Adaptive Sound-Technologien: Wie Teufel & Sony deinen Hörraum erkennen
Kennst du das? Du richtest dein Heimkino liebevoll ein, platzierst Lautsprecher millimetergenau und trotzdem klingt der Ton in jeder Ecke anders. Ich habe das in meinem eigenen Smart Home mehrfach erlebt – der Bass dröhnt am Sofa, während er in der Küche kaum hörbar ist. Genau hier setzen adaptive Sound-Technologien an. Sie erkennen deinen Raum, analysieren die Akustik und passen das Klangbild automatisch an. Das Ergebnis: ein präziser, raumfüllender Sound – unabhängig davon, wo du sitzt. In diesem Artikel schauen wir uns an, wie Sony und Teufel diesen Ansatz technisch umsetzen, welche Verfahren dahinterstecken und wie du das Beste aus deinem Setup herausholst.
Was Adaptive Sound-Technologien leisten
Der Grundgedanke hinter adaptiven Sound-Systemen ist simpel, aber technisch anspruchsvoll: Der Klang soll sich an den Raum anpassen – nicht umgekehrt. In der Praxis bedeutet das, dass das System die Raumantwort misst und das Audiosignal in Echtzeit korrigiert. Mithilfe von Messmikrofonen – integriert in Fernbedienungen, Smartphones oder direkt in der Soundbar – werden Testtöne wie Sinus-Sweeps oder Rauschen abgespielt. Diese reflektieren an Wänden, Möbeln und Fenstern. Das Mikrofon zeichnet die Antwort auf, und ein Digital Signal Processor (DSP) berechnet daraus Korrekturfilter. Diese Filter gleichen Frequenzgang, Laufzeit und Pegelunterschiede aus. So verschwinden störende Raummoden oder Echoeffekte und der Klang bleibt konsistent – egal, wo du sitzt. In meinem Studio-Setup habe ich diesen Effekt besonders deutlich gehört: Vor der Kalibrierung war der Bass in der Raummitte überbetont. Nach der automatischen Anpassung war das Klangbild deutlich ausgeglichener – und das ohne manuelles Equalizer-Tuning.
Sony Acoustic Auto Calibration & Sound Field Optimization
Sony hat mit seiner Acoustic Auto Calibration ein System entwickelt, das auf Einfachheit und Präzision setzt. Besonders spannend: Das Mikrofon in der Voice-Fernbedienung dient hier als Messinstrument. Damit entfällt zusätzliches Zubehör – ein Pluspunkt für Nutzer, die keine Lust auf Kabelsalat haben.
- Im Menü des Fernsehers oder der Soundbar wählst du Akustik-Autokalibrierung.
- Die Fernbedienung wird auf Ohrhöhe am Hörplatz gehalten.
- Das System spielt Testtöne ab, misst den Raum und korrigiert Frequenzen sowie Laufzeiten automatisch.
Nach der Messung wird das Ergebnis als Sound Field Optimization gespeichert. Besonders bei Modellen wie der HT-A7000 sorgt das für ein beeindruckend homogenes Klangbild. Ich habe bei einer Installation erlebt, wie der Unterschied zwischen unkalibriertem und eingemessenem Zustand vor allem bei Dialogen in Filmen deutlich wurde – Stimmen waren klarer, räumlicher und weniger von Reflexionen überlagert. Die Kombination aus HDMI eARC und Sonys Raumkorrektur sorgt außerdem dafür, dass Atmos- oder DTS:X-Signale präzise im Raum platziert werden. Das System kompensiert sogar leichte Asymmetrien in der Lautsprecheraufstellung – praktisch, wenn das Sofa nicht exakt mittig steht.
Teufel Wellenfeld- und Dynamore-Technologien
Während Sony den Weg über Mikrofonmessungen geht, verfolgt Teufel mit seinen Wellenfeld-Modi und Dynamore® Ultra einen anderen Ansatz. Hier wird der Raumklang algorithmisch verbreitert – ohne dass der Raum aktiv vermessen wird. Die vier Wellenfeld-Modi (Stereo, Arena, Theater, Voice) verändern die Abstrahlcharakteristik der Lautsprecher. So kann man den Klang gezielt an die gewünschte Raumwirkung anpassen:
- Stereo: klassisch, direkt und präzise.
- Arena: breitere Bühne, ideal für Musik.
- Theater: simuliert Surround-Effekte für Filme.
- Voice: hebt Sprachanteile hervor, perfekt für Serien oder Nachrichten.
In meiner Cinebar-Installation habe ich den Voice-Modus schätzen gelernt – gerade bei leisen Abendstunden sorgt er für klare Dialoge, ohne dass der Subwoofer übertreibt. Für immersive Filmabende liefert Arena dagegen ein spürbar größeres Klangvolumen. Die Dynamore® Ultra-Technologie nutzt seitliche Treiber, um virtuelle Surround-Effekte zu erzeugen. Das Ergebnis: ein erstaunlich breites Klangfeld, das sich über den Raum hinaus öffnet – ohne zusätzliche Lautsprecher hinter dem Sofa.
Praktische Anwendung: Raumkalibrierung Schritt für Schritt
Die Theorie ist spannend – aber wie läuft so eine Kalibrierung praktisch ab? Hier zwei typische Szenarien aus meinem Alltag als Tontechnikerin:
Projekt 1: Sony Soundbar einmessen
- Soundbar (z.B. HT-A7000) mittig unter dem TV platzieren und per HDMI eARC verbinden.
- Im Menü Akustik-Autokalibrierung auswählen.
- Fernbedienung auf Ohrhöhe halten, Testtöne abwarten.
- Nach der Messung Klang mit Musik oder Film testen.
Oft reicht eine Messung aus, um den Unterschied deutlich zu hören. Der Bass wirkt straffer, Stimmen sind fokussierter, und Surround-Effekte stehen stabiler im Raum.
Projekt 2: Teufel Raumfeld-System optimieren
- Soundbar mittig aufstellen und ggf. Subwoofer koppeln.
- Über die Fernbedienung oder App zwischen den vier Wellenfeld-Modi wechseln.
- Den persönlichen Favoriten anhand von Musik oder Filmton wählen.
- Feintuning: Subwoofer-Level anpassen, Lautsprecher leicht anwinkeln.
Gerade bei asymmetrischen Räumen lohnt es sich, die Modi mehrfach zu testen. Ich habe festgestellt, dass Arena in offenen Wohnküchen besonders gut funktioniert, während Theater in geschlossenen Räumen die immersivere Wahl ist.
Vor- und Nachteile adaptiver Systeme
Adaptive Sound-Technologien sind ein Segen für viele Setups – aber nicht ohne Kompromisse.
- + Ausgewogener Klang: Automatische Einmessung kompensiert Raummoden und Reflexionen. Die Sprachverständlichkeit steigt, der Frequenzgang wirkt neutraler.
- + Komfort: Nach dem Setup passt sich das System selbstständig an, ohne manuelles Equalizer-Gefummel.
- + Flexibilität: Lautsprecher können freier platziert werden, da Abweichungen softwareseitig korrigiert werden.
- – Messungenauigkeit: Günstige Mikrofone in Fernbedienungen liefern nur eingeschränkte Präzision.
- – Aufwand: Nach jeder Möbelverschiebung sollte neu eingemessen werden.
- – Klangcharakter: Manche empfinden die gefilterte Wiedergabe als zu analytisch. Hier helfen alternative Klangmodi.
Wer das Maximum herausholen will, kombiniert elektronische Korrektur mit akustischen Maßnahmen – also Absorbern, Teppichen oder Vorhängen. In meinem Hörraum hat diese Kombination für das natürlichste Ergebnis gesorgt.
Zukunftsausblick: KI, Sensorik & Selbstoptimierung
Der nächste Evolutionsschritt ist bereits sichtbar: Künstliche Intelligenz und automatische Re-Kalibrierung. Neue Systeme erkennen selbstständig, wenn sich die Raumakustik ändert – etwa durch das Öffnen einer Tür oder das Verschieben eines Sofas. Ein Patentvorschlag beschreibt, dass Geräte künftig regelmäßig Testsignale aussenden, um Veränderungen zu erkennen und die Filter anzupassen. Auch KI-Dialogmodi sind im Kommen, die Sprachfrequenzen dynamisch hervorheben, ohne das Gesamtbild zu verfälschen. Hersteller wie Teufel experimentieren weiterhin mit Wellenfeldsynthese – einer Technologie, die virtuelle Schallquellen im Raum erzeugt. Zwar ist sie für den Heimbereich noch Zukunftsmusik, aber softwareseitig entstehen bereits spannende Prototypen. Mit der wachsenden Integration von HDMI eARC, Dolby Atmos FlexConnect und Multiroom-Plattformen verschmelzen adaptive Systeme zunehmend mit dem gesamten Smart Home. Ich bin überzeugt: In wenigen Jahren wird jeder Lautsprecher wissen, wo er steht – und wie er klingen soll.
Ob Teufel mit seinen cleveren Wellenfeld-Modi oder Sony mit präziser Auto-Kalibrierung – beide Ansätze zeigen, wie weit sich Heim-Audio entwickelt hat. Für mich als Klangenthusiastin bedeutet das weniger Basteln und mehr Genießen. Wer einmal erlebt hat, wie sich der Klang automatisch an den Raum anpasst, möchte nie wieder zurück. Mein Tipp: Nimm dir die Zeit für eine sorgfältige Einmessung oder teste verschiedene Modi. Dein Raum – und deine Ohren – werden es dir danken.
Neugierig geworden? Probiere bei deinem nächsten Filmabend aus, wie sich adaptive Sound-Technologien auf dein Hörerlebnis auswirken. Ob per Sony-Autokalibrierung oder Teufel-Wellenfeld – der Unterschied ist hörbar.










Hinterlasse einen Kommentar
An der Diskussion beteiligen?Hinterlasse uns deinen Kommentar!