Homematic IP im Vergleich mit Shelly und Arduino – Welches System passt zu deinem Smart Home?

Wenn man wie ich sein Zuhause Stück für Stück in ein intelligentes Smart Home verwandelt, steht man früher oder später vor einer entscheidenden Frage: Welches System soll die Basis bilden? Homematic IP, Shelly oder doch ein selbstgebautes Arduino-System? Ich habe alle drei Varianten über die letzten Jahre intensiv im Einsatz gehabt – von der einfachen LED-Steuerung bis zur komplexen Automation mit Home Assistant. In diesem Artikel vergleiche ich die Systeme aus praktischer Sicht: Einrichtung, Kosten, Flexibilität, Zuverlässigkeit und Zukunftssicherheit. Keine theoretischen Datenblätter, sondern echte Erfahrungen aus dem Alltag eines Smart-Home-Bastlers.

Technische Grundlagen und Systemarchitektur

Wer Smart Home ernsthaft betreibt, sollte das Fundament seines Systems verstehen. Hier unterscheiden sich Homematic IP, Shelly und Arduino grundlegend. Homematic IP arbeitet im 868-MHz-Funkband, entwickelt von eQ-3. Diese Frequenz ist speziell für Smart-Home-Anwendungen optimiert – wenig störanfällig, bidirektional und mit hoher Reichweite. Das System benötigt eine zentrale Einheit, etwa den Homematic IP Access Point🛒 oder die CCU3. Die Kommunikation läuft wahlweise über die Cloud oder lokal, je nach Zentrale. Geräte wie Fensterkontakte, Bewegungsmelder oder Heizkörperthermostate sind direkt in das System eingebunden. Shelly-Geräte hingegen nutzen WLAN (802.11 b/g/n). Der Vorteil: keine Zentrale nötig, einfache Integration in bestehende Netzwerke. Ein Shelly 1🛒 kann beispielsweise direkt per App, MQTT oder HTTP-Befehl geschaltet werden. Damit sind Shellys extrem flexibel, jedoch auch auf ein stabiles WLAN angewiesen. Arduino ist kein fertiges Smart-Home-System, sondern eine offene Mikrocontroller-Plattform. Man hat völlige Freiheit, aber auch die volle Verantwortung. Mit Boards wie dem ESP32 oder ESP8266 kann man WLAN und Bluetooth nutzen, um eigene Sensoren und Aktoren zu integrieren. Das bedeutet: maximale Flexibilität, aber auch mehr Aufwand bei der Programmierung und Wartung. In der Praxis ergibt sich so ein klarer Dreiklang: Homematic IP steht für Stabilität und Komfort, Shelly für schnelle WLAN-basierte Integration, und Arduino für DIY-Freiheit ohne Grenzen.

Installation und Einrichtung im Vergleich

Homematic IP punktet hier mit Benutzerfreundlichkeit. Der Access Point wird per LAN oder WLAN verbunden, über die App eingerichtet und ist in wenigen Minuten betriebsbereit. Sensoren und Aktoren lassen sich per QR-Code einlernen. Für fortgeschrittene Nutzer bietet die CCU3 oder RaspberryMatic lokale Steuerung und Integration in Home Assistant. Shelly-Geräte sind ähnlich einfach zu installieren, benötigen aber eine manuelle WLAN-Konfiguration. Über die Weboberfläche oder App kann man sie direkt ins Heimnetz einbinden. Die Integration in Home Assistant erfolgt über die native Shelly-Integration oder MQTT. Arduino verlangt etwas mehr Handarbeit. Nach der Installation der Arduino IDE wird das Board (z. B. ESP32) über USB angeschlossen. In der IDE wählt man das Board und den Port aus, programmiert einen Sketch (z. B. für LED-Steuerung) und lädt ihn hoch. Komponenten wie LEDs, Widerstände oder Sensoren werden auf dem Breadboard verdrahtet. Die Verbindung zu Home Assistant erfolgt meist über MQTT oder HTTP. In der Praxis gilt: Homematic IP ist Plug-and-Play, Shelly ist DIY-light, und Arduino ist echtes DIY mit Lötkolben und Code.

Kosten und Budgetplanung

Preislich unterscheiden sich die Systeme deutlich – und zwar nicht nur bei der Anschaffung, sondern auch im laufenden Betrieb.

Komponente Homematic IP Shelly Arduino
Zentrale Access Point ca. 50 € nicht erforderlich nicht erforderlich
Einzelaktor ca. 50–60 € ca. 15–25 € Bauteile ab 5–10 €
LED-Steuerung RGBW-Controller ca. 60 € über Shelly RGBW2🛒 ca. 30 € WS2812B + ESP32 ca. 20 €
Software App kostenlos App kostenlos Arduino IDE kostenlos

Für ein Basis-Setup mit Homematic IP (Access Point, Bewegungsmelder, Schaltaktor) landet man schnell bei 150–200 €. Shelly-Setups sind deutlich günstiger, da kein Gateway notwendig ist. Arduino ist in der Anschaffung unschlagbar günstig, setzt aber Know-how voraus. Wer ohnehin einen Raspberry Pi für Home Assistant besitzt, kann alle drei Systeme kombinieren und so das Beste aus allen Welten herausholen.

Flexibilität, Integration und Automatisierung

Hier spielt Home Assistant seine Stärke aus – er vereint Homematic IP, Shelly und Arduino unter einer Oberfläche. Ich nutze diese Kombination selbst und kann sagen: Die Integration läuft reibungslos, wenn man sie einmal verstanden hat. Mit Homematic IP erhält man zuverlässige Sensoren und Aktoren, die über Home Assistant logisch verknüpft werden. Beispiel: Wenn der Homematic IP Bewegungsmelder🛒 auslöst, sendet Home Assistant ein MQTT-Signal an den Arduino, der dann eine LED aktiviert. Shelly-Geräte lassen sich direkt über MQTT oder REST-API ansteuern. Sie reagieren schnell, benötigen jedoch eine stabile WLAN-Verbindung. Ideal für Steckdosen, Lichtschalter oder RGBW-LEDs. Arduino übernimmt die kreative Seite: eigene Sensoren, LED-Animationen oder Spezialfunktionen. In meinen Projekten steuert Arduino per MQTT LEDs, wenn Homematic-IP-Sensoren auslösen. Diese Kombination ist unschlagbar, wenn man Automationen jenseits der Standard-App möchte. Die typische Logik sieht so aus:

Wenn Bewegungsmelder AN und Helligkeit < 20 Lux → LED-Streifen EIN (Arduino via MQTT)

Damit lassen sich komplexe Szenarien abbilden – etwa Stimmungslichter, Nachtbeleuchtung oder Anwesenheitssimulationen.

Vor- und Nachteile im direkten Vergleich

Kriterium Homematic IP Shelly Arduino
Einrichtung Sehr einfach (App-basiert) Einfach (Web/App) Komplex (IDE, Programmierung)
Flexibilität Begrenzt auf eQ-3-Ökosystem Offen (MQTT, HTTP) Komplett offen
Cloud-Abhängigkeit Ja, bei Access Point Nein (lokal möglich) Nein
Zuverlässigkeit Sehr hoch Gut (abhängig vom WLAN) Abhängig vom Aufbau
Community & Support Gut (Hersteller & Foren) Sehr aktiv Extrem groß (Open Source)
Lernfaktor Mittel Hoch Sehr hoch

Homematic IP überzeugt durch Stabilität und Integrationstiefe, Shelly durch Offenheit und Preis, Arduino durch grenzenlose Anpassbarkeit. Wer auf Zuverlässigkeit setzt, greift zu Homematic IP. Wer basteln möchte, nimmt Arduino. Und wer etwas dazwischen sucht, landet bei Shelly.

Zukunftssicherheit und aktuelle Entwicklungen

Im Jahr 2024/2025 tut sich einiges bei Homematic IP: eQ-3 hat auf der Light+Building eine neue Home Control Unit vorgestellt – sie kann komplett lokal arbeiten, unterstützt Plugins und sogar EEBUS für Energiemanagement. Außerdem kommt ein neues RGBW-Lightstrip-Set, das dynamische Lichtszenen ermöglicht. Für 2025 ist der Homematic IP Access Point🛒 2 angekündigt – mit neuem Design, Unterstützung für bis zu 120 Geräte und weiterhin Cloud-Anbindung. Bei Shelly bleibt der Trend klar in Richtung Offenheit: Neue Geräte unterstützen standardmäßig MQTT und REST, viele können lokal ohne Cloud betrieben werden. Arduino bleibt durch seine offene Architektur ohnehin zukunftssicher. Die Community wächst weiter, und mit Boards wie dem ESP32-S3 wird die Leistung immer größer. Zudem lässt sich Arduino perfekt mit Home Assistant kombinieren – damit wird es nie veraltet. Wer also langfristig plant, kann mit Homematic IP auf Stabilität, mit Shelly auf Flexibilität und mit Arduino auf kreative Freiheit setzen.

Praxisbeispiele: Drei Projekte im Vergleich

Projekt 1: Bewegungslicht mit Homematic IP und Arduino
Ein Homematic-IP-Bewegungsmelder im Flur löst über Home Assistant eine MQTT-Nachricht aus. Der Arduino empfängt sie und aktiviert einen WS2812B-LED-Streifen. Nach 30 Sekunden schaltet sich das Licht automatisch aus. Projekt 2: Zeitgesteuertes Stimmungslicht mit Shelly
Ein Shelly RGBW2🛒 steuert abends automatisch ein LED-Band. Über Home Assistant läuft eine Automation: Sonnenuntergang → Farbwechsel. Kein zusätzlicher Controller nötig, alles per WLAN. Projekt 3: Individuelles LED-Projekt mit Arduino
Hier übernimmt Arduino komplett die Kontrolle: Farbwechsel, Animationen, Dimmersteuerung. Die Kommunikation läuft über MQTT, gesteuert von Home Assistant. Perfekt für kreative Lichtdesigns oder spezielle Effekte. Alle drei Projekte zeigen: Die Systeme lassen sich hervorragend kombinieren. Homematic IP liefert die Sensorik, Shelly oder Arduino die Aktorik – Home Assistant verbindet alles zu einem harmonischen Smart Home.

Troubleshooting und Support

In der Praxis läuft selten alles sofort perfekt. Hier ein paar Tipps aus meiner Erfahrung:

  • Arduino: Wenn LEDs nicht reagieren, prüfe Verkabelung, Widerstände und Ports. Teste mit einem einfachen Blink-Sketch.
  • Homematic IP: Bei Problemen mit der App-Verbindung hilft oft ein Neustart des Access Points oder das erneute Anlernen der Geräte.
  • Shelly: Achte auf stabile WLAN-Verbindungen. Wenn Geräte nicht erreichbar sind, prüfe die IP-Adressvergabe oder Router-Einstellungen.
  • Home Assistant: Nutze die Log-Funktion, um MQTT-Fehler oder Automationsprobleme zu erkennen.

Die Communities aller drei Systeme sind sehr aktiv. Besonders hilfreich sind das Homematic-Forum, die Home-Assistant-Community und Arduino.cc. Wer strukturiert vorgeht, bekommt jedes Problem gelöst.

Nach vielen Jahren Smart-Home-Erfahrung kann ich sagen: Es gibt kein perfektes System – aber die perfekte Kombination. Homematic IP liefert Stabilität, Shelly bringt Offenheit, und Arduino erlaubt grenzenlose Kreativität. In Verbindung mit Home Assistant entsteht ein leistungsfähiges, zukunftssicheres Smart Home, das genau das tut, was du willst – nicht, was der Hersteller erlaubt. Mein persönlicher Tipp: Starte mit Homematic IP als Basis, ergänze Shelly für flexible WLAN-Komponenten und nutze Arduino für Spezialprojekte. So kombinierst du das Beste aus allen Welten – sicher, offen und individuell.

Wenn du tiefer in die Kombination aus Homematic IP, Shelly und Arduino einsteigen willst, findest du auf technikkram.net zahlreiche Schritt-für-Schritt-Anleitungen und Projektideen für dein eigenes Smart Home.

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