NAS-HDD Kostenanalyse: WD Red Pro vs. Seagate IronWolf Pro

Wenn man wie ich seit Jahren ein NAS nicht nur für Backups, sondern auch für virtuelle Maschinen, Medienserver und Smart-Home-Logging nutzt, merkt man schnell: Der eigentliche Kostenfaktor liegt nicht im NAS-Gehäuse, sondern in den Laufwerken. Vier oder acht Platten multiplizieren sich preislich schneller, als einem lieb ist. Und weil die Energiepreise in Deutschland nicht gerade sinken, spielt der Verbrauch heute eine ebenso große Rolle wie Kapazität und Performance. In diesem Artikel rechne ich durch, welche NAS-HDDs – von der WD Red Pro über die Seagate IronWolf Pro bis hin zu alternativen Modellen – sich für welches Budget wirklich lohnen, und wo sich langfristig bares Geld sparen lässt. Dabei geht es nicht um theoretische Datenblätter, sondern um reale Gesamtkosten über mehrere Jahre Betrieb – also genau das, was für Admins, Power-User und kleine Unternehmen zählt.

Grundlagen: Was beeinflusst die Gesamtkosten einer NAS-HDD?

Bei der Beurteilung der Wirtschaftlichkeit einer NAS-HDD darf man nicht nur den Anschaffungspreis betrachten. Viel entscheidender sind die Gesamtkosten über die Nutzungsdauer, also die sogenannte TCO (Total Cost of Ownership). Dazu gehören:

  • Anschaffungskosten – Kaufpreis pro Terabyte Kapazität.
  • Laufende Kosten – Stromverbrauch im Idle und unter Last.
  • Garantie und Service – mögliche Ersatz- oder Rettungsleistungen.
  • Lebensdauer und Ausfallrisiko – je nach MTBF-Wert und Workload Rating.

Eine 26-TB-HDD wie die WD Red Pro kostet rund 650 €, also etwa 25 €/TB. Die Seagate IronWolf Pro liegt bei 600 € für 24 TB, was ebenfalls etwa 25 €/TB entspricht. Der reine Preis pro TB ist also ähnlich – die Unterschiede liegen im Detail: Stromkosten, Lautstärke, Garantieumfang und Energieeffizienz über Jahre.

Preisvergleich: WD Red Pro vs. Seagate IronWolf Pro

Schauen wir uns die beiden großen Platzhirsche im NAS-Bereich genauer an:

Modell Kapazität Preis Preis/TB Strom Idle/Aktiv Garantie Service
WD Red Pro 26 TB ~650 € ~25 €/TB 3,9 W / 6,4 W 5 Jahre Standard
Seagate IronWolf Pro 24 TB ~600 € ~25 €/TB 6,3 W / 7,8 W 5 Jahre 3 Jahre Rescue

Beide Serien sind Enterprise-NAS-Laufwerke mit 7200 U/min, CMR-Technik und Vibrationssensoren. Sie sind für Dauerbetrieb ausgelegt (Workload bis 550 TB/Jahr, MTBF ca. 2,5 Mio. Stunden). Western Digital nutzt OptiNAND zur Speicherung von Metadaten im Flash, Seagate kontert mit IronWolf Health Management und Rotationsschwingungsausgleich. Auf den ersten Blick liegen beide preislich gleichauf. Doch rechnet man Stromkosten über fünf Jahre hinzu, ändert sich das Bild: Bei 24/7-Betrieb summiert sich der Unterschied von rund 2 W pro Platte schnell auf – besonders in Systemen mit mehreren Laufwerken.

Langzeitkosten: Stromverbrauch und Energieeffizienz

Im Dauerbetrieb zählt jedes Watt. Bei einem Strompreis von 0,30 €/kWh ergibt sich folgende Beispielrechnung für fünf Jahre Betrieb (24/7):

Modell Leistung (Idle) Verbrauch/Jahr Kosten/Jahr Kosten (5 Jahre)
WD Red Pro 3,9 W ~34 kWh ~10,20 € ~51 €
IronWolf Pro 6,3 W ~55 kWh ~16,50 € ~82 €

In einem 4-Bay-NAS bedeutet das: Rund 124 € Stromkosten für WD-Platten versus 328 € für Seagate über fünf Jahre. Der Unterschied von über 200 € kann also fast den Preis einer neuen Platte ausmachen. Natürlich variiert das je nach Nutzung. Wer die Platten regelmäßig in den Ruhemodus schickt, spart deutlich. In produktiven Umgebungen – z. B. bei Virtualisierung oder 24/7-Logging – sind die WD Red Pro jedoch spürbar sparsamer im Idle-Betrieb. Dafür punktet Seagate bei Performance und Serviceleistung.

Wirtschaftlichkeit bei unterschiedlichen NAS-Größen

Je nach NAS-Größe und Anwendungsfall lohnt sich ein anderer Ansatz. Ich habe drei typische Szenarien durchgerechnet:

Kompakt-NAS (2–4 Bays)

Für Heimanwender oder kleine Büros zählt meist das Verhältnis aus Leistung, Lautstärke und Energiebedarf. Eine Kombination aus WD Red Plus📦 (CMR, 5400 U/min) oder kleinen IronWolf-Modellen (ohne „Pro“) ist hier oft günstiger. Bei 4 × 8 TB ergibt das rund 32 TB brutto für ca. 600 € Gesamtpreis.

Mittelklasse (4–8 Bays)

Hier wird’s interessant: Wer regelmäßig Backups, Container oder VMs betreibt, profitiert von den Pro-Modellen. Vier WD Red Pro 26 TB📦 ergeben 104 TB brutto, kosten aber rund 2600 €. Seagate IronWolf Pro 24 TB📦 liegt bei 2400 €, zieht aber über die Jahre mehr Strom.

Enterprise-NAS (8 Bays und mehr)

Ab dieser Größenordnung zählt Skalierbarkeit. Die WD Red Pro spart langfristig Energiekosten, die Seagate bietet dafür ein geringfügig besseres Preis/TB-Verhältnis und inkludierte Datenrettung. Bei 8 × 26 TB (WD) ergibt das 208 TB brutto für ca. 5200 €, bei 8 × 24 TB (Seagate) 4800 €. Die Stromkosten kippen das Verhältnis jedoch schnell zugunsten von WD.

Alternative Marken: Toshiba N300📦, Synology HAT5300📦 und Co.

Neben WD und Seagate gibt es Alternativen, die preislich interessant sind:

  • Toshiba N300📦 – robust, CMR, 7200 U/min, meist etwas günstiger (~22 €/TB), jedoch lauter und ohne speziellen Health-Service.
  • Synology HAT5300📦 – basiert auf Toshiba-Technik, für Synology-NAS optimiert, Firmware-getestet, aber preislich auf Niveau der WD Red Pro.
  • QNAP (Toshiba-ODM) – ähnliche Basis, aber eingeschränkte Verfügbarkeit im Retail.

Diese Modelle sind technisch solide, aber in puncto Service und Langzeitkosten weniger kalkulierbar. Wer auf Garantie- oder Rettungsoptionen Wert legt, fährt mit den etablierten Serien besser. Für Preisbewusste kann die N300 aber ein attraktiver Kompromiss sein, insbesondere in Systemen mit weniger als 4 Bays.

Praxis: Kostenanalyse eines 4-Bay-NAS über 5 Jahre

Ein reales Beispiel aus meinem Labor: Ein 4-Bay-Synology mit WD Red Pro 26 TB📦 im RAID 5. Das ergibt netto rund 78 TB nutzbaren Speicher. Die Rechnung sieht so aus:

Komponente Kosten
4 × WD Red Pro 26 TB📦 2600 €
NAS-Gehäuse (Synology DS923+) 650 €
Gesamtstromkosten (5 Jahre, 3,9 W Idle × 4) ~204 €
Gesamtkosten ≈ 3450 €

Zum Vergleich dasselbe mit IronWolf Pro 24 TB:

Komponente Kosten
4 × IronWolf Pro 24 TB 2400 €
NAS-Gehäuse (Synology DS923+) 650 €
Gesamtstromkosten (5 Jahre, 6,3 W Idle × 4) ~328 €
Gesamtkosten ≈ 3378 €

Das Ergebnis: Trotz höherem Energieverbrauch ist die IronWolf-Pro-Lösung leicht günstiger in der Anschaffung, gleicht sich aber langfristig mit dem Stromverbrauch nahezu aus. Entscheidend wird also, ob man den integrierten Rescue-Service von Seagate nutzt oder lieber auf die geringeren Betriebskosten der WD setzt.

Fazit: Welche NAS-HDD lohnt sich für welches Budget?

  • Kleines Budget (unter 800 € Gesamt): WD Red Plus📦 oder Seagate IronWolf (ohne Pro) – leiser, sparsamer, ausreichend für Heimanwender.
  • Mittleres Budget (1500–3000 €): WD Red Pro 24–26 TB oder Seagate IronWolf Pro 20–24 TB – ideal für 4–6 Bays, 24/7-Betrieb, professionellen Einsatz.
  • Großes Budget (3000 €+): WD Red Pro für energieeffiziente Langzeitnutzung, Seagate IronWolf Pro für maximale Performance und Service.

Am Ende hängt die Entscheidung stark vom Einsatzzweck ab: Wer maximale Stabilität und Energieeffizienz sucht, greift zur WD Red Pro. Wer auf Performance und integrierten Datenrettungsservice Wert legt, fährt mit der IronWolf Pro besser. Beide sind solide Investitionen, wenn man die Gesamtkosten über die Lebensdauer betrachtet.

Wenn man die Zahlen nüchtern durchrechnet, wird klar: Die Unterschiede zwischen WD Red Pro und Seagate IronWolf Pro sind weniger eine Frage des Preises, sondern der langfristigen Betriebskosten und Service-Strategie. In kleinen Setups mit 2–4 Bays sind die Stromkosten noch überschaubar, bei größeren NAS mit 8 Bays oder mehr summiert sich der Energiebedarf schnell auf dreistellige Beträge pro Jahr. Mein persönliches Fazit nach mehreren Jahren Dauertest: Wer Wert auf ruhigen Betrieb und niedrige Energiekosten legt, fährt mit WD Red Pro besser. Wer Performance priorisiert und die Rescue-Datenrettung als Mehrwert sieht, bekommt mit der IronWolf Pro ein rundes Gesamtpaket. Wichtig ist, die TCO zu betrachten – nicht nur den Preis im Warenkorb.

Tipp von Heiko: Kalkuliere vor dem Kauf die Gesamtkosten deines NAS über 5 Jahre – inklusive Strom, Ersatzlaufwerken und Service. So siehst du schnell, welche Lösung langfristig wirklich günstiger ist.

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