Hand auf’s Herz, wer kennt die Multi I/O Box aus der Homematic IP Produktfamilie und kann mir zudem noch erklären, was damit alles machbar ist? Ich habe mich dieser Frage einmal angenommen und das Produkt ausführlich in Kombination mit einem Fußbodenheizungsaktor (HmIP-FAL) getestet. Dabei habe ich mich u.a. mit den folgenden Möglichkeiten auseinandergesetzt:

  • Ansteuerung der Zirkulationspumpe
  • Ansteuerung einer Wärmepumpe mit automatischer Umschaltung Kühlen/Heizen
  • Ansteuerung einer Wärmepumpe inkl. automatischer Abschaltung bei Feuchtigkeitsüberschreitung
  • Anschluss einer externen Zeitschaltuhr
  • Anschluss eines externen Temperaturbegrenzers

Vorstellung der Funktionen HmIP-MIOB

Homematic IP Multi I/O Box, so lautet die vollständige Bezeichnung dieses Produkts. Wir können also schon einmal davon ausgehen, dass hier Eingänge wie auch Ausgänge abgefragt bzw. geschaltet werden können. Gerne möchte ich euch nachfolgend darstellen, wo genau die HmIP-MIOB zum Einsatz kommt:

 

Wichtig: Bitte unbedingt nach der elektrischen Installation ein Firmware-Update der MIOB vornehmen! Der Auslieferungsstand FW 1.0.x scheint nicht ganz fehlerfrei zu sein!

 

Fall 1 – Wärmebedarfssteuerung mit mehreren FALs:

Sofern ihr mit nur einem Fußbodenheizungsaktor HmIP-FAL arbeitet, besteht die Möglichkeit, den ersten Ausgang dieses Fußbodenheizungsaktors zur Wärmebedafssteuerung zu konfigurieren. Das bedeutet, dass die Zirkulationspumpe für den Heizkreisverteiler nur dann aktiv ist, wenn auch wirklich ein Heizbedarf ansteht.

Solltet ihr nun aber bspw. mit zwei Fußbodenheizungsaktoren arbeiten, weil ihr bspw. Erdgeschoss und Obergeschoss getrennt, oder auch einfach mehr Stellventile als Anschlüsse an einer HmIP-FAL installiert habt, so kommt ihr im Fall der Wärmebedarfssteuerung nicht um die HmIP-MIOB herum.

Ausschließlich mit der HmIP-MIOB lassen sich mehrere HmIP-FAL auf eine gemeinsame Wärmebedarfssteuerung zusammenlegen. Dafür wird ein Ausgangskanal (Ausgang 4.1-4.2) an der HmIP-MIOB zur Verfügung gestellt. Hierbei handelt es sich um einen Schaltkontakt, der den Stromkreis zum Kessel oder zur Zirkulationspumpe unterbricht oder auch durchschaltet.

Fall 2 – Betrieb mit einer Wärmepumpe, die Heizen wie auch Kühlen kann

Immer mehr Haushalte werden mit effizienten Wärmepumpen ausgestattet. Diese Wärmepumpen haben den Vorteil, dass Sie nicht nur Wärme ins Haus bringen, sondern bei hohen Außentemperaturen auch einen Kühlbetrieb bieten. Um diesen Kühleffekt in die Räume zu transportieren, werden moderne Fußbodenheizungssysteme benötigt. Merke: Über klassische Radiatoren ist ein Kühlbetrieb hingegen nicht empfehlenswert bzw. effizient.

Die HmIP-MIOB bietet für Kühl- bzw. Heizbetrieb einen Eingang sowie einen Wechselausgang. Am Eingang 1 (6.1-6.2) wird ein sogenanntes „Change Over“ – Signal angelegt. Dieses kann manuell durch einen Schalter kommen (bspw. händisch zwischen Heizen und Kühlen umschalten), aber auch automatisch von einem entsprechenden Außentemperaturfühler. Hierbei wird ab einer bestimmten Temperaturschwelle das „Change Over“ – Signal „ein-“ bzw. „ausgeschaltet“. Um nun auch den Erzeuger, in diesem Fall die Wärmepumpe, in den Kühl- bzw. Heizbetrieb zu schalten, ist ein Wechselausgang (5.1-5.3) vorgesehen. Je nach Kühl- bzw. Heizanforderung wird zwischen 5.1 – 5.2 oder 5.2 – 5.3 durchgeschaltet und damit die Wärmepumpe auf Heizen oder Kühlen angesteuert. Auf dem nachfolgenden Schaltbild hat man hingegen nur den Ausgang 5.1-5.2 verwendet; die eigentliche Umschaltung geschieht dann in der Wärmepumpenansteuerung über ein Relais.

 

Ebenfalls aktiviert die HmIP-MIOB automatisch an allen Wandthermostaten, die mit der HmIP-FAL verknüpft sind, die Heiz- bzw. Kühlprofile. Das bedeutet, dass ihr vorab in den Wandthermostaten ein Profil für Heizen (Profil 1) ablegt, sowie ein Profil für Kühlen (Profil 4). Der Wechsel zwischen den Profilen erfolgt bei „Change over“ – Signal vollautomatisch.

Für diesen Betriebsmodus ist zudem noch ein weiterer Eingang an der HmIP-MIOB für eine Feuchtigkeitsbegrenzung vorgesehen. Sollte es im Kühlbetrieb zu Kondensatbildung kommen, kann ein extern angeschlossener Feuchtigkeitsbegrenzer an Eingang 2 (6.3-6.4) angeschlossen werden, welcher bei einer selbst einzustellenden Feuchtigkeitsschwelle (Im Feuchtigkeitsgeber) den Kühlbetrieb zurückfährt.

 

 

Fall 3 – Luftentfeuchtung durch die MIOB

Sofern ihr keine Wärmebedarfssteuerung durch die HmIP-MIOB benötigt, weil dieses vielleicht schon intern über die HmIP-FAL gelöst wurde, könnt ihr den Ausgangskanal (Ausgang 4.1-4.2) auch zum Anschluss eines Luftentfeuchters verwenden. Hierbei werden in Kombination mit der HmIP-FAL die Feuchtigkeitswerte der Funk-Wandthermostate abgefragt und bei Schwellwertüberschreitung (den ihr selbst in der Software festlegen könnt) der Ausgang 4.1 – 4.2 durchgeschaltet bzw. der Luftentfeuchter angesteuert.

 

 

Fall 4 – Temperaturbegrenzung

Einige von euch kennen eventuell bereits „Übertemperatursensoren„, die bei Fußbodenheizungen häufig im Boden eingelassen werden und den Estrich vor zu hohen Temperaturen schützen sollen. Wer nur mit Funk-Wandthermostaten und einer HmIP-FAL arbeitet, hat keine Möglichkeit, diese Sensoren miteinzubinden. An der HmIP-MIOB hingegen findet ihr auch eine Anschlussoption für einen Temperaturbegrenzer. Am Eingang 1 (6.1-6.2) könnt ihr auch einen solchen Übertemperatur-Sensor anschließen und bei Überschreiten des im Sensors festgelegten Wertes den Heizbetrieb vollautomatisch beenden lassen.

Fall 5 – Externe Schaltzeituhr

Die letzte Anschlussmöglichkeit, die ich euch hier vorstellen möchte, ist die „externe Schaltzeituhr“. Sofern bereits eine Zeitschaltuhr (bspw. für die Nachtabsenkung) verbaut ist, könnt ihr diese (muss potentialfreien Schaltausgang bieten) an Eingang 1 (6.1-6.2) der HmIP-MIOB betreiben. Sobald das Signal der Schaltzeituhr kommt, gehen von euch definierte Räume oder Wandthermostate in den Absenkbetrieb.

Programmierung der HmIP-MIOB

Da die Programmierung der HmIP-MIOB in CCU2/3 sowie Access Point nicht nur sehr unterschiedlich abläuft, sondern auch noch recht komplex ist, werde ich dieses in zwei weiteren Berichten (CCU sowie Access Point) für euch zusammenfassen. Sofern ihr in der Zwischenzeit Fragen hierzu habt, könnt ihr mich diese aber natürlich gerne als Kommentar dalassen.

 

Link zur Einrichtung an einem HmIP Access Point: Klicke hier

Fazit

Ich hatte mich früher, wie auch die meisten anderen Homematic User, nicht mit der HmIP-MIOB auseinandergesetzt… Nun musste ich allerdings feststellen, dass gerade in modernen Haushalten, in denen bspw. Wärmepumpen zum Einsatz kommen, eigentlich eine MIOB zum Pflichtprogramm gehört. Die für mich wichtigsten Features sind ganz klar:

 

– Ansteuerung der Zirkulationspumpe (wenn mehr als eine HmIP-FAL im Einsatz ist!)

– Anschlussmöglichkeit eines Temperaturbegrenzers zum Schutz des Estrichs

– Automatisches Umstellen zwischen Heiz- und Kühlbetrieb mit einer geeigneten Wärmepumpe

 

Ich durfte dieses Jahr im Hochsommer tatsächlich bei einem Freund den Kühleffekt einer solchen „Fußbodenheizung“ beobachten. Eine tolle Sache; kommt zwar nicht an eine Klimaanlage heran, sorgt aber schon für eine angenehmere Temperatur.

Ich hoffe, ich konnte euch hiermit einen kleinen Einblick in die Funktionen der sonst so stiefmütterlich behandelten HmIP-MIOB geben. Eventuell findet ihr ja auch den ein oder anderen Anwendungsfall :)

Viele Grüße

Michael

6 Kommentare
  1. Avatar
    Matthias Marx sagte:

    Hi,

    Ich baue gerade ein neues Einfamilienhaus und bin bei der Suche auf deine Seite gestoßen. Ich habe bereits viele HomeMatic Kompenten im Einsatz.

    Nun bin ich vor eine Herausforderung gestoßen, da meine Wärmepumpe automatisch vom Heiz- in den Kühlbetrieb wechseln kann. Die bisher geplante Klemmleiste sieht zudem 2 Kanäle zu den Wandthermostaten vor: für die Regelung selbst und das Signal für Heizen bzw. kühlen.

    Sehe ich das richtig dass ich den Eingang der Multibox auf die Klemmleiste anschließen kann und somit die Thermostate automatisch von Heizen in Kühlen und umgekehrt umschalten kann?
    Oder benötige ich auch eine neue Klemmleiste?

    Danke

    Gruss

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  2. Avatar
    Paul S. sagte:

    Interessanter Beitrag,
    genau die darin beschriebene Situation, zwei FAL auf mehreren Stockwerken, habe ich seit ca. einem Jahr im Einsatz.
    Die MIOB steuert dabei die Umwälzpumpe und schaltet zusätzlich den Mischerkreis der älteren Buderus Heizung ein oder ab. Weiterhin hängt auch noch ein Temperaturbegrenzer vom Vorlauf dran, welcher die Fußbodenheizung bei einer Fehlfunktion des Mischers schützen soll.
    Der größte Vorteil ist, ich muss keine Absenkzeiten an der Heizung an sich mehr einstellen und erledige nun alles über den Wärmebedarf der Thermostate und deren Programmierung (kein Wärmebedarf -> Pumpe und Mischerkreis aus).
    Habe noch einen HmIP-STHO dazu genommen welcher alle Thermostate per Programm ab einer bestimmten Außentemperatur auf „aus“ stellt und somit die Sommer / Winter Umschaltung realisiert.
    Kann die im Artikel beschriebene Lösung daher allen wärmstens empfehlen die ihre (ältere) Heizungsanlage komfortabel und vielleicht auch effizienter steuern möchten.

    Gruß Paul

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  3. Avatar
    Sven Simon sagte:

    Hallo Michael,
    der Beitrag war sehr interressant, vielen Dank! Mir stellt sich eine Frage, was für einen großen Vorteil habe ich, wenn ich sie Fußbodenheizung über die ccu Steuer u. nicht der Heizungssteuerung überlasse? Es ist bei ca. 200m2 Wohnfläche keine unerhebliche Investitionen (ca.1000-1500€)

    Vielen Dank im Voraus!
    Gruß
    Sven

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    • Avatar
      Michael sagte:

      Hallo Sven,

      grundsätzlich steuerst du ja deine Fußbodenheizung nicht über die CCU, sondern über einen Fußbodenheizungsaktor und eventuell, wie hier vorgestellt, einer zusätzlichen MIOB.

      Vorteil gegenüber klassischen, analogen Schalt-Wandthermostaten:

      – Bessere Optik der Wandthermostate dank Display und exakter Temperatureinstellung

      – Möglichkeit, die Temperatur in der Nacht um max. 1-2 Grad Celsius abzusenken (über Temperaturprofil im Wandthermostat). Mehr sollte nicht abgesenkt werden, da die Fußbodenheizung lange zum „hochfahren“ benötigt.

      – Heiz-/Kühlbetrieb AUTOMATISCH bei entsprechend geeigneter Wärmepumpe möglich

      – Wärmebedarfssteuerung bereits in der FAL integriert

      – Einfache Nachrüstung, wenn „ungeregelte“ Fußbodenheizungen im Bestand sind. (Funk-Wandthermostate mit Fußbodenheizungsaktor – ohne das ein Draht dazwischen verlegt werden muss).

      Der preisliche Unterschied ist gar nicht so hoch, denn auch deine klassischen analogen Wandthermostate kosten sicherlich 50-60 Euro vom Installateur. Die Funk-Wandthermostate HmIP liegen preislich sehr ähnlich… Somit kommt eigentlich nur die FAL und MIOB on top…

      Viele Grüße
      Michael

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