Shelly EM vs. Shelly 3EM: Welcher Energiezähler passt zu Ihnen?

In meinem eigenen Smart Home spielt das Thema Energieüberwachung eine zentrale Rolle. Ich will nicht nur wissen, wie viel Strom verbraucht wird, sondern auch, wo und wann. Gerade in Zeiten steigender Energiepreise ist Transparenz Gold wert. Zwei besonders beliebte Geräte für diese Aufgabe stammen von Shelly: der Shelly EM und der Shelly 3EM. Beide liefern detaillierte Verbrauchsdaten in Echtzeit und lassen sich hervorragend in Systeme wie Home Assistant integrieren – aber sie richten sich an unterschiedliche Einsatzszenarien. In diesem Artikel vergleiche ich beide Modelle aus der Praxis und erkläre, welches Gerät sich für welchen Anwendungsfall besser eignet.

Technische Grundlagen: Shelly EM und Shelly 3EM im Überblick

Beide Geräte stammen vom Hersteller Allterco, der mit seiner Shelly-Serie im DIY-Smart-Home-Bereich längst etabliert ist. Der Shelly EM ist ein einphasiger Zweikanal-Energiezähler, während der Shelly 3EM für drei Phasen ausgelegt ist. Damit ist schon der größte Unterschied klar: Wer ein dreiphasiges Hausnetz oder eine PV-Anlage mit Drehstrom hat, greift zum 3EM. Wer hingegen einzelne Stromkreise oder einen einphasigen Hausanschluss überwachen will, ist mit dem EM bestens bedient. Der Shelly EM misst über zwei externe Stromwandler (CTs) Ströme bis zu 120 Ampere pro Kanal. Er erfasst Wirkleistung, Scheinleistung, Spannung und Stromstärke und bietet zusätzlich ein kleines Relais (max. 2 A), um beispielsweise ein Schütz oder einen Verbraucher direkt zu steuern. Der 3EM verzichtet auf ein solches Relais, bietet dafür drei Messkanäle für drei Phasen und ist somit ideal für Drehstromsysteme geeignet. Beide Geräte kommunizieren über WLAN (2,4 GHz) und lassen sich per MQTT, CoAP oder über die Shelly Cloud API ansteuern. Sie benötigen also keinen zusätzlichen Hub und können direkt in Home Assistant, Alexa oder Google Home eingebunden werden. Während der EM rund 30–40 € kostet, liegt der 3EM preislich bei etwa 59 € – der Aufpreis ist also überschaubar, bringt aber entscheidende Vorteile bei dreiphasiger Nutzung.

Installation und Einrichtung in der Praxis

Die Montage beider Geräte erfolgt auf der Hutschiene im Sicherungskasten. Beim Shelly EM werden L und N der zu messenden Leitung an die Versorgungsklemmen angeschlossen, um die Spannungsreferenz zu erhalten. Anschließend führt man den Außenleiter jedes zu überwachenden Stromkreises durch den entsprechenden Stromwandler (50 A oder optional 120 A). Diese CTs werden dann in die Eingänge A1 und A2 gesteckt. Beim 3EM geschieht das analog – allerdings mit drei CTs für L1, L2 und L3. Nach dem Anschluss wird das Gerät über die Sicherung eingeschaltet und startet mit einem eigenen WLAN-Access-Point. Über die Weboberfläche oder die Shelly-App verbindet man es mit dem heimischen WLAN. Besonders praktisch: Beide Geräte können direkt über die lokale IP-Adresse konfiguriert werden, was eine komplett cloudfreie Nutzung erlaubt. Für die Integration in Home Assistant genügt es, die Shelly-Integration zu aktivieren. Die Geräte werden automatisch erkannt und liefern Sensorwerte für Spannung, Strom, Leistung und Energie. Mit dem Energy Dashboard lassen sich daraus übersichtliche Verbrauchsstatistiken erstellen. Wer tiefer einsteigen möchte, kann mit Utility Meter-Entitäten Tages-, Wochen- oder Monatsverbräuche erfassen und Automationen auf Basis von Verbrauchsdaten erstellen.

Vergleich der Funktionen und Anwendungsfälle

Um den Unterschied zwischen Shelly EM und 3EM greifbar zu machen, lohnt sich ein direkter Vergleich:

Merkmal Shelly EM Shelly 3EM
Phasen 1 (2 Messkanäle) 3 (3 Messkanäle)
Max. Strom pro Kanal 120 A 120 A
Relaisausgang Ja (max. 2 A) Nein
Kommunikation WLAN, MQTT, Webhooks WLAN, MQTT, Webhooks
Preis (ca.) 30–40 € 59 €
Typische Nutzung Einphasige Stromkreise, einzelne Verbraucher Dreiphasige Hausanschlüsse, PV-Anlagen

In der Praxis bedeutet das: Der Shelly EM eignet sich hervorragend für selektive Messungen. Ich nutze ihn beispielsweise, um den Verbrauch meiner Wärmepumpe und meines Kühlgeräts getrennt zu überwachen. Der Shelly 3EM hingegen ist prädestiniert, wenn man das gesamte Hausnetz erfassen möchte – also alle drei Phasen gleichzeitig. Auch für Photovoltaik-Betreiber ist er interessant, da er Bezug und Einspeisung getrennt je Phase messen kann.

Automatisierung und Integration in Home Assistant

Beide Geräte lassen sich hervorragend in Home Assistant integrieren. Der EM bietet hier durch sein integriertes Relais zusätzliche Möglichkeiten. So lassen sich einfache Lastmanagement-Szenarien direkt umsetzen, ohne zusätzliche Aktoren. Ein Beispiel: Wird eine bestimmte Leistungsgrenze überschritten, kann das Relais ein Schütz ansteuern und damit einen Verbraucher wie den Warmwasserboiler abschalten. Ein typisches Setup sieht so aus:

  • Auslöser: Sensor „Gesamtverbrauch“ > 3500 W
  • Aktion: Schalte das Relais des Shelly EM aus

Damit lässt sich in Spitzenlastzeiten Energie sparen und das Stromnetz entlasten. Beim 3EM fehlt zwar das Relais, dafür liefert er durch seine drei Kanäle ein vollständiges Bild des Energieflusses im Haus. Mit etwas Automatisierungslogik kann man daraus komplexe Szenarien ableiten – etwa die PV-Einspeisung mit dem Eigenverbrauch abgleichen oder Tarife für unterschiedliche Tageszeiten berücksichtigen. Beide Geräte unterstützen MQTT und Webhooks, was sie ideal für lokale und offene Smart-Home-Setups macht. In Kombination mit Home Assistant lassen sich daraus nahezu beliebige Szenarien ableiten, vom automatischen Lastabwurf bis hin zur Defektüberwachung einzelner Geräte.

Vor- und Nachteile im direkten Vergleich

Jedes System hat seine Stärken und Schwächen. Beim Shelly EM ist es vor allem der günstige Preis und das integrierte Relais, das ihn zu einer flexiblen Lösung für Einphasen-Systeme macht. Der Shelly 3EM punktet dagegen mit seiner Fähigkeit, dreiphasige Anlagen vollständig zu erfassen. Vorteile Shelly EM:

  • Günstig und kompakt
  • Zwei Messkanäle für getrennte Verbraucher
  • Relaisausgang für Laststeuerung
  • Einfache WLAN-Integration ohne Hub

Nachteile Shelly EM:

  • Nur einphasig (nicht für Drehstrom geeignet)
  • Relais nur bis 2 A belastbar
  • Erfordert Fachwissen bei der Installation

Vorteile Shelly 3EM:

  • Dreiphasige Messung für ganze Hausnetze
  • Ideal für PV-Anlagen und Gesamtverbrauch
  • Lokale Speicherung bis zu 365 Tage
  • Offene API und Home Assistant-Integration

Nachteile Shelly 3EM:

  • Kein Relaisausgang
  • Etwas teurer

In Summe ist der 3EM die bessere Wahl für umfassende Energieanalysen, während der EM perfekt für gezielte Messungen und Steuerungen einzelner Verbraucher ist.

Zukunftssicherheit und aktuelle Entwicklungen

Mit den aktuellen Gen3- und Gen4-Modellen hat Shelly seine Gerätefamilie stark erweitert. Der EM in der Gen3-Version bietet mehr Speicher, Bluetooth und Matter-Kompatibilität über Bridge-Lösungen. Der 3EM wird in der Pro-Serie weiterentwickelt und unterstützt Scripting sowie erweiterte Automatisierungsfunktionen. Besonders spannend finde ich die Integration in Home Assistant’s Energy Dashboard – hier lassen sich Verbrauch, Einspeisung und Eigenverbrauch elegant visualisieren. Durch die Matter-Integration werden Shelly-Geräte künftig noch universeller einsetzbar. Wer also ein langfristig kompatibles System aufbauen möchte, ist mit den aktuellen Modellen gut aufgestellt. Gerade im Hinblick auf PV-Optimierung, Lastmanagement und Eigenverbrauchssteuerung wächst die Bedeutung solcher Energiezähler im Smart Home enorm.

Für mich als Smart-Home-Enthusiasten ist klar: Beide Geräte haben ihre Daseinsberechtigung. Der Shelly EM ist die richtige Wahl, wenn man einzelne Verbraucher oder Stromkreise überwachen und vielleicht sogar direkt steuern möchte. Der Shelly 3EM hingegen ist unschlagbar, sobald man das gesamte Hausnetz oder eine Photovoltaikanlage im Blick haben will. Wer Wert auf umfassende Datenerfassung legt, wählt den 3EM. Wer gezielt messen und automatisieren will, ist mit dem EM bestens beraten. In jedem Fall sind beide Geräte eine solide Basis für mehr Transparenz und Effizienz im eigenen Smart Home.

Wenn du dein Smart Home um eine präzise Energieüberwachung erweitern möchtest, lohnt sich ein Blick auf beide Geräte. Wähle das Modell, das zu deiner Installation passt – und starte deine nächste Automatisierung mit Home Assistant!

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