Homematic IP Fenstergriffsensoren in Home Assistant integrieren

Ich erinnere mich noch gut an den Moment, als ich im Winterurlaub saß und mich fragte: Sind eigentlich alle Fenster zu Hause wirklich geschlossen? In meinem Smart Home läuft vieles automatisiert – aber damals fehlte mir noch die präzise Erkennung des tatsächlichen Fensterzustands. Klassische Magnetkontakte können nur „offen“ oder „geschlossen“ unterscheiden, aber nicht den gekippten Zustand. Genau hier kommen die Homematic IP Fenstergriffsensoren (HmIP‑SRH) ins Spiel. Sie erkennen zuverlässig, ob ein Fenster offen, gekippt oder geschlossen ist, und lassen sich nahtlos in Home Assistant integrieren. In diesem Beitrag zeige ich dir Schritt für Schritt, wie du die Sensoren einbindest, worauf du achten solltest und wie du mit ihnen intelligente Automationen für Energieeffizienz und Sicherheit umsetzt – aus meiner persönlichen Praxis mit Homematic‑Systemen und Home Assistant.

Technische Grundlagen und Hardware-Überblick

Das Homematic IP-System von eQ‑3 basiert auf einem proprietären, aber sehr stabilen 868‑MHz‑Funkstandard. Die Kommunikation ist AES‑128‑verschlüsselt und VDE‑zertifiziert, was für ein hohes Maß an Sicherheit sorgt. Über 100 Sensoren und Aktoren bilden ein breites Ökosystem – von Heizungssteuerung bis Alarmtechnik. Der Fenstergriffsensor HmIP‑SRH wird direkt am Fenstergriff montiert und läuft batteriebetrieben (AAA‑Zellen). Er erkennt drei Zustände:

  • geschlossen
  • gekippt
  • geöffnet

Damit unterscheidet er sich deutlich von einfachen Kontaktsensoren. Diese präzise Erkennung ist ideal für Heizungs‑ oder Beschattungsautomationen. Die Datenübertragung erfolgt an eine Zentrale – entweder den Homematic IP Access Point🛒 (HmIP‑HAP) für Cloud‑Betrieb oder eine lokale CCU3 beziehungsweise RaspberryMatic für eine vollständig lokale Steuerung. Ich persönlich bevorzuge den lokalen Ansatz über RaspberryMatic, da er unabhängig von Cloud‑Diensten funktioniert und perfekt mit Home Assistant harmoniert.

Installation und Einrichtung der Homematic IP Zentrale

Bevor der Sensor in Home Assistant auftaucht, muss er zunächst in der Homematic‑Zentrale angelernt werden. Das funktioniert in wenigen Schritten:

  1. Zentrale vorbereiten: Stelle sicher, dass dein Homematic IP Access Point🛒 oder deine CCU3/RaspberryMatic mit dem Heimnetz verbunden ist. Bei der CCU3 solltest du in den Sicherheitseinstellungen den XML‑RPC-Zugriff für Home Assistant aktivieren.
  2. Sensor anlernen: Versetze die Zentrale in den Anlernmodus (über die WebUI oder Homematic IP‑App) und drücke die Taste am Fenstergriffsensor für ein paar Sekunden. Kurz darauf sollte er in der Geräteliste erscheinen.
  3. Verbindung zu Home Assistant: Hier hast du zwei Optionen:
    • Cloud‑Integration: In Home Assistant unter Einstellungen → Geräte & Dienste → Integrationen „HomematicIP Cloud“ hinzufügen. Du benötigst die Access‑Point‑ID und einen Auth‑Token, der über das Skript hmip_generate_auth_token erstellt wird.
    • Lokale Integration: In der configuration.yaml trägst du unter homematic eine Schnittstelle ein, z. B.:
      homematic: interfaces: wireless: host: 192.168.x.x port: 2001
      Die IP ist die Adresse deiner CCU3 oder RaspberryMatic.
  4. Geräteimport: Nach einem Neustart erkennt Home Assistant die Homematic‑Geräte automatisch. Der Fenstergriffsensor wird als binary_sensor eingebunden und kann sofort in Automationen verwendet werden.

Dieser Prozess ist zwar etwas technischer als bei typischen Zigbee‑ oder WiFi‑Sensoren, aber die Integration ist stabil und zuverlässig. Besonders bei größeren Setups lohnt sich der Aufwand.

Homematic IP Fenstergriffsensor🛒 in Home Assistant nutzen

Nach erfolgreicher Einbindung taucht der Fenstergriffsensor als binary_sensor in Home Assistant auf. Die Zustände lauten typischerweise:

  • off = geschlossen
  • on = offen oder gekippt

Du kannst diesen Sensor nun flexibel in Automationen oder Dashboards verwenden. In meinem Setup habe ich z. B. eine Karte im Lovelace‑Dashboard, die mir alle geöffneten Fenster zeigt – ideal, um vor dem Schlafengehen schnell zu prüfen, ob alles dicht ist. Ein Beispiel‑Automation für den Heizbetrieb:

Wenn der Fenstergriffsensor auf offen wechselt, dann setze das zugehörige Heizkörperthermostat auf Aus. Sobald das Fenster wieder geschlossen wird, wird die vorherige Solltemperatur automatisch wiederhergestellt.

Dank der stabilen Kommunikation über die CCU3 oder den Access Point reagiert das System nahezu verzögerungsfrei. Auch in komplexen Automationsketten mit Bedingungen (z. B. nur bei Abwesenheit oder Dunkelheit) arbeitet der Sensor zuverlässig.

Praxisbeispiele für smarte Automationen

Einbruchschutz‑Automation

Eine meiner Lieblingsanwendungen ist die Kombination mit der Alarmanlage. Wenn niemand zu Hause ist und ein Fenster geöffnet wird, löst Home Assistant automatisch eine Sirene aus und schickt mir eine Push‑Nachricht.

  1. Fenstergriffsensor am kritischen Fenster (z. B. Terrassentür) montieren.
  2. Automation erstellen: Trigger ist der Zustand „geöffnet“.
  3. Bedingung: Nur aktiv, wenn der Smart‑Home‑Modus auf „Abwesend“ steht oder die Alarmanlage scharf ist.
  4. Aktion: Sirene (z. B. HmIP‑ASIR‑2) einschalten und Benachrichtigung senden. Optional: Alle Lampen auf volle Helligkeit stellen.

Das sorgt nicht nur für Sicherheit, sondern auch für ein gutes Gefühl, wenn man unterwegs ist.

Heizungs‑Optimierung

Gerade im Winter ist es ärgerlich, wenn beim Lüften die Heizung weiterläuft. Mit dem Fenstergriffsensor lässt sich das elegant lösen:

  1. Homematic IP Heizkörperthermostat🛒 in Home Assistant einbinden.
  2. Automation: Wenn der Sensor auf „geöffnet“ wechselt, setze das Thermostat auf hvac_mode: off.
  3. Optional: Verzögerung von 60 Sekunden einbauen, um nur längere Lüftungen zu berücksichtigen.
  4. Nach dem Schließen des Fensters den ursprünglichen Modus wiederherstellen.

So spart man Energie, ohne auf Komfort zu verzichten. In meinem Haus konnte ich den Heizenergieverbrauch spürbar senken, ohne dass es im Alltag auffällt.

Kosten, Vor- und Nachteile im Überblick

Ein einzelner Homematic IP Fenstergriffsensor🛒 HmIP‑SRH kostet aktuell rund 55 – 60 €. Der Access Point HmIP‑HAP liegt bei etwa 50 €, eine RaspberryMatic‑Lösung (Raspberry Pi 4 + HmIP‑Funkstick) bei rund 80 €. Wer lieber die fertige CCU3‑Zentrale nutzt, muss mit etwa 300 € rechnen. Damit ergibt sich ein Einstiegspreis von rund 150 – 200 € für ein kleines Setup mit ein bis zwei Sensoren. Das ist teurer als einfache WiFi‑ oder Zigbee‑Alternativen, bietet aber deutlich mehr Stabilität und Datenschutz. Vorteile:

  • Sehr zuverlässige Funkverbindung im 868‑MHz‑Band
  • AES‑128‑Verschlüsselung und VDE‑zertifizierte Sicherheit
  • Präzise Erkennung (offen/geschlossen/gekippt)
  • Lokaler oder Cloud‑Betrieb wählbar
  • Nahtlose Integration in Home Assistant

Nachteile:

  • Höhere Anschaffungskosten
  • Proprietärer Standard (kein Matter/Zigbee)
  • Etwas komplexere Einrichtung
  • Cloud‑API nicht offiziell dokumentiert

Wer langfristig auf ein stabiles, sicheres und erweiterbares System setzt, wird mit Homematic IP aber bestens bedient.

Fehlerbehebung und Tipps aus der Praxis

In der Praxis läuft das System sehr stabil, aber gelegentlich gibt es typische Stolperfallen:

  • Batterie prüfen: Der Sensor arbeitet mit AAA‑Batterien. Leere Zellen führen schnell zu Verbindungsabbrüchen.
  • Funkreichweite: Große Distanzen oder Stahlbetonwände können das 868‑MHz‑Signal schwächen. Positioniere die Zentrale möglichst zentral im Haus.
  • CCU‑Zugriff: Bei lokaler Integration muss Home Assistant in der CCU‑Firewall freigegeben sein, sonst klappt die Kommunikation nicht.
  • Cloud‑Token: Bei Cloud‑Nutzung unbedingt den Auth‑Token korrekt eingeben. Wenn der Sensor nicht erscheint, Token neu generieren.
  • Logs prüfen: In Home Assistant hilft das XML‑RPC‑Log bei der Fehlersuche, wenn Geräte nicht reagieren.

Für tiefergehende Fragen lohnt sich ein Blick in die Homematic‑Foren oder die Home Assistant‑Community. Besonders bei komplexen Setups (z. B. mit mehreren Zentralen) findest du dort wertvolle Praxislösungen.

Aktuelle Entwicklungen und Zukunftsperspektive

Homematic IP entwickelt sich stetig weiter. 2024 erschien die neue Home Control Unit – der Nachfolger der CCU3 – mit lokalem Offline‑Modus und integriertem EEBUS‑Energie‑Monitoring. Damit lassen sich künftig auch Energieflüsse im Haushalt intelligent steuern. Parallel dazu hat Home Assistant seine Homematic‑Integration verbessert: Das RaspberryMatic‑Add‑on gilt inzwischen als Standardlösung, unterstützt HmIP‑RFUSB‑Sticks und bietet eine vereinfachte Einrichtung. Außerdem erhielt Home Assistant 2025 die offizielle Matter‑Zertifizierung sowie einen überarbeiteten Sprachassistenten, der proaktiv auf geöffnete Türen oder Fenster hinweisen kann. Auch wenn Homematic IP selbst kein Matter unterstützt, ist die Kombination mit Home Assistant zukunftssicher – du kannst künftig Matter‑Geräte parallel betreiben und alles zentral steuern. Für mich ist das die perfekte Mischung aus lokaler Sicherheit und moderner Plattformintegration.

Die Integration der Homematic IP Fenstergriffsensoren in Home Assistant verbindet die Stärken zweier Welten: die zuverlässige, sichere Funktechnik von Homematic IP und die enorme Flexibilität von Home Assistant. In meinem Alltag haben sich die Sensoren als äußerst präzise und stabil erwiesen – egal ob für Heizungssteuerung, Sicherheitsfunktionen oder einfache Statusabfragen. Der initiale Aufwand bei Einrichtung und Kosten zahlt sich durch Komfort, Energieeinsparung und Sicherheit langfristig aus. Wer also sein Smart Home nicht nur „smart“, sondern wirklich intelligent gestalten will, findet hier eine robuste, professionelle Lösung mit echtem Mehrwert.

Hast du bereits Homematic IP‑Sensoren in Home Assistant im Einsatz oder planst du den Einstieg? Teile deine Erfahrungen und Fragen gern unten in den Kommentaren – ich bin gespannt, welche Automationen du umgesetzt hast!

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