In der Vergangenheit sind schon sehr viele Diskussionen darüber gelaufen, wie Kreuz- und Wechselschaltungen in Homematic eingebunden werden können. Bei „klassischen“ Homematic musste jeder Schalter ausgetauscht und „smart“ gemacht werden, damit das System richtig funktioniert. Dazu habe ich Euch einen ausführlichen Bericht geschrieben.

Doch warum muss eigentlich jeder Taster getauscht werden und warum ändert sich dieser Umstand bei Homematic IP? Eine Erklärung gibt es in diesem Beitrag. Fangen wir mit einer kurzen Einführung in die Kreuz- und Wechselschaltung an. Eine Wechselschaltung ist klassischerweise im Treppenhaus mit zwei Bedienstellen zu finden. Das Licht kann sowohl oben als auch unten ein- und ausgeschaltet werden. Bei zwei Bedienstellen spricht man von einer Wechselschaltung.

Eine Kreuzschaltung ist eine erweiterte Wechselschaltung. Es gibt mindestens drei Schalter. Es können aber auch 4 bis n Schalter verbaut werden. Über jeden Schalter lässt sich das Licht ein und auch wieder ausschalten. Da viele sehr viele Schaltungen dieser Art sind, kommt die Fragestellung sehr häufig auf, wie diese Schaltung am besten in Homematic implementiert werden kann.

Warum müssen (mussten bei IP) alle Schalter „smart“ gemacht werden?

Wenn ich das Licht bei einer Homematic-Installation am Homematic-Aktor einschalte, dann „weiß“ dieser, dass das Licht leuchtet, und gibt diesen Status weiter an die CCU2. Die CCU merkt sich den Zustand und speichert –> Licht ist an. Wenn nun der Stromkreis von einem anderen Schalter unterbrochen wird, der nicht „smart“ ist, dann fließt zwar kein Strom mehr aber der Homematic-Aktor, über den das Licht zuvor angestellt worden ist, hat von dieser Änderung ja nichts mitbekommen.


Also bleibt das Licht in der Zentrale weiterhin als „An“ gespeichert. So stimmen die Zustände nicht mehr mit der Realität überein. Da der konventionelle Schalter „dumm“ ist, kann der Zustand nicht gemeldet werden. Erst wenn auch dieser durch einen „smarten“ Schalter ersetzt wird, besteht die Möglichkeit, dass der Zustand richtig zurückgemeldet wird. Dazu werden die beiden bzw. drei Aktoren bei einer Kreuzschaltung in der CCU2 über eine Direktverknüpfung verbunden.

Dadurch „weiß“ die Zentrale nun, wenn ein Taster betätigt wird, dass sich der Zustand der gesamten Schaltung ändert.

Naja jetzt denkt Ihr Huch „….doof… warum bekommt der smarte Aktor denn nicht mit, wenn kein Strom mehr fließt….“.

Über genau diesen Umstand wurde sehr viel diskutiert. Die Kosten für den Umbau einer Kreuz- bzw. Wechselschaltung waren damit sehr hoch, da mindestens zwei Aktoren verbaut werden mussten.

Da die klassischen Aktoren von Homematic keinen Strom messen können, konnte einfach nicht erfasst werden, ob dieser von einer anderen Bedienstelle geschaltet worden war. Diesen Umstand hat man bei dem Homematic IP UP-Aktor geändert.

Wenn dieser Aktor verwendet wird, dann ist nur noch ein „smartes“ Gerät in der Schaltung notwendig. Das Gerät misst den Strom und erfasst diesen, wenn er an einer anderen Stelle durch z.B. einen konventionellen Schalter eingeschaltet worden ist.

So können jetzt Kreuz- und Wechselschaltungen umgebaut werden, ohne dass die komplette Installation getauscht werden, muss.

Verwendete Hardware

Amazon ELV ELV-Bausatz
HM-IP-Schalter Link Link nicht verfügbar
HM-IP-Dimmer Link Link nicht verfügbar
HM-IP-Puck Link Link nicht verfügbar
CCU2 Link Link Link

Zur Verdeutlichung hier das Schaltbild vom Homematic IP UP-Aktor

Wenn der Aktor als einfache Bedienstelle aufgeabut werden soll, das wird der bestehende Schalter durch den UP-Aktor ersetzt und wie folg angeschlossen. Wichtig ist hierbei zu beachten, dass ein N-Leiter für die Versorgung vom µ-Prozessor vorhanden sein muss. Bei älteren Installationen mit klassischer Nullung kann es vorkommen, dass in der Dose kein N zu finden ist, da nur die Phase geschaltet wird. Dann müsst Ihr schauen, ob eine N am Verbraucher zu finden ist und dort den Aktor platzieren.

Die geschaltete Phase wird an den Anschluss „2“ angeschlossen. Der Aktor wird mit L und N versorgt.

Jetzt kommen wir zur Wechselschaltung. Bei Homematic mussten hier noch 2 Aktoren verbaut werden. Das ist die Neuerung bei Homematic IP. Es ist der HM-IP-Aktor zu sehen, der gemeinsam mit einem konventionellen Wechselschalter die Lampe schaltet.

Wenn nun der Wechselschalter betätigt wird, dann wird das Schalten vom HM-IP-Aktor bemerkt und der Zustand der gesamten Schaltung wird auf „Ein“ gesetzt. Die beiden Kabel, die zum Wechselschalter laufen, nennt man Korrespondierenden.


Werner hat mich vorhin auf das Thema angesprochen und sagte mir, dass er ebenfalls eine Wechselschaltung im Treppenhaus umbauen möchte. Er hat ebenfalls eine ältere Hausinstallation und nur an einem Schalter einen N-Leiter, da sich unter dem Schalter eine Steckdose befindet. Bei so einer Installation wird immer der Schalter gegen den HM-IP-Aktor getauscht, an den sich ein N-Leiter befindet. Der vorhandene Wechselschalter bleibt bestehen.

Bei einer Kreuzschaltung sieht die Installation ähnlich aus. Eine Kreuzschaltung besteht aus zwei Wechselschaltern und „in der Mitte“ befindet sich ein Kreuzschalter. Diese Installation ist im untern Schaltbild zu finden.

Auch hier wurde ein Wechselschalter durch einen HM-IP-Aktor ersetzt. Die beiden anderen Schalter (Kreuz- und Wechselschalter) bleiben bestehen. Wenn nun an einem Schalter das Licht geschaltet wird, bekommt dies der HM-IP-Aktor mit und ändert den Status in der CCU für die gesamte Schaltung.

So können auch komplexere Kreuzschaltungen ohne Probleme, und ohne großen Aufwand smart gemacht werden. Es ist aber auch hier darauf zu achten, dass in jedem Fall ein N-Leiter beim HM-Gerät vorhanden sein muss.

Wie sieht es mit Dimmern und UP-Pucks aus?

Leider ist es aktuell nur mit dem HM-IP-Aktor möglich eine Kreuz- oder Wechselschaltung nach diesem Schema aufzubauen. Solltet Ihr die Installation dimmen wollen, müssen die Schalter wie zuvor auch alle getauscht werden.

Der Homematic IP Dimmer unterstützt diese Funktion leider nicht. Auch die neuen HM-IP UP-Pucks können nur eine Phase schalten und leider nicht messen. Daher kann dieser Aktor nicht für die oben beschriebene Methode verwendet werden.

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24 Kommentare
  1. Benjamin sagte:

    Hallo Sebastian,

    danke für die Anleitung. Es ist die erste Vernünftige Anleitung die mir unter die Augen gekommen ist.

    Ich hätte da allerdings noch ein bis zwei fragen:

    1. Du schreibst zum Schluss das die UP-Pucks nicht funktionieren weil die nicht messen können. Der von Dir zu Amazon verlinkte UP-Puck ist doch auch ein Schalt-MESS-Aktor. Warum kann der das nicht?

    2. Mein Plan war eigentlich das ich noch zusätzlich einen UP-Aktor irgendwo verbaue um an den Schaltern überall die gleiche Haptik zu haben. Also selbst wenn der UP-Aktor doch funktionieren sollt (siehe Punkt 1), kann dann mein Vorhaben dann funktionieren?

    3. Da ich mittlerweile überall 230 Volt LED-Leuchtmittel verwende, steht in der Anleitung vom SchaltMess-Aktor für Markenschalter das man ein Einschaltstrombegrenzer (ESB) verwenden muss/sollte Die gibt es bei ELV für ca. 9€. Die Frage ist nun wo wird der oder werden die ESB zwischengeschaltet. Reicht einer zwischen dem Aktor und der Lampe oder muss ich mehrere verbauen. Und wenn mein Vorhaben funktionieren sollte, brauche ich für den UP-Aktor auch den oder die ESB (schätze ja, aber fragen kostet ja nichts)?

    Danke für die Zeit und Mühe die die Beantwortung meiner Fragen kostet!!!

    Liebe Grüße

    Benjamin

    Antworten
  2. Miglo sagte:

    Ich habe bei mir die Situation : Wechselschalter – Kreuzschalter – Wechselschalter. Ich habe nur an der Dose wo der Kreuzschalter ist die Möglichkeit einen Nullleiter abzugreifen. Funktioniert das auch?

    Antworten
    • JR sagte:

      Hallo Miglo,
      das funktioniert leider auf keinen Fall.
      Es muss auf alle Fälle ein Wechselschalter getauscht werden und nach meinem aktuellen Kenntnisstand geht hier auch nur der „Anfangs-„Wechselschalter, also der mit L in.
      Ralf

      Antworten
        • Miglo sagte:

          Danke euch für die Antworten, dann werde ich es wohl mal mit dem Fibaro Switch für Homekit probieren, der soll angeblich an jeder Stelle funktionieren
          Gruß Miglo

          Antworten
  3. Fred sagte:

    Hallo zusammen,

    ich finden diesen Blog total super allerdings sollten man bei diesem Artikel und einer Kreuzschaltung berücksichtigen, dass meistens nur der „Anfangswechselschalter“ getauscht werden kann, da im „Endwechselschalter“ meistens nur die „geschaltete“ Phase ankommt!

    Gruß
    Fred

    Antworten
    • Bernd sagte:

      Hallo,
      Gehe ich recht in der Annahme, das die Lösung mit einem HMIP BSM Aktor in einer Kreuzschaltung nur mit der CCU2 funktioniert nicht aber mit dem HMIP Access Point. Und die 2. Frage ein Austausch des Stromstoßrelais im Sicherungskasten ist nicht notwendig?
      Gruß
      Bernd

      Antworten
      • JR sagte:

        Hallo Bernd,
        aufgrund Deiner 2. Frage, glaube ich, verwechselst Du etwas. Bei einer Kreuzschaltung gibt es kein „Stromstossrelais“. Dies gibt es nur bei einer Relais-Lösung mit Tastern, nicht aber bei der Verwendung von Schaltern. Bei einer Kreuzschaltung verwendet man eine Kombination aus 2 Wechselschaltern (hier wird der erste durch den HMIP BSM ersetzt, eine CCU2 ist nicht notwendig) und einem oder mehreren Kreuzschaltern dazwischen.
        VG
        Ralf
        PS: leider habe ich noch keine Lösung für einen Austausch HMIP BSM gegen End-Wechselschalter gefunden.

        Antworten
        • Bernd sagte:

          Ok. danke für die Antwort. Die Lampe um die es bei mir geht ist eine, die über 4 Taster und dem Stromstossrelais im Sicherungskasten gesteuert wird. Dann kommt die hier beschriebene Vorgehensweise für mich nicht in Frage.

          Antworten
  4. Frank sagte:

    Hallo, ich weiß nicht mehr genau wo ich es gelesen habe, aber es wurde einmal berichtet, dass der oben beschrieben HM IP Aktor, bei längerer Nichtbenutzung in eine Art Ruhezustand verfällt.
    Das hatte zur Folge, dass bei einem Druck auf den Aktor um das Licht einzuschalten, dieser nicht darauf reagiert hat, sondern zunächst mal wach werden musst. Das Licht ging dann erst bei einem weiteren Tastendruck an.

    Ist das soweit korrekt? Kann das jemand bestätigen?

    LG
    Frank

    Antworten
    • Ralf H sagte:

      Hallo,
      Das Einschlafproblem war wohl bei den 1.2 – 1.4 Firmwares vorhanden, kann ich aber bei meiner 1.62 nicht mehr verifizieren, ich habe das Problem bisher nicht wahrgenommen.
      VG
      Ralf

      Antworten
    • Sebastian
      Sebastian sagte:

      …bei alten Installation ist in der Regel darauf verzichtet worden, 3×1,5 zum Schalter zu legen. In vielen Fällen wird nur die Phase zum Schalter geführt und daher ist kein N zu finden. So habe ich es ja auch im Text beschrieben

      Antworten
      • Karsten Georgi sagte:

        Bei einer ‚klassischen Nullung‘ fehlt der Schutzleiter (PE) an Steckdosen. Diese sind nur zweipolig mittels ‚L‘ und ‚PEN‘ angeschlossen. Eine Brücke verbindet dabei die ‚N‘ und ‚PE‘ Kontakte der Steckdose.
        https://de.wikipedia.org/wiki/Nullung

        Am Schalter wird nach wie vor die braune (früher schwarze) Ader als Zuleitung, und die blaue als geschaltete Ableitung verwendet – unabhängig davon, ob eine dritte Ader (grün/gelb) vorhanden ist, oder nicht. Ein Neutralleiter kann also am Schalter nur dann vorhanden sein, wenn sich in direkter Nachbarschaft eine Steckdose, oder aber eine Zuleitung mit mindestens 3 Leitern plus (!) PE befindet.
        Das ‚Problem‘ hat mit klassischer Nullung also Null :-) zu tun.

        Antworten
  5. Ralf sagte:

    Hallo, ich habe ebenfalls die Situation, dass bei einer vorhandenen Wechsel- und einer Kreuzschaltung nur an einem Schalter (leider jeweils am „End-„Schalter ein N-Leiter zu bewerkstelligen ist (Steckdose beim Schalter).
    Wie wird denn in dem Fall der HMIP Schalt-/Messaktor angeschlossen, denn an dieser Position gibt es ja keinen L-Leiter, der Dauerphase bietet. Der „Strom“ kommt ja von den Korrespondierenden und der „L“ geht zum Verbraucher. Mir ist es mit dem HMIP an der Endposition jedenfalls nicht gelungen die Wechselschaltung voll funktionsfähig aufzubauen.
    LG (und guten Rutsch)
    Ralf

    Antworten
    • Torsten Schneider sagte:

      Es sollte gehen. Wichtig ist eine normale und keine Sparwechselschaltung und das der erste Schalter getauscht wird. Also liegt immer 230V an. Wenn der vom Aktor geschaltete Draht von einem anderen Schalter weg geschaltet wird merkt es der Aktor am Leistungsverlust. Anders Problem PEN Leiter, also Nullung beinhaltet den N im PE.

      Antworten
      • JR sagte:

        Danke für die Idee Torsten, aber hab ich jetzt nicht verstanden. Ich kann doch gerade den ersten Schalter nicht tauschen, da ich den BSM dort an der „Startposition“ ohne N-Leiter nicht betreiben kann? Sonst wär‘s ja Standard nach Anleitung. Oder hast du das anders gemeint?
        VG
        Ralf

        Antworten
  6. Mathias sagte:

    Das ist eine gute Anleitung. Ich werde mal schauen, ob es sich im Vorraum zu meiner Wohnung verwirklichen läßt.
    Ich habe aber gerade im Homematic-Forum gelesen, daß eine Wechselschatung mit der FW 1.22 sehr unzuverlässig ist. Man sollte sie auf 1.4 upgraden.
    Weiter ist es möglich, das auch mit den normalen HM-Komponenten zu bewerkstelligen. Es gibt dazu eine alternative Firmware. Achtung! Das funktioniert nur unter FHEM und NICHT bei der CCU2.
    Ich stelle mir gerade die Frage, ob man das Telekom-Teil auch bei der CCU2 anlernen kann
    Gruß, Mathias

    Antworten
  7. Daniel sagte:

    Korrekturen:

    – Für eine Kreuz/Wechselschaltung Homatic (ohne IP) sind nicht n Aktoren, sondern ein Aktor (der eigentliche Schalter) und (n-1) Sensoren (Taster oder Schalterschnittstellen) nötig. Mit n Aktoren funktioniert das nicht.

    – Auch der klassische Homatic Schaltaktor kann technisch die Leistung messen und darüber erkennen, ob die Lampe leuchtet oder nicht. Es wird nur von der Firmware nicht unterstützt. Es gibt eine alternative Firmware, über die man das realisieren könnte, was allerdings aufwändig und mit Risiken verbunden ist.

    Ich find es von eQ3 schon eine Frechheit, die technische Möglichkeit softwareseitig zu limitieren um ihre teuren Schalter/Tasterinterfaces zu verkaufen.

    Quelle: https://wiki.fhem.de/wiki/HM-LC-Sw1PBU-FM_Alternative_Firmware

    Antworten
    • Sebastian
      Sebastian sagte:

      Hallo Jonas, leider nein. Der Schalter wird zwar auch mit 230V betrieben, muss aber auf den Kontakt von dem Gerät geführt werden. Außerdem ist bei den meisten kein Platz im Schaltschrank oder der Stromkreis ist nicht separat abgesichert, sodass die Leitungen für die Wechsel- oder Kreuzschaltung gar nicht erst im Schrank ankommen.

      Antworten

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