Für alle Homematic „Starter“ oder auch Homematic IP Access Point Umsteiger möchte ich hiermit ein ausführliches Tutorial zur Einrichtung einer Alarmzentrale mittels einer CCU2/3/RaspberryMatic bereitstellen.

Mittlerweile gibt es eine doch respektable Anzahl von Homematic IP Access Point Usern, die auf eine Homematic IP CCU3 gewechselt haben. Vor allem die sehr individuelle, freie Programmierung sowie die Unabhängigkeit zur Cloud beschreiben nur einige der Vorteile.

Doch stellt die Programmierung der CCU3 so manchen Anwender vor eine Herausforderung. Wo die Homematic IP App bereits vorkonfigurierte Funktionen, wie beispielsweise eine Alarmfunktion mit „Unscharf“, „Hüllschutz“ sowie „Vollschutz“ bietet, muss dieses bei der CCU3 selbst programmiert werden.

Ich möchte euch daher hier aufzeigen, wie ihr mit der CCU3 eine Alarmfunktion mit den folgenden Features programmieren könnt:

  1. Unscharf, Hüllschutz sowie Vollschutz über einen Handsender eurer Wahl (oder auch mehrere)
  2. Hüllschutz aktiv: Auslösung des Alarms beim Öffnen von Fensterkontakten (nach beliebiger Auswahl)
  3. Vollschutz aktiv: Auslösung des Alarms beim Öffnen von Fensterkontakten oder Durchgang durch Bewegungsmelder (nach beliebiger Auswahl)
  4. Auslösung des Alarm erst 10 Sekunden nach Erkennung vom Sensor! Wird in der Verzögerungszeit „unscharf“-geschaltet, findet keine Alarmierung statt! (Zeit frei anpassbar)

1. Anlegen von Systemvariablen

Damit ihr eine solche Alarmfunktion mit Hilfe der Homematic IP CCU3 WebUI bauen könnt, benötigt ihr zunächst einmal sogenannte Systemvariablen. Diese halten einen bestimmten Status im System fest und können als Bedingung aber auch Aktivität in Zentralenprogrammen verwendet werden.

Wir wechseln dafür in der CCU3 auf dem Menüpunkt „Einstellungen“ und wählen den Punkt „Systemvariablen“ an.

Dort legen wir nun zwei Systemvariablen entsprechend der folgenden Typen an:

Variable 1 (Alarm-Modus):

Die Variable „Alarm“, man könnte auch Alarm-Modus sagen, ist vom Variablentyp Werteliste und besitzt die Werte „Unscharf; Innen; Innen+Aussen“. Hierdurch werden die drei Alarm-Modis „Unscharf, Hüllschutz und Vollschutz“ dargestellt.

Variable 2 (Alarmverzögerung):

Die Variable „Alarmverzögerung“ sorgt dafür, dass der Alarm durch Blitz und Sirene nicht sofort nach Öffnen einer Tür oder nach Durchgang eines Bewegungsmelders auslöst. Die Variable ist vom Typ Logikwert und besitzt die Werte „aktiv“ sowie „inaktiv„.

Anlegen mehrerer Zentralenverknüpfungen

Nachdem wir nun zwei notwendige Systemvariablen erstellt haben, geht es an die Programmierung mehrerer Zentralenverknüpfungen (auch gerne „Wenn, dann – Funkionen“ genannt).

Ihr klickt dafür auf Programme und Verknüpfungen -> Zentralenverknüpfung und erzeugt jeweils ein neues Programm mit den nachfolgenden Inhalten.

Zentralenverknüpfung 1 (Alarm-Modus über Handsender wechseln):

Unser erstes Programm dient dem Wechsel des Alarm-Modus. Hierfür verwenden wir vorzugsweise einen Alarm-Handsender. Ihr könnt allerdings alternativ auch nur mit einer App die Variable „Alarm“ zwischen den verschiedenen Zuständen schalten.

Wie ihr erkennen könnt, arbeite ich hier mit insgesamt drei unterschiedlichen Bedingungen, die jeweils durch neue „Sonst, wenn…„-Anteile in der Zentralenverknüpfung erstellt werden. Bitte unbedingt darauf achten, dass es sich um „Sonst, wenn…“ und NICHT „sonst…“ handelt.

Im oberen drittel der Zentralenverknüpfung schaltet die Taste unscharf der Alarm-Fernbedienung die Variable Alarm auf „unscharf“.

Im zweiten drittel der Zentralenverknüpfung schaltet die Taste innen scharf der Alarm-Fernbedienung die Variable Alarm auf „innen“.

Im letzten drittel der Zentralenverknüpfung schaltet die Taste unscharf der Alarm-Fernbedienung die Variable Alarm auf „innen+aussen“.

Für das Einpflegen weiterer Handsender kann die „oder“-Verknüpfungsfunktion genutzt werden.

Wer mit „sonst, wenn…“-Bedingungen nicht klarkommt, erzeugt einfach drei unabhängige Programme.

Zentralenverknüpfung 2 (Alarmerkennung bei Innen-Schutz (Hüllschutz)):

Das nächste anzulegende Programm erkennt einen Einbruch durch Fensterkontakte. Ihr könnt selbst durch zusätzliche „oder“-Bedingungen auswählen, welche Fensterkontakte (bspw. HmIP-SWDO) dazu beitragen sollen.

Wie ihr erkennen könnt, werden als Bedingung alle Fensterkontakte durch „oder“ miteinander verknüpft. Damit ein Alarm nicht im Modus „unscharf“ stattfindet, muss eine weitere „und“-Verknüpfung zur Systemvariable „Alarm“ mit dem Modus „Innen“ bzw. Hüllschutz erfolgen. Denkt dabei unbedingt daran, dass hier „nur prüfen“ ausgewählt wird. Die Fensterkontakte solltet ihr „auf Änderung auslösen“ belassen, da das Programm sonst ca. jede Stunde einmal getriggert wird. Beachtet zudem, dass in der Aktivität noch nicht die Sirene angesprochen wird, sondern die von uns zuvor erzeugte Systemvariable „Alarmverzögerung“ mit einer 10-sekündigen Verzögerung auf „aktiv“ gesetzt wird. Die Verzögerungszeit bestimmt dabei, wieviel Zeit zwischen Öffnen eines Fensters/Tür bis zur Sirenenauslösung vergehen soll.

Zentralenverknüpfung 3 (Alarmerkennung bei Innen+Aussen-Schutz (Vollschutz)):

Zentralenverknüpfung Nr.3 erkennt neben den Fensterkontakten auch einen Einbruch bzw. Durchgang durch Bewegungsmelder. Fügt einfach alle im Vollschutz zu enthaltenden Sicherheitskomponenten durch „oder“-Verknüpfungen in der Bedingung hinzu.

Auch in dieser Zentralenverknüpfung gilt, dass der Alarm nur dann ausgelöst werden darf, wenn der Alarm-Modus weder „unscharf“ noch „innen“ entspricht. Nun wenn der Alarm-Modus den Zustand „Innen+Aussen“ trägt, darf ein Alarm über Fensterkontakte (bspw. HmIP-SWDO) und Bewegungsmelder (bspw. HmIP-SMI) erfolgen. Achtet auch hier bei der zusätzlich „und“-Verknüpfung darauf, dass „nur prüfen“ ausgewählt ist. Für Bewegungsmelder empfehle ich, wie bei Fensterkontakten, weiterhin „bei Änderung auslösen“. Wo hier die Unterschiede liegen, werdet ihr einmal in einem weiteren Bericht von mir lesen. In der Aktivität wird wieder 10-sekündlich verzögert die von uns angelegte Systemvariable „Alarmverzögerung“ auf „aktiv“ gesetzt.

Zentralenverknüpfung 4 (Alarmauslösung):

Zentralenverknüpfung 2 und 3 beinhalten die Erkennung, ob Fensterkontakte oder Fensterkontakte und Bewegungsmelder im Schutz enthalten sein sollen und führen bei Aktivierung dazu, dass die Alarmverzögerung nach 10 Sekunden aktiv wird. Die hier beschriebene  Zentralenverknüpfung 4 reagiert nun auf die „Alarmverzögerung“ und löst relativ simpel eine Sirene als Aktivität aus.

Ihr könnt in dieser Zentralenverknüpfung erkennen, dass der Auslöser bzw. die Bedingung durch der Wechsel der Variable „Alarmverzögerung“ auf „aktiv“ erfolgt. Uns interessiert nur die Änderung, daher belasst den Eintrag auf „bei Änderung auslösen“. In der dazugehörigen Aktivität werden nun alle Alarmgeräte angesprochen. Hier können beispielsweise Sirenen (HmIP-ASIR-O), Blitzgeräte (HM-Sec-SFA-SM) oder auch alle Licht im Haus (HmIP-BSM) aufgenommen werden. Achtet bei Außensirenen darauf, dass diese nicht länger als 180 Sekunden eingeschaltet werden dürfen. Bedenkt bei der Einschaltdauer, dass zunächst die Einschaltdauer, dann der Einschaltbefehl an den Aktor geschickt wird. Leider wird nur allzu häufig der Einschaltbefehl vergessen oder die Reihenfolge vertauscht.

Zentralenverknüpfung 5 (Alarmverzögerung deaktivieren!):

Zentralenverknüpfung Nr. 5 dürft ihr in keinem Fall vergessen… Sollte bspw. ein Fenster im Alarm-Modus „innen“ geöffnet werden, so geht zunächst nach 10 Sekunden die Alarmverzögerung auf „aktiv“ (Zentralenverknüpfung Nr. 2). Sobald Sie diesen Status erreicht hat, wird der Alarm ausgelöst (Zentralenverknüpfung Nr. 4). Nun soll aber auch eine Deaktivierung der Alarmverzögerung möglich sein…

ich stell mir das wie folgt vor: Ihr öffnet die Haustür trotz aktiviertem Hüllschutz (Alarm-Modus innen) und möchtet innerhalb der 10 Sekunden-Frist den Alarm deaktivieren können, bspw. durch eine Visualisierung oder einen versteckten Wandtaster.

Hier kommt Zentralenverknüpfung Nr. 5 ins Spiel. Sie setzt beim Wechsel der Systemvariable „Alarm“ auf „unscharf“ sofort die Verzögerungsvariable auf inaktiv (es muss das Häkchen „Vor dem Ausführen alle laufenden Verzögerungen … beenden“ gesetzt sein!). Damit wird die Zentralenverknüpfung Nr.4 nicht mehr ausgelöst. Ebenfalls sorgt diese Zentralenverknüpfung dafür, dass bei einem ausgelösten Alarm auch die Sirene beim „Unscharf“-Schalten wieder deaktiviert wird.

Fazit

Nach Programmierung dieser fünf Zentralenverknüpfungen haben wir nun eine Alarmzentrale, die folgendes kann:

  1. Scharfschalten in unterschiedlichen Schutz-Modi (Hüllschutz, Vollschutz)
  2. Alarmaktivierung 10 Sekunden nach Bewegungserkennung oder Fenster-auf (je nach aktivierten Schutz-Modus)
  3. Alarmauslösung mit Blitz/Sirenen-Ansteuerung
  4. Beim Unscharf-Schalten wird ein eventuell bereits ausgelöster Alarm wieder deaktiviert oder aber die Alarmverzögerung deaktiviert.

Um die Alarmzentrale noch ein wenig professioneller werden zu lassen, könnt ihr nun noch mit einer USV die CCU3/RaspberryMatic vor Spannungsverlust schützen. Hierfür eignen sich auch herkömmliche Powerbanks, die eine Spannungsversorgung von 5V über USB bieten. Bedenkt bei der Auswahl der Powerbank, dass diese zwei Ports benötigt, einen zum dauerhaften Laden und einen weiteren für den Anschluß der CCU3. Ebenfalls muss die Powerbank für dauerhaftes Laden geeignet sein.

Ebenso sollte man bei „professionellem“ Einsatz dieser Alarmfunktionen von Funk-Komponenten absehen. Für diesen Zweck könnte man mit dem neuen Bus-System Homematic IP Wired und diversen Eingangsmodulen (bspw. HmIPW-DRI16 oder HmIPW-DRI32) drahtgebundene Reed-Kontakte von Fenstern oder auch externe Bewegungsmelder mit Schaltausgang einbinden.

Viel Spaß beim Nachbauen!

 

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