NAS-Systeme im Vergleich: Synology vs. QNAP vs. WD – Der große Praxischeck

Ich erinnere mich noch gut an mein erstes NAS – ein Synology DS211j, das damals mein Medienchaos bändigen sollte. Heute, mit mehreren Terabyte an Daten, SSD-Cache und 10-Gigabit-LAN, hat sich die Welt der NAS-Systeme massiv weiterentwickelt. Doch die zentrale Frage bleibt: Welches System ist das richtige für wen? In diesem Vergleich teste ich drei der bekanntesten Hersteller – Synology, QNAP und WD – und beleuchte sie aus der Praxisperspektive: Leistung, Bedienung, Erweiterbarkeit und Alltagstauglichkeit. Dabei geht es weniger um Marketingversprechen, sondern um das, was im täglichen Einsatz zählt – vom Backup-Job bis zum 4K-Streaming.

Hardware und Design im Vergleich

Wenn man die Geräte nebeneinanderstellt, sieht man sofort, dass Synology auf ein sehr aufgeräumtes, minimalistisches Design setzt. Die weißen oder grauen Gehäuse wirken fast wie Apple-Produkte – unaufgeregt, aber hochwertig. QNAP dagegen ist eher der Pragmatiker: kantiger, teils mit Display und zusätzlichen Ports an der Front. WD (My Cloud-Serie) bleibt schlicht und kompakt, allerdings weniger modular. Unter der Haube zeigt sich der Unterschied deutlicher. Synology verbaut in den Plus-Modellen moderne Intel- oder AMD-Prozessoren, während QNAP oft auf ähnliche, aber höher getaktete Varianten setzt – ideal für 4K-Transcoding oder Virtualisierung. WD hingegen zielt mit schwächeren ARM-CPUs eher auf Einsteiger und Plug-and-Play-Nutzer. RAM lässt sich bei Synology und QNAP meist erweitern, bei WD selten. Ein praktischer Punkt im Alltag: die Lautstärke. Während Synology-Modelle wie die DS220+ angenehm leise bleiben, drehen QNAP-Lüfter bei Last hörbar auf. WD My Cloud bleibt flüsterleise, hat aber weniger Leistung. Wer das NAS im Wohnzimmer betreibt, sollte das berücksichtigen.

Betriebssysteme: DSM, QTS und My Cloud OS im Alltag

Das Betriebssystem ist das Herz eines NAS – und hier trennen sich Welten. Synology DSM (DiskStation Manager) ist wohl das am besten durchdachte System. Die Oberfläche erinnert an ein Desktop-Betriebssystem: Fenster, Icons, Drag & Drop – alles sehr intuitiv. Backup, Cloud-Sync, Fotoserver oder VPN lassen sich per Klick installieren. Besonders stark: die Integration von Active Backup for Business oder Synology Drive, die sich nahtlos in Windows und macOS integrieren. QNAP QTS ist dagegen ein Paradies für Bastler und Power-User. Es bietet mehr Optionen, mehr Protokolle, mehr Feineinstellungen – aber auch mehr Komplexität. Wer Docker-Container, Virtual Machines oder Surveillance Station intensiv nutzt, wird QNAP lieben. Für Einsteiger kann die Menüstruktur jedoch unübersichtlich wirken. WD My Cloud OS hingegen verfolgt ein ganz anderes Konzept: Einfachheit. Die Einrichtung dauert kaum zehn Minuten, und das System läuft quasi autark. Allerdings sind die Funktionen stark eingeschränkt – kein RAID-Management, keine Container, kaum Automatisierung. Für ambitionierte Nutzer ist das schnell zu wenig. Ein klarer Vorteil von Synology und QNAP: Beide Systeme werden regelmäßig aktualisiert und bieten umfangreiche App Stores. WD liefert zwar Updates, aber in größeren Abständen und mit weniger Neuerungen.

Performance und Netzwerk: Wo das Tempo zählt

Im Alltag ist Performance oft der entscheidende Faktor – besonders, wenn mehrere Clients gleichzeitig auf große Datenmengen zugreifen. Bei identischer Hardware liefern Synology und QNAP nahezu identische Übertragungsraten über Gigabit-LAN: rund 110 MB/s im Lesen und Schreiben. Der Unterschied zeigt sich, sobald man auf 2,5-GbE oder 10-GbE aufrüstet. Hier hat QNAP aktuell die Nase vorn: Viele Modelle bieten bereits ab Werk Multi-Gig-Ports, während Synology erst in höheren Serien nachzieht. Mit einem UGREEN 2,5-GbE-Adapter lässt sich das aber leicht nachrüsten. Beim Thema SSD-Cache liegt Synology leicht vorn – das Caching-System ist besser integriert und liefert in Kombination mit schnellen NVMe-Laufwerken (z.B. SanDisk oder Seagate IronWolf SSDs) einen spürbaren Geschwindigkeitsschub bei häufigen Zugriffen. WD My Cloud dagegen bleibt auf Gigabit-LAN beschränkt. Für einfache Backups reicht das, aber große Mediendateien oder VM-Images werden zur Geduldsprobe. Ein technischer Aspekt, den viele unterschätzen: RAID-Rebuild-Zeiten. QNAP bietet hier detailliertere Statusanzeigen und Performance-Optionen, während Synology den Prozess eher automatisiert und sicherheitsorientiert abwickelt. Beide Systeme unterstützen Hot-Swap – ein echter Vorteil, wenn mal eine Platte (z.B. WD Red oder Seagate IronWolf) ausfällt.

Anwendungsfälle: Backup, Medienserver, Virtualisierung

Ein NAS ist längst mehr als nur ein Netzlaufwerk – es ist ein zentraler Server für fast alles im digitalen Haushalt. Backup: Synology überzeugt mit Active Backup und Hyper Backup – zwei mächtigen Tools für inkrementelle Sicherungen, Versionierung und Cloud-Replikation. QNAPs Pendant, Hybrid Backup Sync 3, bietet ähnliche Funktionen, aber mit mehr Anpassungsmöglichkeiten. Beide unterstützen die 3-2-1-Regel: eine lokale, eine externe und eine Cloud-Kopie. WD My Cloud beschränkt sich auf einfache PC-Backups. Medienserver: Für Film- und Musikfreunde ist das ein entscheidender Punkt. Mit aktivierten DLNA-Servern (z.B. Plex oder native Medienserver) streamen alle drei Systeme zuverlässig an Smart-TVs oder mobile Geräte. QNAP hat durch seine stärkere CPU beim Transcoding Vorteile, während Synology durch die gute App-Integration punktet. WD My Cloud spielt hier nur einfache MP4-Dateien problemlos ab. Virtualisierung: Hier wird’s spannend. QNAP bietet mit Virtualization Station und Container Station eine komplette VM- und Container-Umgebung. Synology kann das ebenfalls (Virtual Machine Manager), allerdings ist der Fokus stärker auf Datensicherheit und Backup gerichtet. WD fällt in diesem Bereich komplett raus – keine VMs, keine Container, keine Docker-Unterstützung. Wer also seine Infrastruktur mit Home Assistant, Pi-hole oder Testservern erweitern will, findet bei QNAP die offenste Plattform.

Sicherheit und Wartung

NAS-Systeme laufen 24/7 – da ist Sicherheit kein Beiwerk, sondern Pflicht. Synology bietet mit automatischen Updates, TLS-Verschlüsselung und einem integrierten Security Advisor ein solides Sicherheitskonzept. Neuere Modelle erkennen sogar Ransomware-Anomalien per KI. QNAP hat aus früheren Sicherheitslücken gelernt und bietet inzwischen ähnliche Schutzmechanismen – inklusive Snapshot-Backup und Malware-Scanner. Beide Systeme unterstützen HTTPS, SMB3 und differenzierte Benutzerrechte. WD My Cloud bietet Basisschutz durch Passwort und HTTPS, aber keine erweiterten Sicherheitsfunktionen. Auch regelmäßige Firmware-Updates sind weniger häufig. In der Wartung überzeugt Synology durch seine klaren Statusanzeigen und Warnmeldungen. QNAP bietet dafür mehr Diagnose-Tools – ideal für Admins, die tief in Logs und SMART-Werte eintauchen. Wichtig: Beide Systeme unterstützen Hot-Swap und senden E-Mail-Alerts bei Problemen. Mein Tipp aus der Praxis: Eine kleine USV (z.B. APC Back-UPS) schützt vor Stromausfällen, während ein regelmäßiger SMART-Test der Festplatten (z.B. WD Red oder Seagate IronWolf) hilft, Ausfälle früh zu erkennen.

Kosten und Wirtschaftlichkeit

Preislich liegen Synology und QNAP dicht beieinander. Ein 2-Bay-Modell wie die Synology DS220j kostet rund 180 €, vergleichbare QNAPs etwas weniger. Dazu kommen NAS-optimierte Festplatten – etwa WD Red oder Seagate IronWolf – für je 80–140 € pro 4 TB. Wer auf SSD-Cache setzt (z.B. SanDisk NVMe), zahlt extra, gewinnt aber Performance. WD My Cloud ist als Fertiglösung mit integrierter HDD ab ca. 100 € erhältlich – inklusive einfacher Weboberfläche. Für reine Datensicherung ist das unschlagbar günstig, aber langfristig weniger flexibel. Wer regelmäßig mit großen Dateien arbeitet oder Plex-Server betreibt, sollte in 2,5-GbE- oder 10-GbE-Modelle investieren. Der Aufpreis lohnt sich – besonders, wenn man ohnehin hochwertige Komponenten wie UGREEN Cat6-Kabel oder Multi-Gig-Switches nutzt.

Fazit: Welches NAS für wen?

Nach vielen Jahren im Einsatz und diversen Tests kristallisiert sich für mich folgendes Bild heraus:

  • Synology ist die beste Wahl für Anwender, die Stabilität, intuitive Bedienung und integrierte Backup-Lösungen schätzen. Ideal für Familien, Kreative und kleine Büros.
  • QNAP richtet sich an Power-User und IT-Enthusiasten, die maximale Kontrolle, Virtualisierung und Multi-Gig-Performance wollen.
  • WD My Cloud ist eine solide Plug-and-Play-Lösung für Einsteiger, die einfach nur Daten zentral sichern möchten – ohne viel Konfiguration.

Die gute Nachricht: Egal für welches System man sich entscheidet, alle drei Hersteller haben in den letzten Jahren enorm aufgeholt – in Stabilität, App-Integration und Sicherheit. Der Unterschied liegt heute weniger in der Basisfunktion, sondern in der Tiefe der Möglichkeiten. Und genau das macht NAS-Systeme so spannend: Sie wachsen mit den eigenen Anforderungen. Ob als Medienzentrale, Backup-Server oder Mini-Cloud – wer einmal ein NAS im Einsatz hat, will es nicht mehr missen.

NAS-Systeme sind längst mehr als Datenspeicher – sie sind der Dreh- und Angelpunkt moderner digitaler Haushalte. Im direkten Vergleich zeigt sich: Synology überzeugt mit Benutzerfreundlichkeit und Zuverlässigkeit, QNAP mit Leistung und Offenheit, WD mit einfacher Bedienung und niedrigen Einstiegskosten. Wer das passende System auswählt, spart langfristig Zeit, Nerven und Geld. Mein Fazit nach vielen Jahren NAS-Praxis: Lieber einmal richtig konfigurieren – dann läuft’s wie ein Uhrwerk.

Du planst dein eigenes NAS-Projekt oder willst dein bestehendes System optimieren? Schau dir unsere Praxis-Guides und Tests auf technikkram.net an – dort findest du Schritt-für-Schritt-Anleitungen, Hardware-Tipps und aktuelle NAS-Trends.

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