Shelly EM: Stromkreise überwachen und Energieverbrauch analysieren

Ich erinnere mich noch gut an den Moment, als ich zum ersten Mal meinen Energieverbrauch im Detail sehen konnte. Nicht die bloße Zahl auf der Stromrechnung, sondern live – Raum für Raum, Gerät für Gerät. Gerade bei einem voll ausgestatteten Smart Home ist das Wissen um den tatsächlichen Verbrauch Gold wert. Der Shelly EM hat mir dabei geholfen, den Überblick zu behalten und sogar gezielt Automationen zur Verbrauchsoptimierung umzusetzen. In diesem Artikel zeige ich dir, wie du den Shelly EM installierst, in dein Smart Home integrierst und welche praktischen Möglichkeiten sich daraus ergeben – von der einfachen Verbrauchsanalyse bis hin zum automatischen Lastmanagement.

Was ist der Shelly EM und wann lohnt sich der Einsatz?

Der Shelly EM ist ein kompakter, einphasiger Zweikanal-Energiezähler von Allterco (Shelly), der über WLAN kommuniziert und speziell für die Hutschienenmontage konzipiert wurde. Über zwei externe Stromwandler (CTs) misst er Stromstärke, Spannung, Wirkleistung und Scheinleistung – also genau die Werte, die man zur detaillierten Verbrauchsanalyse benötigt. Das Gerät kann mit Stromwandlern bis 120 A betrieben werden und eignet sich damit sowohl für typische Haushaltsstromkreise als auch für Hauptversorgungen. Ein integriertes Relais (max. 2 A) erlaubt sogar die Steuerung eines externen Schützes, etwa um bei Lastspitzen Verbraucher abzuschalten. Typische Einsatzszenarien:

  • Überwachung einzelner Stromkreise (z. B. Küche, Heizung, Büro)
  • Gesamtverbrauchsmessung am Hausanschluss
  • Vergleich von Netzbezug und PV-Erzeugung
  • Fehlerdiagnose (z. B. defekter Kühlschrank, ungewöhnlicher Dauerverbrauch)

Mit einem Preis von rund 30–40 € ist der Shelly EM deutlich günstiger als viele Industrielösungen, bietet aber dank offener Schnittstellen (MQTT, REST, Webhooks) und direkter Home-Assistant-Integration ein hohes Maß an Flexibilität.

Installation und Einrichtung des Shelly EM

Bevor du mit der Installation beginnst, gilt wie immer: Arbeiten am Sicherungskasten gehören in fachkundige Hände. Wer sich das nicht zutraut, sollte einen Elektriker hinzuziehen.

Montage im Schaltschrank

Der Shelly EM wird einfach auf die Hutschiene gesetzt. Die Versorgung erfolgt über L und N der zu messenden Leitung. Die beiden mitgelieferten Stromwandler werden um die Außenleiter der zu überwachenden Kreise gelegt – Pfeilrichtung beachten! – und dann in die Eingänge A1 bzw. A2 gesteckt. Soll das integrierte Relais zur Steuerung eines Kontaktors verwendet werden, wird dieser an den Relaisausgang angeschlossen (max. 2 A Schaltstrom).

Erstkonfiguration

Nach dem Einschalten startet der Shelly als eigener WLAN-Access-Point. Verbinde dich mit diesem Netzwerk und öffne die Weboberfläche oder die Shelly-App. Dort kannst du dein Heim-WLAN (2,4 GHz) hinterlegen und weitere Parameter wie den CT-Typ konfigurieren.

Integration in Home Assistant

Sobald der Shelly im Heimnetz erreichbar ist, erkennt ihn Home Assistant meist automatisch. Alternativ lässt er sich über die IP-Adresse manuell hinzufügen. Danach stehen Sensoren für Spannung, Strom, Leistung und Energieverbrauch zur Verfügung. Im Energy Dashboard von Home Assistant kannst du diese Sensoren direkt als Energiezähler einbinden oder mit Utility-Meter-Entitäten Tages- und Monatsverbräuche erfassen.

Datenanalyse und Energieoptimierung

Mit den gewonnenen Messwerten lassen sich nicht nur schöne Diagramme zeichnen – sie liefern echte Entscheidungsgrundlagen. Ich nutze die Daten meines Shelly EM beispielsweise, um zu erkennen, wann bestimmte Geräte besonders viel Energie ziehen oder ob sich die Photovoltaik-Anlage gerade lohnt.

Home Assistant Energy Dashboard

Hier laufen alle Verbrauchsdaten zusammen. Durch die Kombination mit Utility-Metern lassen sich Tages-, Wochen- und Monatsverbräuche erfassen und grafisch darstellen. Besonders hilfreich ist das, wenn man mehrere Shelly-EM-Kanäle nutzt, etwa für Hausnetz und PV-Anlage.

Automatisierungen auf Basis von Energieverbrauch

Mit den Sensorwerten kannst du Automationen definieren, etwa:

  • Lastwarnung bei Überschreitung eines Grenzwerts
  • Automatische Abschaltung nicht benötigter Verbraucher
  • Erkennung von Leerlauf oder Gerätefehlern

Ein Beispiel: Wenn der Gesamtverbrauch über 3500 W steigt, schaltet Home Assistant über das Relais des Shelly EM einen angeschlossenen Boiler ab. So vermeidest du Lastspitzen und verteilst die Energie sinnvoller.

Praktische Mini-Projekte mit dem Shelly EM

Ich möchte dir zwei Projekte zeigen, die bei mir im Alltag wirklich funktionieren – und die du ohne großen Aufwand nachbauen kannst.

1. Automatisches Lastmanagement

Ziel: Wenn der Gesamtverbrauch über 3500 W steigt, soll ein Verbraucher (z. B. Warmwasserboiler) automatisch abgeschaltet werden.

  1. Shelly EM an der Hauptversorgung installieren und CT korrekt ausrichten.
  2. Boiler über ein externes Schütz an den Relaisausgang des Shelly anschließen.
  3. In Home Assistant eine Automation anlegen:

    Auslöser: sensor.gesamtleistung > 3500
    Aktion: switch.turn_off: switch.shelly_em_relais

  4. Testen, indem du mehrere Verbraucher einschaltest – der Boiler sollte automatisch abgeschaltet werden, sobald die Grenze erreicht ist.

2. Kühlschrank-Defektwarnung

Ziel: Überwachen, ob der Kühlschrank läuft. Wenn der Stromverbrauch über längere Zeit unter 5 W liegt, wird eine Warnung gesendet.

  1. Shelly EM am Stromkreis des Kühlschranks installieren (CT nur auf die Kühlphase).
  2. In Home Assistant neuen Sensor sensor.kuehlschrank_power einbinden.
  3. Automation definieren:

    Auslöser: sensor.kuehlschrank_power < 5 für 10 Minuten (Uhrzeit 6–23 Uhr)
    Aktion: Push-Benachrichtigung „Kühlschrank scheint aus zu sein“

  4. Optional: Weitere Regel für ungewöhnlich hohen Verbrauch während Defrost-Phasen.

Kosten, Vor- und Nachteile

Ein großer Vorteil des Shelly EM ist das Preis-Leistungs-Verhältnis. Für rund 30–40 € erhältst du ein Gerät, das zwei Kanäle gleichzeitig überwachen kann – inklusive WLAN, Cloud-API und Relaissteuerung.

Kostenübersicht

Zum Vergleich: Professionelle Smart-Meter-Systeme mit Z-Wave oder KNX liegen oft bei mehreren hundert Euro.

Vorteile

  • Offene Schnittstellen (MQTT, Webhooks, REST)
  • Direkte Integration in Home Assistant
  • Interne Datenspeicherung bis zu 365 Tage
  • Relais zur Schützsteuerung integriert
  • Zwei Kanäle – ideal für Split-Messungen (Netz/PV)

Nachteile

  • Nur einphasig (für drei Phasen: Shelly 3EM oder Pro3EM)
  • WLAN-Abhängigkeit
  • Installation erfordert Fachkenntnisse
  • Relais nur für Steuersignale (max. 2 A)
  • Nicht eichrechtskonform

Troubleshooting und Support

Wenn der Shelly EM nicht wie erwartet funktioniert, gibt es meist einfache Lösungen.

WLAN-Probleme

Stelle sicher, dass ein stabiles 2,4 GHz-Netz vorhanden ist. Falls der Shelly nicht erreichbar ist, hilft oft eine feste IP-Adresse im Router. In der Weboberfläche kannst du die Netzwerkeinstellungen prüfen.

Messfehler

Achte auf die korrekte Polung der Stromwandler (Pfeilrichtung beachten) und wähle in der App den passenden CT-Typ aus. Falsche Werte resultieren häufig aus vertauschten Leitungsrichtungen.

Home-Assistant-Integration

Falls die automatische Erkennung fehlschlägt, prüfe Firmware-Version und MQTT/CoAP-Einstellungen. Alternativ lässt sich der Shelly per IP manuell einbinden.

Netzausfall

Auch bei WLAN- oder Stromausfall speichert der Shelly EM seine Messdaten lokal bis zu 365 Tage. Nach Wiederherstellung der Verbindung werden die Daten synchronisiert.

Support

Hilfreiche Ressourcen sind die Shelly Knowledge Base, das offizielle Forum und die Home-Assistant-Community – dort findet man viele Beispiele und Tipps aus der Praxis.

Aktuelle Entwicklungen und Zukunftsperspektive

Shelly hat in den letzten Jahren stark in die Weiterentwicklung seiner Gerätefamilie investiert. Die neuen Gen3- und Gen4-Modelle verfügen über mehr Speicher, Bluetooth und Matter-Kompatibilität. Damit lassen sich Shelly-Geräte künftig auch in HomeKit– oder Matter-Umgebungen einbinden – ein wichtiger Schritt für Nutzer, die auf herstellerübergreifende Standards setzen. Besonders spannend ist die Integration in das Home Assistant Energy Dashboard: Hier fügt sich der Shelly EM nahtlos ein und erlaubt eine ganzheitliche Betrachtung von Energieflüssen – ideal für PV-Eigenverbrauchsoptimierung oder das Monitoring von Wallboxen. Mit Blick auf steigende Strompreise wird das Thema Energie-Monitoring in Smart Homes weiter an Bedeutung gewinnen. Der Shelly EM ist dafür ein praxisnahes Werkzeug, das sich hervorragend in bestehende Systeme integrieren lässt.

Für mich ist der Shelly EM eines der nützlichsten Smart-Home-Werkzeuge überhaupt. Er liefert nicht nur präzise Messdaten, sondern eröffnet ganz neue Automatisierungs- und Optimierungsmöglichkeiten. Ob du den Gesamtverbrauch deines Hauses im Blick behalten oder gezielt einzelne Verbraucher überwachen willst – mit etwas Konfigurationsaufwand bekommst du ein leistungsfähiges System, das dir langfristig hilft, Energie und Kosten zu sparen. Gerade in Kombination mit Home Assistant entfaltet der Shelly EM sein volles Potenzial: transparent, flexibel und zuverlässig.

Wenn du mehr über die Integration von Shelly-Geräten in Home Assistant oder Homematic erfahren möchtest, findest du auf technikkram.net zahlreiche Praxisbeiträge und Schritt-für-Schritt-Anleitungen rund um das Thema Smart Home DIY.

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