Kostenanalyse: Lohnt sich der Umstieg von externer Festplatte auf NAS?
Ich erinnere mich noch gut an meinen ersten NAS-Server – ein Synology DS214, das ich mir vor knapp zehn Jahren gegönnt habe. Bis dahin hatte ich meine Backups auf einer externen WD My Passport gespeichert. Einfach, günstig und eigentlich ausreichend – dachte ich. Doch mit der Zeit wuchs mein Datenberg: Fotos, Smart-Home-Logs, Videos, Projektdaten. Irgendwann wurde das ständige Umstecken der USB-Platten zur Geduldsprobe. Also stellte sich die Frage: Lohnt sich der Umstieg auf ein NAS wirklich – vor allem finanziell? In diesem Artikel rechne ich das ganz genau durch. Nicht mit Marketingversprechen, sondern mit echten Zahlen, Erfahrungen und einem nüchternen Blick auf die langfristigen Kosten.
Grundlagen: Externe Festplatte vs. NAS
Bevor wir über Kosten sprechen, müssen wir klar trennen, worüber wir überhaupt reden. Eine externe Festplatte ist im Prinzip eine klassische HDD oder SSD in einem Gehäuse mit USB-Anschluss. Man steckt sie an den Rechner, sie erscheint als Laufwerk, und los geht’s. Typische Vertreter sind WD My Passport, Seagate Expansion oder kompakte SanDisk Portable SSDs. Ideal für Backups oder mobile Datentransporte. Ein NAS (Network Attached Storage) dagegen ist ein kleiner Server mit eigenem Prozessor, RAM und Betriebssystem. Er hängt dauerhaft im Netzwerk, meist per Gigabit- oder 2,5-GbE-LAN, und bietet zentralen Speicherplatz für mehrere Geräte. Hersteller wie Synology, QNAP, WD oder UGREEN liefern hier komplette Systeme, oft mit RAID-Unterstützung für Datensicherheit. Der Hauptunterschied liegt also in der Art der Nutzung: Während die externe Platte meist nur an einem PC hängt, ist das NAS ein permanenter Netzwerkspeicher, auf den mehrere Nutzer und Geräte gleichzeitig zugreifen können – auch remote über das Internet.
Anschaffungskosten im Vergleich
Der Preis ist meist das erste Argument gegen ein NAS – und das zu Recht. Eine externe Festplatte mit 2 TB kostet aktuell unter 60 €, 4 TB liegen bei etwa 80–100 €. Selbst große 8–10 TB-Modelle sind ab rund 150 € zu haben. Das ist günstig, plug & play und völlig wartungsfrei. Ein NAS-System hingegen startet bei etwa 180–200 € – und das ist nur das Gehäuse. Hinzu kommen die Festplatten. Wer beispielsweise zwei WD Red mit je 4 TB einsetzt, zahlt pro Platte rund 90 €. Damit landet man bei rund 380–400 € Gesamtkosten für ein Einsteiger-NAS mit 8 TB Bruttokapazität (4 TB netto bei RAID 1-Spiegelung). Das ist also etwa das Vierfache einer gleich großen externen Platte. Aber: Der reine Anschaffungspreis ist nur die halbe Wahrheit. Um den tatsächlichen Wert zu verstehen, müssen wir die Lebensdauer, Stromkosten und Nutzungseffizienz mit einbeziehen.
Langzeitkosten: Strom, Wartung und Lebensdauer
Ein NAS läuft in der Regel 24 Stunden am Tag. Selbst energieeffiziente Modelle wie aktuelle UGREEN-NAS mit ARM-Prozessoren und 2,5-GbE-Anschluss verbrauchen im Leerlauf rund 15–25 W. Bei durchschnittlich 20 W ergibt das etwa 175 kWh pro Jahr – bei einem Strompreis von 0,30 €/kWh also rund 52 € jährliche Betriebskosten. Eine externe Festplatte dagegen ist meist nur bei Bedarf aktiv. Selbst wenn man sie täglich eine Stunde nutzt, liegt der Stromverbrauch bei kaum mehr als 2 kWh im Jahr – also unter 1 €. Auf zehn Jahre gerechnet summiert sich der Stromverbrauch eines NAS also auf etwa 500 €, während die USB-Platte kaum ins Gewicht fällt. Auch die Wartung ist ein Punkt: NAS–Festplatten laufen permanent, was Verschleiß bedeutet. Nach 4–6 Jahren sind Laufwerkswechsel realistisch. Bei externen Platten, die nur gelegentlich laufen, kann die Lebensdauer deutlich höher sein. Andererseits bietet ein NAS durch RAID-Spiegelung Redundanz – fällt eine Platte aus, bleiben die Daten erhalten. Das kostet zwar Ersatzlaufwerke, spart aber potenziell Datenrettungskosten, die schnell vierstellig werden können.
Kosten pro Terabyte und Nutzungseffizienz
Um die Wirtschaftlichkeit zu vergleichen, lohnt sich ein Blick auf den Preis pro nutzbarem Terabyte über die Lebensdauer.
| System | Anschaffungskosten | Lebensdauer | Stromkosten (10 Jahre) | Gesamtkosten | Nutzbare Kapazität | Kosten pro TB |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Externe HDD (8 TB) | 150 € | 8 Jahre | ~8 € | 158 € | 8 TB | ≈ 20 €/TB |
| NAS (2×4 TB, RAID 1) | 400 € | 6 Jahre | ~312 € | 712 € | 4 TB | ≈ 178 €/TB |
Die Differenz ist deutlich: Ein NAS kostet über die gesamte Laufzeit fast das Zehnfache pro Terabyte. Aber hier zählt nicht nur der Speicherplatz, sondern der Mehrwert – und den muss man in die Rechnung einbeziehen.
Mehrwert-Faktoren: Was man für das Geld bekommt
Ein NAS ist kein reines Speichermedium. Es ist ein Server im Miniaturformat. Und genau darin liegt der Mehrwert, der den höheren Preis teilweise rechtfertigt.
- Zugriff von überall: Über Dienste wie Synology QuickConnect oder QNAP myCloud kann man von jedem Ort auf seine Daten zugreifen – ohne Cloud-Abo.
- Automatische Backups: Ein NAS kann regelmäßig PCs, Smartphones und Smart-Home-Systeme sichern – ganz ohne manuelles Anstöpseln.
- RAID-Schutz: Redundante Speicherung schützt vor Datenverlust durch Festplattenausfall.
- Medienserver-Funktion: Filme, Musik oder Fotos können direkt an Smart-TVs gestreamt werden.
- Erweiterbarkeit: Viele NAS unterstützen Apps, Docker-Container oder VM-Funktionalität.
Diese Punkte sind schwer in Euro zu fassen, aber sie erhöhen die funktionale Rendite eines NAS erheblich – besonders in Umgebungen mit mehreren Geräten oder Nutzern.
Wann lohnt sich der Umstieg wirklich?
Ob sich der Umstieg lohnt, hängt stark vom Einsatzzweck ab.
1. Einzelplatz-Backup oder Datentransport
Wenn du nur gelegentlich Daten sicherst oder transportierst, ist eine externe Festplatte unschlagbar. Sie kostet wenig, verbraucht kaum Strom und ist mobil.
2. Familien- oder Mehrgeräte-Haushalt
Hier beginnt der NAS-Vorteil. Wenn Laptops, Smartphones und Smart-TVs gleichzeitig auf denselben Datenbestand zugreifen sollen, spart ein NAS langfristig Zeit und Nerven. Die höheren Kosten amortisieren sich durch Komfort und zentrale Verwaltung.
3. Kleine Büros, Selbstständige, Smart-Home-Setups
In produktiven Umgebungen ist ein NAS praktisch Pflicht. Ob automatisierte Backups, Versionskontrolle oder Videoüberwachung – die Mehrkosten zahlen sich durch Effizienz und Datensicherheit aus. Kurz gesagt: Je mehr Geräte, Daten und Nutzer im Spiel sind, desto eher rechtfertigt sich der Preis eines NAS.
Zukunftstrends und Preisentwicklung
Die gute Nachricht: Die Kostenkurve bewegt sich in die richtige Richtung. NAS-Systeme werden effizienter und günstiger. Neue Modelle wie die UGREEN-NAS-Serie setzen auf sparsame ARM-Prozessoren und 2,5-GbE-Anschlüsse, was die Stromkosten senkt und die Leistung steigert. Auch SSD-Caching wird zunehmend Standard – ein großer Vorteil für Performance und Energieeffizienz. Parallel dazu sinken die Terabyte-Kosten bei HDDs und SSDs weiter. Selbst große NAS-HDDs (z. B. WD Red oder Seagate IronWolf) sind inzwischen erschwinglich. Wer also den Umstieg plant, profitiert langfristig von dieser Entwicklung.
Nach fast zwei Jahrzehnten mit diversen Speicherlösungen ziehe ich ein klares Fazit: Ein NAS ist kein Ersatz, sondern eine Investition. Für reine Backup-Zwecke bleibt die externe Festplatte die günstigste und einfachste Lösung. Doch wer seine Daten zentral verwalten, sichern und teilen will, sollte die höheren Anschaffungs- und Betriebskosten eines NAS als laufende Infrastrukturkosten sehen – ähnlich wie beim Router oder Server. Rechnet man den Mehrwert an Komfort, Sicherheit und Flexibilität ein, relativiert sich der Preis schnell. Oder anders gesagt: Wer nur ein paar Gigabyte Fotos sichern will, bleibt bei der USB-Platte. Wer aber ernsthaft mit Daten arbeitet – sei es im Homeoffice, Smart Home oder Familiennetzwerk – für den lohnt sich der Schritt zum NAS langfristig, auch wenn die Excel-Tabelle zunächst etwas anderes sagt.
Du überlegst, dein Speicher-Setup zu modernisieren? Vergleiche aktuelle NAS-Gehäuse und Festplattenpreise, bevor du investierst – und berechne deine individuellen Stromkosten. Nur so siehst du, wann sich der Umstieg für dich wirklich lohnt.










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