Viele von euch kennen die Problematik, die mich dazu verleitet hat einen Ersatz für die Homematic Taster zu finden. Wir wurden bei Kundenprojekten der smartfabrik schon oft angesprochen ob und welche Alternativen es für Mehrfachtaster bei einer Homematic Installation gibt. Bisher haben wir hatten wir außer den originalen Funktastern von Homematic nur die Gira 6-Fach SPS Taster in Kombination mit einem HmIPW-FIO6 Aktor, welche in Kombination bei ca. 150€ pro Taster liegen. Leider waren diese von der Verdrahtung und der Qualität nicht mit den gewohnten KNX Tastern vergleichbar.

Schon länger habe ich nach einer stabilen Lösung gesucht, um auch die KNX Welt (speziell Taster) mit der CCU zu verbinden. Bei KNX Tastern haben wir den Luxus, dass es nicht nur eine handvoll Varianten, sondern mehr als 100 Alternativen gibt. Hier ist für jeden Anwendungsfall und für jeden Geldbeutel etwas dabei. Es ist sogar so, dass diese Kombination bei einem Neubau wesentlich günstiger sein kann als nur allein auf Homematic IP Geräte zu setzen. Um Euch einen kleinen Überblick zu geben, was alles möglich ist, habe ich Euch verschiedene Varianten in einer Bilderserie zuammengefasst.

Was benötigen wir um KNX Taster in die Homematicsteuerung zu implementieren?

  1. Einen Raspberry Pi, eine Synology oder den TK-Windows Server
  2. Docker, Linux oder Windows
  3. KNX Spannungsversorgung: 75€ (Bsp. KNX Netzteil 19,2W 640mA 30V ; MeanWell, KNX-20E-640 ; Schaltnetzteil)
  4. KNX Gateway 165€(Bsp.:Gira 216800 IP Schnittstelle KNX Einflächenbedienung REG)
  5. KNX Taster 83€ (Bsp.:GVS KNX Multifunktions-Tastsensor Advance+, 3-Fach glänzend – ADV-06/02.2.00 inkl. Temperatursensor und Busankoppler)
  6. Node-Red Installation und Einrichtung

Nicht abschrecken lassen! Auch mein erster Gedanke war, sind die Grundkosten nicht zu hoch für schönere Taster?

Hier habe ich einmal eine kurze Berechnung aufgestellt. In einem smarten Einfamilienhaus finden wir in der Regel mindestens 8 „6-Fach Taster“, die für die Grundlegenden Funktionen verwendet werden.

Um keine Funktaster zu verwenden (HmIP WRC6 75€), falls wir Bus-Kabel verlegt haben müssen wir pro Gira SPS Taster mit ca. 150€ inkl. Bus Homematic Busankoppler rechen.

Homematic mit Gira SPS Taster

8 * 150€ (FIO6 + Gira SPS Taster) = 1200€

Summe: 1200€

KNX Grundversorgung plus Taster

8 * 83€ = 664€ KNX Taster von GVS

1 * 75€ = 75€ KNX Spannungsversorgung von MeanWell

1 * 165€ = 165€ KNX Gateway von Gira

Summe: 904€

Bei diesem Beispiel könnt Ihr sehr schön sehen, dass wir bei vergleichbaren Tastern schon eine Menge Geld sparen können. Solltet Ihr mehr Wert auf das Design legen, stehen Euch natürlich auch alle anderen Hersteller zur Verfügung. Das kann dann auch Basalte, Jung usw.. sein.

Welche zusätzlichen Vorteile ergeben sich durch die Mischung der genialen System?

  • Die LED’s der Taster können ohne großen Aufwand den Status der Beleuchtung anzeigen. (Für den HmIPW-FIO6 müssen alle LED’s separat Programmiert werden)
  • Der Verdrahtungsaufwand sinkt von 8 Leitungen zwischen HmIPW-FIO6 und Gira SPS Taser auf 2. Bei KNX muss nur die Busleitung verbunden werden.
  • Die Tastergruppen können durch einen Trick einfach mit einer ETS Lite Lizenz programmiert werden

Trennung zwischen Homematic / Node-RED

Wer jetzt Angst bekommen hat, sich in eine neue Programmiersprache einarbeiten zu müssen, den können wir beruhigen! Es kann eine ganz klare Trennung zwischen den Tastern und der restlichen Automatisierung gezogen werden. Da wir mit dieser Lösung alle Taster via KNX einlesen, können wir diese nicht direkt in der CCU verarbeiten. Wir benötigen dazu einen „Datenbroker“. Wir haben ans an dieser Stelle für Node-RED entschieden, da es sehr stabil läuft und bei sehr vielen anderen kommerziellen Anwendung verwendet wird (Thema Bastellösungen vermeiden).

Die Verbindung zwischen den Tastern und den Aktoren wird in Node-RED hergestellt. Wie dies Funktioniert werden ich Euch in folgenden Artikeln sehr ausführlich beschreiben. Die restliche Programmierung könnt Ihr natürlich auch in Node-RED vornehmen oder aber weiterhin in der CCU. Die Taster dienen bei einer guten Automatisierung „nur als Fernbedienung“. Auch bei komplexeren Funktionen (alle Lichter aus, Alarmanlage usw..) kann eine Systemvariabel über den Taster angetriggert werden, die Automatisierung läuft auch dann weiterhin in der CCU. Es mit dieser Variante auch andere Systeme wie Mediola Automation-Manager usw.. genutzt werden.

Node-RED Verknüpfung zwischen Homematic und KNX

Interessanter Nebeneffekt

Wir konnten einen interessanten Nebeneffekt bei dieser Installation feststellen. Die Kommunikation zwischen KNX –> Homematic reagiert schneller als die Kommunikation zwischen Homematic –> Homematic. Bei einen KNX-Tastendruck reagiert der Homematic Aktor schneller als bei einem Homematic Tastendruck (Direktverknüpfung) zum gleichen Aktor. Daher sehen wir bei dieser Installation aktuell nur Vorteile ;-) Die große Welt der KNX-Taster wird verschmolzen mit der neuen Homematic IP wired Umgebenung.

Wie geht es weiter?

Da das Thema sehr spannend ist und sehr viel Potential birgt, wollen wir Euch in weiteren Artikel zeigen, wie Ihr den hier beschriebenen Aufbau selber umsetzen könnt. Dazu werden wir Euch zeigen, wie Ihr den Bus installieren müsst, wie die KNX-Aktoren eingerichtet werden müssen (physikalische Adresse) usw… Ich denke, dass hier eine ganze Reihe von weiteren Artikel zu diesem Thema erscheinen werden, seid gespannt!

13 Kommentare
    • Sebastian
      Sebastian sagte:

      Ich denke viele möchten gerne in der Homematic-Welt bleiben, da es einfacher zu Programmieren ist und die Hürde der ETS5 Lizenz natürlich auch nicht zu unterschätzen ist…

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      • Avatar
        Michael sagte:

        Ja, ich verstehe auch nicht, warum dieses KNX Konsortium die Software nicht als komplett mit allen Funktionen als FOSS bereitstellt. Je einfacher der Einstieg, desto mehr Kunden. Und jemand der einmal mit einem System angefangen hat muss schon einen sehr großen Leidensdruck haben, um zu wechseln.
        Das nützt doch eigentlich nur den Installateuren, die sich einmal die teure Software gekauft haben und damit von Projekt zu Projekt tingeln, aber die Zeiten, in denen Smart Home ausschließlich von Profis gemacht wird sind ja nun vorbei.
        Da könnte man vielleicht noch sagen, dass man damit einen gewissen Qualitätsstandard zu halten versucht, weil nicht jeder der es nicht wirklich ernst meint drauflosfrickeln kann, aber auf der anderen Seite wird ein Bauherr, bei dem Geld keine Rolle spielt und der mit der Technik nichts zu tun haben will so oder so einen Fachbetrieb beauftragen.

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        • Sebastian
          Sebastian sagte:

          …ja dann würden viel mehr private Nutzer das System nutzen – scheinbar sollen hier aber die Elektriker und Systemintegratoren geschützt werden. Die Einstiegshürde ist für eine private Person zu hoch um sich die Lizenz zu kaufen. Wir hatten die Überlegung diese kostengünstig zu vermieten, doch auch das darf als Lizenzgründen nicht gemacht werden. Schade!

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          • Avatar
            Genscher sagte:

            Ehrlich gesagt glaube ich fast, das genau diese Produktpolitik Homematic so attraktiv macht. Da kann man sich auch schnell eigene Module löten, wenn man will.

            Also danke für die Antworten!

    • Niklas
      Niklas sagte:

      Das habe ich bisher noch nicht getestet. Meiner Meinung nach dürfte es aber kein Problem sein da RedMatic auch auf der CCU3 läuft.

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  1. Avatar
    tommy sagte:

    An meine zwei Vorredner und alle anderen die eine klassische Elektroschaltung smart machen wollen: das geht natürlich mit Homematic IP und den Aktoren für die Schalterdosen auch bei bestehenden klassischen Verkablungen.

    Wer allerdings lieber auf Funk verzichtet wird vielleicht bei digitalSTROM fündig. Das System läuft wohl hauptsächlich über die bestehende Verkablung und hat dann ähnlich HmIPW im Schaltschrank noch Komponenten.

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    • Avatar
      Michael sagte:

      Für digitalSTROM scheint es aber (noch) keine NodeRed Nodes zu geben, oder?
      Ansonsten finde ich das wirklich interessant. Wenn auch nicht ganz günstig.
      Die Frage ist halt wie stabil das im Alltag läuft. Das scheint ja dasselbe Prinzip zu sein wie bei den Powerline-Adaptern für das Netzwerk und die sind ja eher als Notlösung anzusehen weil störanfällig und in der Leistung stark schwankend (Brutto vs. Netto)
      Auf der anderen Seite brauchen Smart-Home Komponenten natürlich viel weniger Bandbreite als ein LAN.

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  2. Avatar
    Christoph sagte:

    Hallo,
    ich ärgere mich so, dass ich beim umbau vor 3 Jahren keine Leerrohre eingezogen zu haben.

    Ich bin gerade am planen wie ich meine ganzen Schalter einbinden kann und kurz davor alles mit HmIP Funk zu realisieren.
    Warte aber glaube ich noch mit der Umsetzung.

    Gibt es keine Möglichkeit den KNX Bus ähnlich wie bei einem Poweline Adapter über das Stromkabel zu senden?
    Die sind ja Ohnehin überall vorhanden wo schon ein Taster war.

    Gruß

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    • Avatar
      Genscher sagte:

      Unser ganzes Haus ist voll mit Leerrohren, aber das bringt nichts. Schon auf Elektrikerseiten sagt man, dass Leerrohre nur selten dafür genutzt werden können um nachträglich Kabel einzuziehen.
      Auch bei uns geht es nicht. Alles über 2 Meter und eine Kurve und man hat verloren.
      Wir sparen uns die leeren Leerrohre und ziehen Cat7A, Buskabel und 2x4x0,6 ein.

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  3. Avatar
    Der Wanderer sagte:

    Wirklich toll, diese Aussichten, völlig systemfremde Taster in die HM einzubinden. Für mich liegt das wirklich große Problem in der Notwendigkeit eines verdrahteten Busses. Bei mir jedoch sehe ich da keine Chance: Mietwohnung, verwinkelte und teilweise verstopfte Verrohrung, es war nicht einmal möglich, nur einen einzigen Draht zusätzlich einzuziehen.
    Kennt Ihr vielleicht ein Möglichkeit, so einen „virtuellen“ Bus evtl wieder über Funk (und auch evtl wieder verlängerten Reaktionszeiten) zu simulieren?
    Normalerweise per Drahtbus angebundene Geräte würden sich dann auch ohne diesen betreiben lassen und bei entsprechendem, jedoch noch vertretbarem Aufwand vielleicht auch zuverlässiger arbeiten als die HM- und HmIP-Geräte.
    War nur so eine Idee, die es ermöglichen könnte, auch jene glücklich zu machen, die gerade kein neues Haus bauen…

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