Vor wenigen Woche hat ELV / eQ-3 das neue Funkmodul für den Raspberry Pi vorgestellt. In 2 Wochen werden die ersten Module von ELV verschickt. Was sich ändert im direkten Vergleich zum alten Funkmodul habe ich Euch hier kurz zusammengefasst.

Als kurze Einleitung für diejenigen unter Euch, die gerade in die Welt von Homematic eingestiegen sind, erkläre ich kurz, wofür das Funkmodul überhaupt verwendet werden kann. Die noch aktuelle Zentrale von Homematic (CCU2) ist doch nun schon etwas in die Tage gekommen und die Geschwindigkeit ist nicht mehr zeitgemäß. Durch die Freigabe der Software, seitens eQ-3, die auf der CCU läuft, sind unterschiedliche Entwickler auf diesen Zug aufgesprungen und haben Möglichkeiten geschaffen, das Betriebssystem der CCU2 auf eine schnellere Hardware wie z.B. den Raspberry Pi zu bringen.

Durch die modernere Hardwarearchitektur und dem zusätzlichen Arbeitsspeicher arbeitet das Betriebssystem dadurch viel flüssiger und die Ladezeiten werden minimiert. Jens Maus ist einer dieser Entwickler, der das Projekt RaspberryMatic ins Leben gerufen hat. RaspberryMatic ist aber noch etwas mehr als nur eine exakte Kopie des offiziellen Betriebssystems. Es werden hier neuen Funktionen implementiert, die dann später, bei erfolgreichem Test, in die originale Version für die CCU2 übernommen werden.

Ein weiterer Zweig, der sich gebildet hat, ist piVCCU von Alexander Reinert. Er verfolgt ebenfalls den Ansatz, das Betriebssystem der CCU2 auf eine schnellere Hardware zu implementieren. Er geht hierbei aber einen etwas anderen Weg. Es verwendet die originale Software (ohne Modifikationen) und lässt das Betriebssystem in einem virtuellen Container auf einem mini-Computer laufen. Dadurch ist es möglich, weitere Software parallel zu installieren – dies kann z.B. einen Homebridge (für die Siri-Sprachsteuerung), ioBroker oder andere Software sein.

Alexander legt auch großen Wert darauf, dass nicht nur der Raspberry Pi, sonder auch weitere Hardware-Plattformen unterstützt werden.

Doch wofür nun das Funkmodul?

Das Funkmodul wird nun benötigt, damit der Raspberry Pi (oder ein andere mini-Computer) mit den Homematic-Geräten kommunizieren kann. Das Funkmodul stellt die Brücke zwischen dem 868 MHz-Netz der Homematic-Welt und dem Raspberry Pi her. Diese Schnittstelle ist ebenfalls in der CCU2 zu finden, ohne dieses Modul wäre es also nicht möglich, per Funk mit den Teilnehmern (Sensoren und Aktoren) zu „sprechen“. Erst mit diesem Modul wird aus dem Raspberry Pi eine vollwertige Homematic-Zentrale.

Unterschiede zwischen dem alten und dem neuen Modul

Das alte Funkmodul ist sehr kompakt gebaut und wird direkt auf die GPIO-Pins des Raspberry Pi’s gesteckt. Das Design dieses Modul hat jedoch leider ein paar Schwächen.

  • Schlechte EMV-Eigenschaften, da die Antenne des Moduls sich mit der Antenne des Raspberry Pi’s (Bluetooth/WLAN) stört.
  • Bauform nicht besonders Ideal, da viele Gehäuse nicht für den zusätzlichen Aufbau geeignet sind und das Modul durch den Deckel nach unten gedrückt wird.
  • Störungen durch schlechte 5V Netzteile, die unzureichend stabilisiert sind.
  • Wenn der Raspberry Pi mit einem zusätzlichen Kühlkörper auf der CPU ausgestattet ist, kann es zu Kontakt mit dem Funkmodul kommen.
  • Schlechte Antennenführung, diese liegt auf der Platine vom Raspberry Pi
  • Wesentlich geringere Funkreichweite als die CCU2 (durch oben genanten Gründe)

Viele der hier angesprochenen Einschränkungen lassen sich durch einfache Modifikationen beheben. So kann z.B. die verringerte Sendeleistung durch eine externe Antenne ausgeglichen werden. Zum Anbau einer externen Antenne haben wir Euch sehr ausführliche Anleitungen geschrieben.

Auch durch die Verwendung eines guten 5V Netzteils, lassen sich viele Probleme beheben. Es hat sich gezeigt, dass die Deaktivierung von Bluetooth und WLAN auf dem Raspberry Pi ebenfalls zu einer Verbesserung der Reichweite führt.

Der große Vorteil des alten Moduls ist der sehr geringen Preis von ca. 20€.

Das neue Funkmodul behebt alle oben genannten Probleme durch ein verbessertes Platinenlayout. Das neue Modul sitzt nun nicht mehr direkt auf den GPIO-Pins. Die neue Platzierung führt zu einer wesentlich besseren EMV-Verträglichkeit und reduziert die gegenseitigen Einflüsse der Antennen vom Raspberry Pi.

Durch die externe Spannungsversorgung, die auf der Platine ebenfalls gefiltert und stabilisiert wird, können auch diese negativen Einflüsse minimiert werden.

Diese Neuerungen führen dazu, dass die Reichweite vom Funkmodul besser ist, als die des alten. Doch es gibt auch bei dem neuen Modul einige Nachteile, die Ihr berücksichtigen solltet.

  • Durch das neue Design kann kein Standard Gehäuse mehr verwendet werden. Aktuell gibt es nur das Gehäuse von ELV.
  • Alle GPIO Pins werden vom neuen Modul verdeckt, sodass eine Nutzung für weitere Anwendungen erschwert wird – z.B. USV oder andere Adapter.
  • Viel höherer Preis im direkten Vergleich zum alten Modul.

Benötigte Hardware:

Trugschluss – altes Modul funktioniert nicht mit neuer Software (CCU3)

Um hier etwas Licht ins Dunkle zu bringen, will ich mit den Gerüchten aufräumen, dass das alte Funkmodul nicht mit dem neuen CCU Betriebssystem laufen wird – das ist schlichtweg falsch! Auch hat das alte/neue Modul keinerlei Einfluss auf die Unterstützung von Homematic wired IP.

Genau genommen wird für den Betrieb einer reinen Homematic wired IP Installation gar kein Funkmodul benötigt.

Wenn nun die neue CCU-Version heruaskommt, die neue Funktionen beinhaltet und dass neue wired IP-Gateway unterstützt, kann sowohl das alte als auch das neue Funkmodul verwendet werden.

Die Hardware hat hier keinerlei Einfluss auf die Funktionalität der Software – daher spielt es keine Rolle, welches Modul Ihr verwendet.

Beide Module werden auch von zukünftigen RaspberryMatic und auch piVCCU Versionen unterstützt.

Altes oder neues Modul?

Eine Frage, die man so pauschal nicht beantworten kann – Wenn Ihr eine bestehende Installation habt und diese ohne Probleme läuft, dann braucht Ihr nicht umsteigen. Wie oben schon erwähnt wird das alte Modul genauso ohne Nachteile unterstützt, wie das neue Modul.

Solltet Ihr eine CCU2 oder gar CCU1 im Einsatz haben, dann würde ich in jedem Fall wechsel. Ob nun das günstigere alte oder neue Modul muss hier genauer betrachtet werden.

Das alte Modul erreicht mit einer externen Antenne eine bessere Reichweite als die CCU2 mit der originalen Antenne.

Zur Reichweite des neuen Moduls kann ich aktuell noch nichts sagen, es wird aber besser sein als das alte ohne Antenne.

Wer also ein komplettes Haus mit Funk abdecken will, sollte eher zum neuen Modul tendieren und bei bedarf die Antenne ebenfalls durch eine externe ersetzen.

Wer eine kleinere Installation hat, wie z.B. eine Etagenwohnung, kann ganz getrost zum günstigeren Modul greifen, da dieses vollkommen ausreichend ist.

Umstieg vom alten auf das neue Funkmodul?

Nein! Wenn Ihr keine Probleme mit Eurer bestehenden Installation habt, dann gilt hier der Spruch: Never touch a running Systm. Ihr werdet durch das neue Modul keine Vorteile haben.

Solltet Ihr jedoch Probleme mit der Sende-/Empfangsqualität haben, kann entweder eine externe Antenne am alten Modul oder das neue Modul Abhilfe schaffen.

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10 Kommentare
  1. Mathias sagte:

    Ich verstehe z.B. auch nicht, dass man beim neuen Funkmodul ein Drähtchen verbaut hat, anstatt die Antenne ganz weg zu lassen.
    Stattdessen hätte man einen SMA-Antennenanschluß nehmen können. Den Mehrpreis hätte man vernachlässigen können, externe Antennen kosten auch nicht mehr die Welt, die man sich dann zusätzlich kaufen hätte müssen.
    Gruß,
    Mathias

    Antworten
    • Alex sagte:

      Hi,

      wie denn? Das Modul kommt erst in 2 Wochen auf den Markt. Außerhalb von eQ-3 dürfte es kaum jmd. geben, der das Modul bereits hat, vermutlich sind Jens und ich sogar die einzigen.

      Viele Grüße
      Alex

      Antworten
    • Alex sagte:

      Hi,

      im neuen Modul hängt der CC1310 drin, der ist etwas besser, aber der CC1101 war bereits sehr gut. Allerdings braucht es nicht nur einen guten Chip, sondern auch eine gute Antenne. Und die hat sich nicht verändert und ist weiterhin eher alls minderwertig zu betrachten. (Knick im Lamda/4 macht viel der Leistung kaputt. Warum Sie bei der Größe der Platine nicht einfach das Chip-Antennen Design von TI umgesetzt haben, ist mir ein Rätsel. Mehrkosten hätte das nicht verursacht und Platz wäre genug da.

      Ich gehe stark davon aus, dass nur Wenige rein mit dem neuen Modul Funkprobleme lösen können. Wenn dann mit einer externen Antenne.

      Viele Grüße
      Alex

      Antworten
    • Sebastian
      Sebastian sagte:

      …da hast Du recht. ich persönlich finde diese aber sehr unnötig, da ich den PI ja nie ohne Internet-Zugang betreibe. Sobald ich eine Verbindung zum Netz habe, ist auch die aktuelle Zeit da. Die Uhr brauche ich nur für den Start ohne Internet oder bei einem sehr langen Ausfall bzw. bei einem System ohne Internet.

      Antworten
      • Alex sagte:

        Korrekt muss man sagen: Bei einem sehr langen Ausfall unter 2 Tagen. Ansonsten bringt die RTC auf dem Funkmodul auch nichts, weil der verbaute Goldcap nach zwei Tagen ohne Stromversorgung leer ist und die RTC dann auch nicht mehr läuft.

        Antworten

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