Shelly vs. Homematic – Welches System passt besser in dein Smart Home?
Wenn man sein Smart Home Schritt für Schritt aufbaut, steht man früher oder später vor einer grundlegenden Entscheidung: Setze ich auf WLAN-basierte Geräte wie Shelly oder lieber auf ein 868 MHz-Funksystem wie Homematic IP? Diese Frage hat mich selbst vor einigen Jahren beschäftigt, als ich mein eigenes Haus Stück für Stück automatisiert habe. Beide Systeme haben ihren ganz eigenen Charakter – Shelly überzeugt durch offene Schnittstellen und günstige Preise, während Homematic IP mit seiner Zuverlässigkeit und Funktionsvielfalt punktet. In diesem Artikel vergleiche ich beide Systeme aus praktischer Sicht – Installation, Integration in Home Assistant, Zuverlässigkeit, Automatisierungsmöglichkeiten und Kosten. Ziel ist, dir eine klare Entscheidungsgrundlage zu geben, welches System besser zu deinem Smart-Home-Projekt passt.
Systemarchitektur und Kommunikation: WLAN vs. 868 MHz
Shelly-Geräte kommunizieren über WLAN und sind dadurch extrem flexibel einsetzbar. Sie benötigen keinen zentralen Hub – jedes Gerät ist eigenständig und kann lokal über Home Assistant, MQTT oder HTTP angesprochen werden. Das macht Shelly ideal für Nachrüstungen oder Projekte, bei denen man vorhandene Verkabelungen weiterverwenden möchte. Homematic IP hingegen nutzt ein proprietäres 868 MHz-Funkprotokoll. Dieses ist speziell für Smart-Home-Anwendungen optimiert: hohe Reichweite, bidirektionale Kommunikation und sehr geringe Latenz. Die Geräte kommunizieren über eine CCU (z.B. RaspberryMatic) oder einen Access Point mit dem zentralen System. Das sorgt für Stabilität, erfordert aber mehr Infrastruktur.
Während Shelly-Systeme auf vorhandene WLAN-Strukturen setzen, arbeitet Homematic mit einem eigenen Funknetz – das minimiert Interferenzen und erhöht die Zuverlässigkeit, verlangt aber mehr Vorplanung.
Integration in Home Assistant: Lokal, zuverlässig und flexibel
Home Assistant ist für beide Systeme die perfekte Zentrale. Die Integration von Shelly ist besonders einfach: Über die Shelly-Integration wird das Gerät per IP-Adresse eingebunden, kommuniziert direkt über das lokale Netzwerk (CoIoT oder RPC/WebSocket) und funktioniert vollständig ohne Cloud. Das ist ein riesiger Pluspunkt für Datenschutz und Reaktionsgeschwindigkeit. Die Integration von Homematic erfolgt über die Homematic-Integration, die mittels XML-RPC mit einer CCU oder Homegear kommuniziert. Das Setup ist etwas komplexer, bietet aber Zugriff auf eine Vielzahl an Geräteklassen – von Heizkörperthermostaten über Fensterkontakte bis zu Rollladenaktoren.
In meinem Setup laufen beide Systeme parallel: Shelly für Licht- und Steckdosensteuerung, Homematic für Heizung und Fensterkontakte. Home Assistant verbindet beide Welten nahtlos – und genau das macht den Reiz dieses Systems aus.
Installation und Einrichtung im Vergleich
Die Einrichtung von Shelly-Geräten ist schnell erledigt: Gerät mit Spannung versorgen, ins WLAN einbinden, IP-Adresse im Browser aufrufen und konfigurieren. Danach kann man es direkt in Home Assistant integrieren. Keine zusätzliche Zentrale nötig, keine Funkfrequenzplanung – ideal für schnelle Projekte. Bei Homematic IP ist der Aufwand höher: Es wird eine CCU oder ein Access Point benötigt, über den die Geräte angelernt werden. Dafür profitiert man von einer stabilen Funkverbindung, die unabhängig vom WLAN arbeitet. Besonders in größeren Häusern oder dicken Wänden ist das ein Vorteil.
- Shelly: Einrichtung über Webinterface, schnelle WLAN-Integration, lokale Steuerung.
- Homematic: Einrichtung über CCU, Funkanlernprozess, strukturierte Geräteverwaltung.
Mein Tipp: Wer schnell Ergebnisse sehen will, startet mit Shelly. Wer langfristig ein stabiles, skalierbares System plant, sollte Homematic in Betracht ziehen.
Automatisierungen und Dashboards in Home Assistant
Beide Systeme lassen sich hervorragend in Automatisierungen einbinden. In Home Assistant können Regeln wie „Wenn Bewegung erkannt wird, Licht einschalten“ oder „Wenn Fenster offen, Heizung absenken“ einfach umgesetzt werden. Ein praktisches Beispiel: Ich habe eine Wohnzimmerbeleuchtung mit Shelly 1 umgesetzt. Über das Dashboard steuere ich die Lampen direkt, und eine Automatisierung schaltet sie bei Sonnenuntergang automatisch ein. Parallel dazu regelt ein Homematic-IP-Thermostat die Temperatur, während ein Fensterkontakt erkennt, ob gelüftet wird.
Durch die Kombination beider Systeme entstehen flexible, energieeffiziente Szenarien – Shelly für direkte Schaltvorgänge, Homematic für fein abgestimmte Klimaautomationen.
Die neuen Home Assistant Dashboards (ab Version 2024.11) machen das besonders komfortabel. Dank Drag-&-Drop kann man Licht-, Thermostat- und Sensorkarten individuell anordnen. Mit Version 2025.9 kamen zusätzlich Tile-Cards mit Trenddiagrammen hinzu – perfekt, um Temperaturverläufe oder Energieverbrauch anzuzeigen.
Kostenvergleich: Shelly punktet im Einstieg, Homematic bei Systemtiefe
In Sachen Kosten unterscheiden sich die Systeme deutlich. Ein Shelly-Relais kostet etwa 15–20 €, ein Shelly-Dimmer rund 20 €. Homematic-IP-Geräte liegen höher – ein Heizkörperthermostat kostet etwa 50–60 €, ein Fenster-/Türsensor etwa 40 €. Dazu kommt ggf. eine CCU oder ein Raspberry Pi (ca. 50 €).
Für ein kleines Smart-Home-Projekt (z.B. Lichtsteuerung + Heizung) bleibt man mit beiden Systemen unter 200 €. Shelly ist günstiger, Homematic dafür nachhaltiger erweiterbar.
In einer typischen Kombination nutze ich Shelly für Schalt- und Dimmanwendungen und Homematic für Heizungssteuerung und Sensorik. Diese Mischung ist kosteneffizient und technisch stabil.
Zuverlässigkeit, Wartung und Support
Shelly-Geräte sind robust, können aber bei instabilem WLAN gelegentlich Verzögerungen zeigen. Dafür lassen sie sich leicht aktualisieren und lokal überwachen. Homematic punktet mit sehr stabiler Funkkommunikation – selbst wenn das WLAN ausfällt, bleibt die Steuerung funktionsfähig. Ein wichtiger Punkt ist die Wartung: Shelly-Updates werden direkt über die Geräte oder Home Assistant eingespielt, während Homematic-Updates zentral über die CCU laufen. Beide Systeme profitieren von aktiven Communities – insbesondere im Home Assistant Forum oder im Homematic-Forum findet man schnell Hilfe. Mein Fazit hier: In puncto Stabilität liegt Homematic vorn, in puncto Flexibilität und Offenheit Shelly.
Mini-Projekte zum direkten Vergleich
Um die Systeme praktisch zu vergleichen, habe ich zwei kleine Projekte umgesetzt:
Lichtsteuerung im Wohnzimmer (Shelly)
- Einbau eines Shelly 1 hinter dem Lichtschalter.
- Integration in Home Assistant über die Shelly-Integration.
- Erstellung eines Dashboards mit Lichtkarte zur Steuerung.
Heizungs- und Sensorsicht (Homematic)
- Einrichtung eines Homematic-IP-Thermostats am Heizkörper.
- Integration in Home Assistant über die Homematic-Integration.
- Erstellung eines Dashboards mit Thermostat- und Sensorkarten.
Beide Projekte zeigen deutlich die Stärken der Systeme: Shelly ist schnell eingebunden und sofort steuerbar, Homematic bietet mehr Tiefe und Stabilität im Betrieb.
Fazit: Welches System passt zu wem?
Nach mehreren Jahren mit beiden Systemen hat sich für mich eine klare Linie herauskristallisiert:
- Shelly ist ideal für Bastler, die flexibel nachrüsten möchten – schnell, günstig und offen. Perfekt für Licht, Steckdosen und einfache Automationen.
- Homematic ist das System für langfristige, stabile Installationen – besonders in Neubauten oder bei umfangreicher Heizungs- und Sensorintegration.
Die beste Lösung ist oft eine Kombination: Shelly für schnelle WLAN-Aktoren, Homematic für zuverlässige Funksteuerung. Home Assistant verbindet beides zu einem starken Gesamtsystem.
Am Ende hängt die Entscheidung weniger von der Marke als von deinem Projektziel ab. Wenn du unkompliziert starten willst, ist Shelly ein hervorragender Einstieg. Wenn du ein langfristig stabiles, erweiterbares Smart Home planst, ist Homematic IP eine sehr gute Basis. In meinem eigenen Setup laufen beide Systeme Hand in Hand – gesteuert über Home Assistant, lokal, ohne Cloud. Genau das macht für mich den Reiz am Smart Home DIY aus: Freiheit, Kontrolle und die Möglichkeit, Technik wirklich nach den eigenen Bedürfnissen zu gestalten.
Du möchtest mehr über konkrete Projekte mit Shelly und Homematic erfahren? Schau dir meine Schritt-für-Schritt-Anleitungen auf technikkram.net an – dort findest du viele praxisnahe DIY-Projekte und Tipps für dein Smart Home.








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