UGREEN NASync im Detail: Funktionen und Leistung im Test

Ich erinnere mich noch gut an die Zeiten, als ich für einfache Datensicherungen einen alten PC im Keller stehen hatte – laut, stromhungrig und ständig am Limit. Heute sieht die Welt anders aus: Kompakte NAS-Systeme übernehmen diese Aufgaben effizient, leise und mit einer erstaunlichen Funktionsvielfalt. Besonders spannend ist die UGREEN NASync-Serie, die mit einem frischen Ansatz und aggressivem Preis-Leistungs-Verhältnis auftritt. Ich habe mir die Geräte genauer angesehen und wollte wissen: Wie schlagen sich die neuen Modelle in der Praxis? Und wie viel NAS-Leistung bekommt man für unter 200 oder 300 Euro?

Hardware und Design der UGREEN NASync-Serie

Die UGREEN NASync-Serie umfasst mehrere Modelle, die sich klar an unterschiedlichen Nutzergruppen orientieren. Für Einsteiger gibt es den UGREEN NASync DH2300 mit zwei Laufwerksschächten, einem ARM-SoC und 4 GB RAM. Dieses Modell liegt preislich bei rund 190 € und bietet eine solide Basis für Datensicherung, Medienserver und kleine Cloud-Setups. Etwas leistungsstärker ist der UGREEN NASync DXP2800. Hier arbeitet ein Intel N100 Prozessor, der mit 2,5-Gigabit-Ethernet und Unterstützung für bis zu 76 TB Speicherplatz deutlich mehr Reserven bietet – ideal für Fotografen oder Videofilmer. Der Preis liegt aktuell bei etwa 319 €. Für Power-User hat UGREEN das DXP4800 Plus im Programm: Vier Laufwerksschächte, 10GbE-Netzwerkanschluss, bis zu 136 TB Speicher und eine 12-Kern-CPU machen dieses Modell zu einem echten High-End-System für knapp 590 €. Damit bewegt es sich technisch in Regionen, die sonst QNAP oder Synology vorbehalten waren, aber zu einem spürbar geringeren Preis. Alle Geräte setzen auf ein schlichtes, funktionales Design. Das Gehäuse ist aus hochwertigem Aluminium gefertigt, die Laufwerke sind über Einschübe zugänglich, und die Lüfter sind temperaturgesteuert. In meinem Testlauf war das Betriebsgeräusch hörbar, aber im geschlossenen Schrank kaum wahrnehmbar – vergleichbar mit einem leisen Desktop-PC.

Einrichtung und Erstkonfiguration

Die Einrichtung eines UGREEN NASync ist erfreulich unkompliziert. Nach dem Einbau der Festplatten – z. B. WD Red oder Seagate IronWolf – verbindet man das Gerät per LAN mit dem Router und schaltet es ein. Dank DHCP bekommt das NAS automatisch eine IP-Adresse. Im Browser ruft man dann einfach http:// auf, und der Setup-Assistent führt durch die Grundkonfiguration. In weniger als zehn Minuten ist alles erledigt: Administrator-Konto anlegen, Festplatten formatieren, RAID-Modus wählen (meist RAID 1 oder 0) und erste Freigaben erstellen. Das Betriebssystem UGOS präsentiert sich übersichtlich. Es bietet Basisfunktionen wie SMB/CIFS-, NFS- und FTP-Freigaben, Benutzerverwaltung und einfachen Cloud-Sync. Apps oder Container-Support fehlen zwar noch, aber für Backup, File-Sharing und Medienstreaming reicht das völlig aus. Besonders positiv fiel mir auf, dass UGREEN den Setup-Prozess sehr schlank hält – keine überladenen Menüs, keine unnötigen Klicks.

Performance im Alltag

Im Alltagstest mit zwei WD Red 4 TB-HDDs zeigte der UGREEN DH2300 stabile Übertragungsraten von rund 105 MB/s über SMB. Für ein Einsteiger-NAS mit 1 GbE ist das ein sehr guter Wert. Der Stromverbrauch lag im Leerlauf bei etwa 14 W, unter Last bei 22 W – damit ist das System auch für den Dauerbetrieb geeignet. Das DXP2800 legt durch 2,5 GbE und Intel-CPU nochmals deutlich zu. Gerade bei großen Videodateien macht sich die höhere Netzwerkbandbreite bemerkbar. In meinem Test ließ sich ein 20 GB 4K-Video-Archiv in unter drei Minuten übertragen. Auch mehrere gleichzeitige Streams liefen flüssig, was den Einsatz als Medienserver im Heimnetz oder Wohnmobil besonders attraktiv macht. Die Lüfterregelung arbeitet temperaturabhängig, und die Geräuschkulisse bleibt dabei angenehm zurückhaltend. Wer den NAS im Wohnzimmer betreibt, wird ihn kaum wahrnehmen. Für den mobilen Einsatz empfiehlt sich wegen Erschütterungsempfindlichkeit der HDDs allerdings der Umstieg auf SSDs – etwa SanDisk Ultra 3D oder WD Blue SA510.

UGOS – das Betriebssystem im Überblick

Das hauseigene Betriebssystem UGOS ist eine schlanke Linux-basierte Oberfläche. Sie erinnert in Struktur und Bedienung an die frühen Versionen von Synology DSM, bietet aber weniger Zusatzfunktionen. Das ist nicht unbedingt ein Nachteil: Wer keine Docker-Container, Surveillance-Lösungen oder Mailserver benötigt, bekommt hier ein sehr aufgeräumtes System. UGOS unterstützt klassische NAS-Protokolle wie SMB, NFS und FTP sowie Medienserver-Funktionen über DLNA/UPnP. Damit können Smart-TVs, Tablets oder Musik-Streamer direkt auf Inhalte zugreifen. Auch WebDAV und Remote-Zugriff sind integriert, sodass man bei Bedarf auch von außerhalb auf die Daten zugreifen kann. Was fehlt, ist ein App-Store oder Paketmanager, um zusätzliche Dienste nachzuinstallieren. Das grenzt den Funktionsumfang ein, reduziert aber auch mögliche Sicherheitsrisiken. Für Backup, File-Sharing und Streaming ist UGOS stabil und flott – genau das, was ein Großteil der Nutzer wirklich braucht.

Praktische Einsatzszenarien

Ein NAS ist kein Selbstzweck – entscheidend ist, wie es im Alltag genutzt wird. Ich habe zwei typische Szenarien ausprobiert: 1. Foto-Backup unterwegs: Nach einer Fototour können SD-Karten oder USB-Medien direkt am NAS angeschlossen werden. UGOS erkennt die Laufwerke automatisch, und ein Backup-Job kopiert die Daten in einen definierten Ordner. So landet das gesamte Shooting innerhalb einer Stunde sicher auf dem NAS – ohne PC dazwischen. 2. Medienserver im Heimnetz: Filme und Musik liegen zentral im Ordner Media. DLNA aktiviert, Smart-TV verbunden – schon taucht das NAS als Quelle auf. In meinem Test mit einem LG-TV liefen 1080p-Videos über LAN absolut flüssig, über WLAN je nach Signalstärke mit minimalen Rucklern. Beide Szenarien zeigen, dass UGREEN mit der NASync-Serie nicht nur auf Technik, sondern auch auf einfache, praxisnahe Nutzung setzt.

Vor- und Nachteile im Überblick

Vorteile Nachteile
  • Sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis
  • Einfache Einrichtung in unter 10 Minuten
  • Solide Performance bis 105 MB/s (DH2300)
  • 2,5 GbE und Intel-CPU beim DXP2800
  • Metallgehäuse, leiser Betrieb
  • Unterstützung handelsüblicher HDDs/SSDs
  • Kein App-Store oder Container-Support
  • Leicht hörbarer Lüfter unter Last
  • Kein Akku-Betrieb, Stromanschluss nötig
  • Software noch ohne KI- oder Cloud-Erweiterungen

Diese Gegenüberstellung verdeutlicht: UGREEN liefert mit der NASync-Serie eine starke Basislösung, die sich besonders für Nutzer eignet, die ein zuverlässiges, unkompliziertes NAS suchen – ohne Schnickschnack, aber mit solider Hardware.

Marktentwicklung und Einordnung

Mit über 13 000 Unterstützern und 6,6 Millionen $ auf Kickstarter hat die UGREEN NASync-Serie einen Nerv getroffen. Der Markt zeigt deutliches Interesse an leistungsfähigen, aber bezahlbaren NAS-Systemen. Während Synology und QNAP weiterhin Software-Vorreiter sind, punktet UGREEN mit Preis und moderner Hardware. Trends wie 2,5 GbE und 10 GbE, SSD-only-Systeme und kompakte Bauformen setzen sich weiter durch. Auch im Mobilbereich – etwa im Wohnmobil oder für Fotografen – gewinnen sparsame NAS-Geräte an Bedeutung. Künftige Entwicklungen wie Wi-Fi 7 und 5G-Integration könnten diese Nutzung noch flexibler machen. Wer heute ein NAS sucht, das einfach funktioniert und keine Cloud-Abhängigkeit erzwingt, findet in der NASync-Serie eine interessante Alternative.

Nach mehreren Wochen im Testbetrieb bin ich ehrlich überrascht, wie ausgereift die UGREEN NASync-Geräte schon sind. Natürlich fehlt ihnen noch das Software-Ökosystem großer Hersteller, aber dafür bekommt man solide Technik, einfache Bedienung und gute Performance zu einem fairen Preis. Für Heimanwender, Fotografen oder mobile Nutzer ist das eine sehr attraktive Lösung. Wer mehr will – etwa KI-Analyse oder Container – greift zu Synology oder QNAP. Doch wer einfach speichern, streamen und sichern möchte, liegt mit UGREEN goldrichtig.

Mein Tipp: Wer aktuell über ein NAS nachdenkt, sollte sich die UGREEN NASync-Serie einmal genauer ansehen – gerade das DXP2800 ist ein hervorragender Kompromiss aus Leistung, Preis und einfacher Handhabung.

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