Seagate Exos vs. IronWolf: Welcher Speicher passt zu Ihrem NAS?

Wenn man wie ich ein NAS im 24/7-Betrieb fährt – sei es als Backup-Zentrale, Medienserver oder virtualisierte Umgebung – dann kommt irgendwann die Gretchenfrage: Welche Festplatten sind die richtigen? Die Auswahl ist groß, aber für Profis reduziert sich das Rennen schnell auf zwei Schwergewichte aus gleichem Hause: Seagate Exos📦 und Seagate IronWolf📦. Beide sind für Dauerbetrieb gebaut, doch ihre DNA unterscheidet sich deutlich. Während die Exos-Serie aus der Enterprise-Welt stammt und für Rechenzentren optimiert ist, wurde die IronWolf-Reihe speziell für NAS-Umgebungen in Büros und Workgroups entwickelt. Ich habe beide Serien in unterschiedlichen NAS-Systemen – von Synology bis QNAP – über Monate im Einsatz gehabt. In diesem Artikel gehe ich detailliert auf Leistung, Zuverlässigkeit, Workload, Lautstärke und Effizienz ein und erkläre, wann sich welche Serie wirklich lohnt.

Architektur und Zielsetzung der Serien

Die Seagate Exos📦– und IronWolf-Serien teilen sich auf den ersten Blick viele Gemeinsamkeiten: 3,5 Zoll Formfaktor, CMR-Technologie, 7200 U/min und hohe Zuverlässigkeit. Doch unter der Haube verfolgen sie völlig unterschiedliche Philosophien. Die Exos-Reihe ist für den Einsatz in Enterprise-Servern und Rechenzentren konzipiert. Sie bietet Kapazitäten bis zu 24 TB (CMR) und 28 TB (SMR) und ist für Arbeitslasten bis zu 550 TB pro Jahr ausgelegt – ein Wert, den kaum ein NAS im Heimbereich jemals erreicht. Mit einem MTBF von 2,5 Millionen Stunden und 5 Jahren Garantie ist sie für kompromisslose Dauerbelastung gebaut. Typisch ist auch die Option auf Dual-Port SAS für redundante Zugriffe und Hardwareverschlüsselung. Die IronWolf-Serie dagegen ist speziell für NAS-Systeme mit mehreren Laufwerksschächten optimiert. Dank der AgileArray-Firmware und eingebauten RV-Sensoren gleicht sie Vibrationen aus, die bei Multi-Bay-Systemen (z. B. 4, 8 oder 16 Bays) unvermeidlich sind. Die IronWolf Pro📦-Modelle (bis 24 TB) erreichen 7200 U/min, während die Standard-IronWolf zwischen 5400 und 7200 U/min läuft. Ihr Workload-Rating liegt bei 300 TB/Jahr – für typische NAS-Workloads mehr als ausreichend.

Leistung und Zuverlässigkeit im NAS-Betrieb

In der Praxis liefert die Exos X24-Serie beeindruckende sequentielle Transferraten von rund 285 MB/s. In einem RAID5-Verbund mit vier Laufwerken auf einem Synology DS1821+ konnte ich im Test knapp 1,1 GB/s lesen und 950 MB/s schreiben. Das ist deutlich mehr, als die meisten 1-GbE-Netzwerke überhaupt durchsetzen können – hier profitiert man erst mit 10 GbE oder Link Aggregation. Die IronWolf Pro📦-Serie liegt mit etwa 260 MB/s pro Laufwerk etwas darunter, bietet dafür aber leiseres Betriebsgeräusch und geringeren Energiebedarf. Besonders in kleineren NAS-Systemen mit 2–4 Bays (z. B. QNAP TS-464 oder Synology DS923+) spielt sie ihre Stärken aus: Sie bleibt kühl, vibrationsarm und ist kompatibel mit der integrierten IronWolf Health Management-Funktion, die in DSM und QTS direkt integriert ist. Während Exos-Laufwerke bei hoher Last stabil performen und kaum Performanceeinbrüche zeigen, reagieren IronWolf-Platten bei simultanen Zugriffen etwas träger. Dafür sind sie im Idle-Betrieb deutlich sparsamer und leiser – ein Faktor, den man im Wohnzimmer oder kleinen Büro durchaus schätzt.

Technische Gegenüberstellung: Exos vs. IronWolf

Eigenschaft Seagate Exos📦 Seagate IronWolf📦 / IronWolf Pro📦
Kapazität Bis 24 TB (CMR), 28 TB (SMR) Bis 24 TB (Pro)
Drehzahl 7200 U/min 5400–7200 U/min
Cache 256–512 MB 256–512 MB
Workload-Rate 550 TB/Jahr 300 TB/Jahr
MTBF 2,5 Mio. Stunden 1–1,2 Mio. Stunden
Garantie 5 Jahre 3 Jahre (IronWolf) / 5 Jahre (Pro)
Schnittstelle SATA oder SAS (Dual-Port) SATA 6 Gbps
Lautstärke Höher (7200 rpm, Helium) Leiser, vibrationsarm
Energieverbrauch ca. 9–10 W ca. 6–8 W

Diese Tabelle zeigt deutlich: Die Exos ist die richtige Wahl, wenn absolute Performance und Dauerlast gefragt sind – beispielsweise in virtualisierten Umgebungen oder bei großen Backup-Clustern. Die IronWolf (Pro) dagegen ist ideal für typische NAS-Aufgaben wie File-Sharing, Medienstreaming und lokale Sicherungen.

Praxisbeispiele: Wann welche Serie Sinn ergibt

1. Medienserver und Plex-Umgebung

Wenn das NAS hauptsächlich als Medienserver (z. B. Plex oder Video Station) läuft, sind IronWolf Pro📦-Laufwerke die bessere Wahl. Sie bieten genügend Durchsatz für mehrere parallele 4K-Streams, bleiben aber leise und effizient. In meinem DS1522+ liefen vier 12 TB IronWolf Pro📦 seit zwei Jahren fehlerfrei – inklusive täglicher Snapshots.

2. Virtualisierte Umgebung oder iSCSI-Speicher

Für Hyper-V-, Proxmox- oder VMware-Datastores empfehle ich klar die Exos-Serie. Der höhere Workload-Wert und die geringeren Latenzen zahlen sich bei vielen gleichzeitigen I/O-Anfragen aus. Hier sind 10 GbE oder 25 GbE Pflicht, sonst limitiert das Netzwerk.

3. Zentrales Backup-System oder Archiv

Bei großen Backup-Arrays (>100 TB) oder dedizierten Archivsystemen über mehrere NAS hinweg sind Exos-Laufwerke ebenfalls im Vorteil. Sie lassen sich problemlos in JBOD-Erweiterungen (z. B. Synology DX517 oder QNAP TL-D800C) einsetzen und liefern gleichbleibende Leistung auch bei Dauerlast.

4. Kleine Büros und Heimanwender

Wer ein 2- oder 4-Bay-NAS für Office-Dateien, Fotos und Videos nutzt, fährt mit IronWolf (oder IronWolf Pro📦) besser. Die Platten sind günstiger, leiser und in typischen RAID5- oder SHR-Konfigurationen ausreichend schnell.

Kosten und Wirtschaftlichkeit

Preislich liegen beide Serien im oberen Segment. Eine Seagate Exos📦 X16 mit 16 TB kostet laut aktuellen Preisvergleichen etwa 430 €. IronWolf Pro📦 liegt bei ähnlicher Kapazität rund 10–15 % darunter. Rechnet man ein typisches 4-Bay-NAS mit 4×12 TB IronWolf Pro📦, landet man bei etwa 1.200 € nur für die Laufwerke – bei Exos wären es rund 1.400–1.500 €. Die Frage ist also nicht nur technischer, sondern auch wirtschaftlicher Natur. Wer ein NAS im Dauerbetrieb mit kritischen Workloads betreibt, profitiert langfristig von der höheren MTBF und Workload-Rate der Exos. In klassischen NAS-Umgebungen (Büro, Medien, Backup) zahlt sich die IronWolf durch geringeren Stromverbrauch und leiseren Betrieb aus. Interessant: Über mehrere Jahre gerechnet sind die Energiekosten bei Exos rund 20–30 € höher pro Laufwerk und Jahr – bei großen Clustern also durchaus ein Faktor.

Zukunftssicherheit und technologische Entwicklung

Mit der Exos X24-Serie hat Seagate bereits den Grundstein für kommende HAMR-Laufwerke gelegt, die bis zu 32 TB und mehr erreichen sollen. Diese Technologie wird zunächst in Enterprise-Umgebungen Einzug halten, bevor sie in NAS-Bereich diffundiert. Die IronWolf-Serie wird parallel weiterentwickelt, fokussiert aber stärker auf Energieeffizienz, Temperaturmanagement und Integration in NAS-Software (z. B. Health Management, Firmware-Updates über DSM/QTS). Beide Serien profitieren von Seagates kontinuierlicher Forschung zur Helium-Versiegelung und optimierten Schreibverfahren. Langfristig werden SSD-Caches und NVMe-Erweiterungen zwar eine größere Rolle spielen, aber HDDs bleiben für Kapazität pro Euro unschlagbar – und genau hier liefern Exos und IronWolf weiterhin die Basis für zuverlässige, skalierbare NAS-Systeme.

Unterm Strich gilt: Exos für Performance, IronWolf für Alltag. Wer maximale Ausfallsicherheit und Performance im Rechenzentrumsstil sucht, wird mit den Exos-Laufwerken glücklich. Für die meisten NAS-Setups – sei es im Büro, im Studio oder zu Hause – ist die IronWolf Pro📦-Serie dagegen der ausgewogenere Kompromiss aus Leistung, Lautstärke und Kosten. Beide Serien sind für den Dauerbetrieb ausgelegt, bieten lange Garantien und lassen sich nahtlos in Synology- und QNAP-Systeme integrieren. Für mich persönlich ist die IronWolf Pro📦 die „vernünftige“ Wahl für produktive Umgebungen, während die Exos dort glänzt, wo Leistung und Verfügbarkeit über allem stehen.

Wenn Sie Ihr NAS auf das nächste Level bringen wollen, prüfen Sie vor dem Kauf die Kompatibilitätslisten von Synology oder QNAP und entscheiden Sie anhand Ihres Workloads: IronWolf für NAS-Komfort, Exos für Enterprise-Power.