht nur abends das Licht dimmen. Dafür kannst du eine Bedingung hinzufügen, z. B. nur nach Sonnenuntergang oder nur wenn jemand zu Hause ist. Home Assistant bietet hier eine Vielzahl an Optionen. Aktion: Verwende den Service light.turn_on und gib die gewünschte Helligkeit an, z. B. brightness_pct: 20. Wenn du mehrere Lampen hast, kannst du sie in einer Gruppe zusammenfassen. Das Ergebnis: Sobald der Fernseher ausgeschaltet wird, dimmt Home Assistant automatisch das Licht auf 20 %. Ein kleiner, aber sehr wirkungsvoller Komfortgewinn.
Mini-Projekte für Shelly und Homematic IP
Projekt 1 – Shelly-basierte Automation Ziel: Fernseher über Shelly Plug S überwachen und Licht dimmen.
- TV an Shelly Plug S anschließen.
- Plug in Home Assistant integrieren.
- Lampen oder Dimmer (Shelly) hinzufügen.
- Automation erstellen: Auslöser ist der Zustand des Plug (off), Aktion ist
light.turn_onmitbrightness_pct: 20. - Testen und ggf. Helligkeit anpassen.
Projekt 2 – Homematic IP Automation Ziel: Licht dimmen, wenn Homematic IP Steckdose (TV) ausgeschaltet wird.
- Homematic IP Access Point einrichten.
- Steckdose und Dimmeraktor anlernen.
- Integration in Home Assistant aktivieren.
- Automation mit Auslöser „Steckdose off“ und Aktion „Licht dimmen“ erstellen.
- Test durchführen.
Beide Varianten zeigen schön, wie flexibel Home Assistant ist. Während Shelly durch WLAN und Energie-Messung punktet, überzeugt Homematic IP mit stabiler Funkkommunikation und gutem Nachrüstpotenzial.
Fehleranalyse und Optimierung
Auch wenn Home Assistant sehr zuverlässig arbeitet, kann bei der Einrichtung einer solchen Automation manchmal etwas haken. Hier ein paar bewährte Tipps aus meiner Praxis:
- Netzwerkprobleme: Wenn Shelly-Geräte nicht reagieren, prüfe die WLAN-Abdeckung. Oft hilft es, den Routerstandort zu optimieren oder ein Mesh-System zu nutzen.
- Entity-Status prüfen: Im Developer-Tool von Home Assistant siehst du, ob der Zustand deines Geräts korrekt wechselt. Wenn nicht, stimmt meist etwas mit der Integration oder der Verbindung nicht.
- Automation-Log ansehen: Im Protokollbereich findest du Fehlermeldungen, falls eine Aktion nicht ausgeführt wurde.
- Dimmen funktioniert nicht: Vergewissere dich, dass dein Aktor wirklich eine
light-Entity ist. Bei Shelly kann ein Firmware-Update helfen, wenn der Dimmer nicht reagiert.
Diese kleinen Checks sparen oft viel Zeit bei der Fehlersuche und sorgen dafür, dass deine Automation stabil läuft.
Kosten, Nutzen und aktuelle Entwicklungen
Für ein solches Setup brauchst du kein riesiges Budget. Die Kosten sind überschaubar:
| Shelly Plug S | ca. 20–30 € |
| Shelly Dimmer / Lampen | ca. 10–20 € |
| Homematic IP Access Point | ca. 50–60 € |
| Homematic IP Dimmeraktor | ca. 40–50 € |
| Home Assistant Hardware (z. B. Raspberry Pi) | ca. 40–50 € |
Damit liegst du insgesamt im Bereich von 100–200 €, je nach vorhandener Hardware. Der Komfortgewinn und die Energieeinsparung machen das schnell wett. Spannend ist, dass Shelly-Geräte inzwischen auch Wi-Fi 6, Bluetooth, ZigBee und Matter unterstützen. Home Assistant wiederum erweitert kontinuierlich seine lokalen Features, etwa mit Sprachsteuerung ganz ohne Cloud. Und Homematic IP bringt regelmäßig neue Geräte für Beleuchtung, Klima und Sicherheit auf den Markt – das heißt: noch mehr Möglichkeiten für kreative Automationen.
Automationen, die auf Gerätezuständen basieren, sind für mich einer der größten Vorteile von Home Assistant. Sie machen dein Smart Home nicht nur komfortabler, sondern auch intelligenter. Statt stumpf nach Uhrzeit oder Kalender zu reagieren, erkennt das System, was wirklich passiert – und reagiert passend. Mit einem Shelly Plug oder einer Homematic IP Steckdose ist der Fernseher schnell eingebunden, und das Licht reagiert genau dann, wenn es Sinn ergibt. Das Schöne daran: Alles läuft lokal, ohne Cloud, ohne Abhängigkeiten. Wer einmal erlebt hat, wie sich das Licht sanft dimmt, wenn der Fernseher ausgeht, möchte das nicht mehr missen.
Wenn du mehr solcher praktischen Smart Home Projekte umsetzen willst, schau regelmäßig auf technikkram.net vorbei – dort findest du viele weitere DIY-Ideen rund um Home Assistant, Shelly und Homematic IP.










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